Zwei Wochen nach dem Brand auf der Domäne sieht die abgebrannte Halle noch gleich aus. Viel verändern konnte sich auch nicht, denn noch sind die Gutachter am Werk. Das Land habe als Eigentümer bereits signalisiert, dass die abgebrannten Gebäude wieder aufgebaut werden sollen, erklärt Pächter Michael Thonnet. Unklar sei aber wann.

Wegen der Urlaubszeit würden die Mühlen etwas langsamer mahlen. Dass der Betrieb noch in diesem Jahr wieder normal ablaufen wird, können sich die Betreiber nicht vorstellen. Und von der Versicherung, die für das Inventar zuständig ist, gebe es noch keine konkrete Aussage, sagt Thonnet. „Wir müssen jetzt gucken, dass es irgendwie weiter geht.“ Denn der Schaden sei mit rund 500.000 Euro immens.

Futterspenden auch aus Friedrichshafen und Schwarzwald

Michael Thonnet erlebte in den vergangenen Tagen eine große Anteilnahme. Vor einem Jahr waren 53 seiner Tiere von einem Zug erfasst und getötet worden, nun bedeutet der Brand eine neue Herausforderung. Damals wie heute startete die Tierrettung Südbaden einen Hilfeaufruf, dem viele folgten: Damals konnte er von Spenden 46 neue Tiere kaufen, die Versicherung habe nämlich keinen Schaden beglichen. Heute stapeln sich Heuballen auf dem Hof, um die rund 550 Mutterschafe und ihre aktuell rund 400 Lämmer zu versorgen.

„Es kamen teilweise täglich Unterstützer mit Futter“, berichtet Hanne Pföst, die die Domäne mitbetreibt. Sie dankt den Helfern ebenso wie ihr Kollege. „Manche hatten nur zwei Ballen, andere 22“, ergänzt Thonnet. Die Spender seien auch von einiger Entfernung gekommen, beispielsweise aus Friedrichshafen oder dem Schwarzwald. „Damit müssten wir eigentlich über den Herbst kommen“, sagt Thonnet. Mit einem Vlies werden die Heuballen nun vor dem Regen geschützt – ein Lager gibt es ja nicht mehr.

Die Rauchsäule am Hohentwiel war vor zwei Wochen weit zu sehen. Bild: Albert Bittlingmaier
Die Rauchsäule am Hohentwiel war vor zwei Wochen weit zu sehen. | Bild: Bittlingmaier, Albert
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Der Stall, von dem nur ein Teil den Flammen nachgab, könnte einem Teil der Schafherde theoretisch Schutz bieten. Doch er ist noch gesperrt, bis die Gutachter ihre Arbeit abgeschlossen haben. „Die Brandursache wird weiter ermittelt“, erklärt eine Polizeisprecherin auf Nachfrage.

Bis der Stall freigegeben ist, lagern auch Stroh und Heu auf allen freien Flächen, etwa zwischen Gebäuden oder auf dem Parkplatz. Die Tiere bleiben auf der Weide. Wenn im September neue Lämmer geboren werden, sollten diese aber ein Dach über den Kopf bekommen, sagt Thonnet.

Ihren Schafstall können die Tiere vorerst nicht mehr nutzen. Archivbild: Jeanne Lutz
Ihren Schafstall können die Tiere vorerst nicht mehr nutzen. | Bild: Jeanne Lutz

Einzelne Lämmer könnten draußen bleiben, doch bei Zwillingsgeburten bräuchten die Tiere einen Schutz vor Wind und Wetter. Den Gedanken, das mit Zelten zu lösen, hätten sie wieder verworfen. Das wäre zu umständlich und die Zelte würden vermutlich lange nach den Tieren riechen, erklärt Thonnet.

In den nächsten Wochen ist für die Schäfer viel Handarbeit angesagt

„Das dringendste, was wir brauchen, ist ein Radlader“, sagt Hanne Pföst. Sie hat einen Stapel Kataloge vor sich, um Hersteller und Typen zu vergleichen. Doch neue Maschinen seien teuer, deshalb suchen sie nach einer gebrauchten. „Bis nächste Woche sind wir noch mit der Schadensaufstellung beschäftigt“, erklärt Pföst. Es sind einige Hilfsmittel, die nun fehlen. Die Tierrettung Südbaden hat neben Futter auch Spenden gesammelt, die für die Wiederbeschaffung der Maschinen verwendet werden sollen.

Bernd Metzger ist Vorsitzender des Vereins Tierrettung Südbaden und erklärt, wie es zu der Hilfsaktion kam: Nachdem sie von dem Brand hörten, hätten sie sich sofort gedacht, dass sie da helfen müssten. Nachdem keine Tiere verletzt wurden, galt das Engagement dem weiteren Betrieb der Schäferei. Nächste Woche sollen die Geldspenden übergeben werden, die Summe wird bis dahin noch ermittelt.

Nur geringe Verbesserungen: Größe und Lage der Halle sollen bleiben

Wenn die Lagerhalle wieder aufgebaut wird, soll das ohne große Änderungen geschehen. Größe und Lage mussten in der Vergangenheit von verschiedensten Stellen abgesegnet werden, erinnert sich Hanne Pföst, daher sei da wenig Spielraum. Nur einzelne Dinge könnten vielleicht verbessert werden. Beispielsweise sollen die Leitungen für die Tränken anders verlegt werden, damit sie nicht mehr so rasch einfrieren. Hanne Pföst kann schon wieder einen Funken Positives sehen: „Wir hatten noch Glück. Wäre der Wind aus einer anderen Richtung gekommen, hätte es wesentlich schlimmer ausgehen können.“

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