Betont nüchtern teilt sie sich mit, so als wär's das Normalste von der Welt. "Demokratie lebt vom Wechsel", heißt es in einer Pressemitteilung von Veronika Netzhammer, in der sie ihren Rückzug aus der Kommunalpolitik ankündigt. Die 67-Jährige wird bei den Kommunalwahlen am 26. Mai nicht mehr antreten – nicht für den Kreistag und nicht für den Singener Gemeinderat.

Auch im Telefonat macht Veronika Netzhammer nicht viel Aufhebens um die Nachricht. Das Personal-Tableau ihrer Partei sieht sie durch Kontinuität geprägt, wobei sie als Beispiel Andreas Renner nennt. Der Singener Alt-OB kandidiert für den Kreistag, aber auch für den Gemeinderat sieht sie die CDU gut aufgestellt. Heike Kornmayer etwa schreibt sie hohe Kompetenz in der Schulpolitik zu – sie ist einer der Themenbereiche, auf die Veronika Netzhammer in ihrer politischen Laufbahn ein besonderes Augenmerk legte.

Prägende Politikerin in Singen und der Region

"So ein Wechsel ist in der Kommunalpolitik dann problematisch, wenn gleich mehrere Personen aufhören", sagt Veronika Netzhammer und versucht damit ihren Rückzug in einen größeren Zusammenhang einzuordnen. Doch egal wie sie's auch dreht und wendet: Allein beim Blick auf die Dauer ihres Engagements und ihre Funktionen erschließt sich der Einfluss von Veronika Netzhammer auf die Politik in Stadt und Region. Seit 1990 gehört sie dem Gemeinderat an, in dem sie seit 1994 für ihre Fraktion spricht, seit 1994 ist sie ferner Mitglied des Kreistags. Von 1996 bis 2011 gehörte sie außerdem als Abgeordnete dem Landtag in Stuttgart an.

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Gut denkbar, dass der Marathon durch die Kommunalpolitik an der Seite von vier Oberbürgermeistern und zwei Landräten zu jener Nüchternheit beitrug. Und ihre Grundhaltung, dass die Kommunalpolitik im Prinzip beim Verlassen der eigenen vier Wände beginnt, will sie ohnehin beibehalten. "Ich werde mich auch ohne Mandat äußern", und ihr Wort wird dabei unter anderem in ihrer Funktion als Vorsitzende des Fördervereins des Theaters "Die Färbe" oder des Fördervereins für den Stadtpark voraussichtlich immer mal wieder gefragt sein.

Wenn der Appetit mit dem Essen kommt

Veronika Netzhammer ist sich deswegen sicher, dass es "mir keine Sekunde langweilig wird". Dabei will sie nicht so weit gehen, dass die Kommunalpolitik süchtig mache. In ihr liege aber ohne Frage der Reiz, dass man hier im Gegensatz zur Landes-, Bundes- oder Europapolitik die konkreten Auswirkungen von Entscheidungen erlebe. Deshalb ihr grundsätzlicher Tipp zur Kommunalwahl: Mitmachen – und wenn man erst einmal dabei ist, kommt der Appetit mit dem Essen von alleine.