Erzieherische Verkehrsmaßnahmen oder Abzocke? Diese Frage stellt sich, da Städte und Gemeinden des Hegaus immer stärker Geschwindigkeiten von Fahrzeugen kontrollieren. Dabei helfen Blitzergeräte. Während Autofahrer monieren, dass die Kommunen dadurch ihre Kassen füllen, verteidigen deren Vertreter vehement die Aktionen. "Die Stadt Singen hat in den letzten Jahren die stationären Geschwindigkeitsmessungen deutlich ausgebaut. Wir betreiben an insgesamt sechs verschiedenen Standorten Messanlagen, um in diesen Bereichen ein Einhalten der Geschwindigkeit zu erreichen", schildert Marcus Berger, Leiter des Singener Amtes für Sicherheit und Ordnung. Die Stadt habe zudem an mehreren Stellen im Stadtgebiet Geschwindigkeitsbeschränkungen eingeführt, um dort das Niveau des gefahrenen Tempos zu senken. "Mit unserer mobilen Anlage überprüfen wird dort regelmäßig. Die Erfahrung lehrt, dass ein Tempolimit immer zu einem Absinken des Geschwindigkeitsniveaus führt", erklärt Berger.

"Die Nettoeinnahmen der Messgeräte sind nicht ohne Weiteres ermittelbar. Wir müssten Ausgaben wir Personal-, Raum- und Sachkosten abziehen. Da wir nicht nur Geschwindigkeitsverstöße sanktionieren, müssten die Ausgaben anteilig gerechnet werden. Brutto haben wir im Jahr 2017 aus Geschwindigkeitsverstößen etwa 720 000 Euro eingenommen", schildert Berger. Bei rund 37 000 Fällen ergebe sich eine durchschnittliche Geldbuße in Höhe von 20 Euro, was das Problem des Rasens doch etwas relativiere.

Runter vom Gas, heißt es auf der Straße vor der Rielasinger Ten-Brink-Schule. Dort gibt es oft Geschwindigkeitsmessungen.
Runter vom Gas, heißt es auf der Straße vor der Rielasinger Ten-Brink-Schule. Dort gibt es oft Geschwindigkeitsmessungen.

"Aus unserer Sicht handelt es sich bei der großen Mehrheit der Verstöße nicht um rücksichtslose Raser – die gibt es auch -, sondern um relativ moderate Verstöße, wie sie immer mal wieder passieren können", so Berger. Die stationären Geräte der Stadt Singen seien gemietet. Das habe für die Stadt den Vorteil, dass Reparaturen, Wartungen undsoweiter nicht extra bezahlt und nicht mit eigenem Personal organisiert werden müssten. Der Vorwurf der "Abzocke" sei wahrscheinlich so alt, wie der erste "Blitzer" dieser Welt, sagt Berger. Grundsätzlich werde nur geblitzt, wer sich nicht an die Begrenzungen halt. "Tempolimits gelten letztlich für alle Straßen, eben auch dort, wo es ein Autofahrer nicht einsieht. Unsere Messstellen haben aber durchgehend einen erklärbaren Hintergrund. Die stationären Säulen sollen dort, wo sie stehen, die Lärmbelastung der Anwohner mindern", erklärt Berger. Nach Auskunft von Anwohnern klappe das auch.

Weiterhin habe die Stadt Singen die mobilen Messstellen nicht nur direkt an Schulen und Kindergärten, sondern auch auf Schulwegen, wo Schüler zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs sind. Gerade bei solchen Messstellen, die scheinbar ohne Bezug sind, werde der Vorwurf der "Abzocke" gerne erhoben. Insgesamt könne aber festgestellt werden, dass die große Masse der "Bußgeldkunden" durchaus Verständnis für die Messungen habe, wenn man sich verständlicherweise auch ärgere. "Die Stadt veröffentlich jeden Freitag einen Teil der Messstellen, die in der Folgewoche gemessen werden auf Facebook. Dieser Beitrag wird wöchentlich von bis zu 6000 Personen angeklickt. Auch daher kann von Abzocke nicht die Rede sein", betont Berger.

  • Engen: "Die Stadt Engen hat einen eigenen zertifizierten Meßbeamten als geringfügig Beschäftigten angestellt. Das Messfahrzeug mieten wir an", berichtet Axel Pecher. Der Leiter des Engener Ordnungsamtes betont: "Wir verstecken das Messfahrzeug nicht, es ist als Kleinbus gut sichtbar. Und es gibt eine erhöhte Toleranzgrenze", so Pecher. Geschwindigkeitsmessungen gebe es vor allem an Schulen und Kindergärten sowie in Wohngebieten, aus denen verstärkt Klagen kommen, dass zu schnell gefahren werde, so Pecher. Es sei aber immer wieder feststellbar, dass Anwohner selbst geblitzt werden. "Etwa 90 Prozent der Fahrer halten sich an die vorgeschriebene Geschwindigkeit. Vier Autofahrer mussten 2017 egen Überschreitungen von mehr als 30 Stundenkilometer ihren Führerschein beim Ordnungsamt abgeben", so Pecher.
  • Rielasingen-Worblingen: "Eine beauftragte Fremdfirma führt für uns Tempomessungen aus. In der Regel zweimal pro Monat", verrät Günter Rudolph, Ordnungsamtsleiter von Rielasingen-Worblingen. "Wir berichten über die Ergebnisse regelmäßig im Amtsblatt", so Rudolph. "Laut unserer Prioritätenliste kontrollieren wir verstärkt im Bereich von Schulen und Kindergärten, aber auch auf Durchgangsstraßen, wie in Worblingen. Unser Handeln ist alles andere als Abzocke", so Rudolph. Auch gegen Falschparker gehe die Gemeinde stark vor, weil sie den Verkehr teils gefährden und behindern.
  • Gottmadingen: "Die Gemeinde Gottmadingen ist keine Bußgeldbehörde. Deshalb führt das Landratsamt Konstanz Geschwindigkeitsmessungen aus", schildert Patrick Pingitzer vom Gottmadinger Tiefbauamt. Die Gemeinde gebe aber Hinweise, wo besonders schnell gefahren werde. "Wir regen an, vor allem im Einzugsbereich von Schulen und Kindergärten gezielt zu kontrollieren", so Pingitzer. Auch auf stark befahrenen Straßen werde geblitzt.

Parkflächen als Bremse

Zuletzt wurde in Singen in Wohngebieten durch neue Parkplätzen der Autoverkehr abgebremst. Das Markieren alternierender Parkflächen soll dazu führen, dass die Verkehrsteilnehmer vorsichtiger und damit langsamer fahren. Gleichzeitig erhalten Anwohner und deren Besucher Parkflächen, sodass hier eine Situation entsteht, die laut Stadtverwaltung mehrere Vorteile in sich vereinigt.