Bei immer noch frostigen Temperaturen drängen sich am Montagmorgen Angestellte des Öffentlichen Diensts auf dem Rathausplatz in Singen. Fahnen werden geschwenkt, Flyer und Kärtchen verteilt, das Motto: "Wir sind es wert!"

"Wir kämpfen für bessere Arbeitsbedingungen auf den Stationen und bessere Bedingungen für unsere Auszubildende", betont Christa Bartuschek, Mitarbeiterin im Krankenhaus Singen. Gerade aus dem Klinikum sind viele Beschäftigte zum Warnstreik aufgebrochen, darunter auch einige Pflegeschüler. Ihr Ziel, die eigene berufliche Zukunft mitzugestalten. "Wir wollen eine Fünf-Tage-Woche mit siebeneinhalb Arbeitsstunden, statt einer Sechs-Tage-Woche mit sieben Stunden. Wir wollen einfach so arbeiten, wie es andere auch tun", erklärt Sarah Angehrn, Auszubildende im Gesundheitsverbund, warum sie beim Warnstreik dabei ist.

Auf dem Hohgarten in Singen haben sich die Mitarbeiter des Öffentlichen Dienstes zur zentralen Kundgebung im Tarifstreit um Lohnerhöhungen versammelt.
Auf dem Hohgarten in Singen haben sich die Mitarbeiter des Öffentlichen Dienstes zur zentralen Kundgebung im Tarifstreit um Lohnerhöhungen versammelt. | Bild: Aaron Baur

Ausufernde Arbeitszeiten, steigender Leistungsdruck und mangelhafte Verdienstmöglichkeiten sind Thema. "Mit diesem Warnstreik wollen wir den Verhandlungsführern in Potsdam Macht in die Hand geben", ruft Sylvia Nosko, Bezirksgeschäftsführerin von Verdi, den Gewerkschaftsmitgliedern zu. Sie hat den Streikaufruf in Singen organisiert und freut sich über die rege Beteiligung. Die Verdi-Forderung: sechs Prozent mehr Lohn für alle, mindestens aber 200 Euro: "So wollen wir etwas für die unteren Entgelt-Gruppen tun", unterstreicht Gewerkschaftssekretär Andreas Gallus. Für Auszubildende und Praktikanten soll es pauschal 100 Euro mehr geben, sowie die garantierte Übernahme nach erfolgreich abgeschlossener Ausbildung, Tarifverträge für Ausbildungs- und Praktikumsverhältnisse, sowie eine Anhebung des Nachtszuschlags in Krankenhäusern auf 20 Prozent. Wichtigster Punkt für die meisten ist eine Lohnerhöhung: "Wir erhoffen uns dadurch eine bessere Bezahlung. Sechs Prozent Lohnerhöhung sind gefordert. Ich wäre schon über drei froh", sagt Daniel Keller, bei der Stadt Singen als Angestellter im Friedhofsbereich beschäftigt. Auch für Andreas Hildebrandt, Mitarbeiter der Müllentsorgung, geht es ums Geld: "Wir wollen so bezahlt werden, wie wir es verdienen, man muss sich schließlich mal überlegen was andere so im Vergleich für ein Gehalt bekommen."

"Wir wollen auch etwas für die unteren Entgelt-Gruppen erreichen", sagt Verdi-Gewerkschaftssekretär <b>Andreas Gallus</b>. "Mit diesem Warnstreik wollen wir den Verhandlungsführern Macht in die Hand geben", erklärt <b>Sylvia Nosko</b>, Verdi-Bezirksgeschäftsführerin im Bezirk Schwarzwald-Bodensee.
"Wir wollen auch etwas für die unteren Entgelt-Gruppen erreichen", sagt Verdi-Gewerkschaftssekretär Andreas Gallus. "Mit diesem Warnstreik wollen wir den Verhandlungsführern Macht in die Hand geben", erklärt Sylvia Nosko, Verdi-Bezirksgeschäftsführerin im Bezirk Schwarzwald-Bodensee. | Bild: SK-Archiv

Allgemein wollen die Beschäftigten im Öffentlichen Dienst mehr Wertschätzung, da sie das Leben für alle lebenswerter machen – egal ob Müll entsorgt, Kinder betreut, Kranke gepflegt oder Menschen mit Wasser und Strom versorgt werden müssen. "Ich erhoffe mir mehr Anerkennung in der Gesellschaft für unseren Beruf, denn ohne Kinderbetreuung könnte niemand mehr arbeiten gehen", so Erzieherin Diana Mess, die den Blick konkret auch auf die Ausbildungszeit richtet: Erst ab dem vierten Lehrjahr dürften Auszubildende in der Kinderbetreuung mit Gehalt rechnen. Schon jetzt sei sichtbar, dass in Zukunft vieles nicht mehr möglich sei. "Wir arbeiten hauptsächlich in Unterbesetzung und haben trotzdem die Verantwortung für die Kinder, die wir so nicht gewährleisten können." Um Aufnahme in den Tarif kämpfen Mitarbeiter der Versorgungsbetriebe. "Singen ist die einzige Stadt im Umkreis, die den Tarifvertrag für Versorgungsbetriebe nicht erfüllt", berichtet Marc Denecke von den Singener Stadtwerken.

 

Der Tarifstreit

Das war: Nach der ersten Verhandlungsrunde in Potsdam vermissen Verdi-Vertreter Angebote der Arbeitgeberseite. Forderungen der Gewerkschaft wurde als unerfüllbar zurückgewiesen.

Das ist: Die Antwort darauf sind die in vielen Städten stattfindenden Warnstreits seit dem 1. März.

So geht's weiter: Am Montag und Dienstag findet nun die zweite Verhandlungsrunde in Potsdam statt, von denen sich Arbeitnehmervertreter erste Angebote erhoffen. (mha)