Singen Unterwegs mit Mitarbeitern der Stadtwerke: Den Müllsündern auf der Spur

Die Straßenverschmutzung durch Müll nimmt in Singen zu. Um die Lage im Griff zu behalten, sind tägliche Reinigungstouren nötig. Mitarbeiter der Reinigungstrupps der Stadtwerke zeigen die Problemstellen auf ihrer täglichen Tour.

Eine Matratze am Parkstreifen bei der Orteinfahrt, Autoreifen am Waldrand oder Essensverpackungen auf dem Boden der Fußgängerzone: Wilder Müll liegt wie Unkraut an vielen Stellen in Singen und auf den Grünflächen der Umgebung. „Ich habe den Eindruck, dass es über die Jahre mehr geworden ist“, sagt Heidi Urbatsch, Leiterin der Abfallwirtschaft bei den Stadtwerken Singen.

Vor allem an den Standplätzen von Containern werde viel Müll abgelegt und auch an Bushaltestellen sei die Verschmutzung besonders groß. Urbatsch erzählt, dass außerhalb der Öffnungszeiten des Wertstoffhofs vieles einfach vor dem Tor abgestellt werde. Die Unsitte, leere Verpackungen und anderen Müll einfach im Gehen fallenzulassen, sei heutzutage weit verbreitet. „Wir müssen täglich Leute losschicken, um den Müll wegzuräumen“, erklärt Reinhard Jortzig, der das Personal einteilt.

"Mit Hausmüll haben wir die meisten Probleme"

Raymond Hugenschmidt gehört zu den Mitarbeitern, die täglich Touren fahren, um Müll von Glascontainer-Standplätzen, Bushaltestellen und illegal entsorgten Sperrmüll im Wald einzusammeln. Gemeinsam mit seinem Kollegen Moritz Morelli fährt er seit drei Jahren durch Singens Straßen und räumt weg, was die Leute arglos in die Natur oder auf die Straße werfen. 36 Container gilt es, jeden Tag aufs Neue zu kontrollieren. Auf einer Tour zeigen Hugenschmidt und Morelli die Stellen, die den Männern besonders viel Ärger bereiten.

Los geht es auf dem Parkplatz vor der Herz-Jesu-Kirche. Tüten mit alten Korken und Hausmüll stehen neben den Glascontainern. "Mit Hausmüll haben wir die meisten Probleme", sagt Hugenschmidt. Er schätzt, dass es in Singen etwa 900 öffentliche Abfalleimer gibt. In mindestens 700 finde er täglich Hausmüll. "Wahrscheinlich wollen sich die Leute das Geld für die Entsorgungsbetriebe sparen", mutmaßt Morelli.

Glascontainer-Stellplätze erfreuen sich bei Müllsündern ganz besonders großer Beliebtheit. Bild: Viktoria Nitzsche
Glascontainer-Stellplätze erfreuen sich bei Müllsündern ganz besonders großer Beliebtheit. Bild: Viktoria Nitzsche

Doch nicht nur über Hausmüll und Essensreste ärgern sich die beiden Männer besonders. Bei der Tour zu verschiedenen Container-Standplätzen quer durch die Stadt wird das ganze Ausmaß der Vermüllung deutlich: Gartenschaufeln, Klappstühle, Farbreste, flaschenweise Speiseöl, alte Autokennzeichen und sogar eine Heizung liegen auf dem Boden neben den Glasmüllbehältern.

"Wir haben schon alles gesehen: Motorroller, Fahrräder, Autobatterien, komplette Einbauküchen und sogar einen brennenden Ölofen im Wald", berichtet Hugenschmidt nüchtern. Täglich verbringen die Männer rund viereinhalb Stunden allein damit, die Plätze rund um die Container sauber zu halten – bis zum nächsten Tag zumindest. Eine Sisyphosarbeit.

Das droht Müllsündern

Mitte April wurde der neue Wertstoffhof in Singen feierlich eingeweiht. An fünf Tagen in der Woche haben sich die Öffnungszeiten deutlich verlängert. An den Problemen mit dem wilden Müll hat sich seither nichts verändert. Raymond Hugenschmidt steuert seinen Transporter auf einen Waldweg, direkt an der Ortseinfahrt bei der B 34. Zwei nicht zu übersehende Fahrverbotsschilder stehen an der Straße. "Das interessiert die Leute nicht im Geringsten", weiß Hugenschmidt. Das Motto der Müllsünder: Aus den Augen, aus dem Sinn". Gerade Möbel und andere Großgeräte schmeißen die Menschen am liebsten ins Gebüsch", sagt er.

Was Müllsündern droht, die Geräte, Möbel oder Autoreifen einfach wild irgendwo ablegen, hängt davon ab, was genau entsorgt wurde, sagt die Leiterin der Abfallwirtschaft, Heidi Urbatsch. Um ihnen auf die Schliche zu kommen, müssen die Mitarbeiter der Reinigungstrupps den Abfall durchsuchen. Findet sich dazwischen ein alter Brief, Kontoauszüge oder eine Adresse, können die Personen zur Verantwortung gezogen werden – zumindest theoretisch.

Raymond Hugenschmidt und Moritz Morelli haben in ihrem Alltag kaum Zeit für Detektivarbeit. "Ehrlich gesagt haben wir es aufgegeben, die Leute überführen zu wollen", sagt Hugenschmidt. Zu oft stehe am Ende Aussage gegen Aussage und die Müllsünder kämen ohne Strafe davon. "Selbst wenn ich fotografiere, wie jemand illegal Müll entsorgt, kann derjenige hinterher behaupten, er habe die Sachen gerade aufräumen wollen", erklärt er.

Die Kreativität der Leute kenne keine Grenzen, wenn es darum gehe, ein Bußgeld zu vermeiden. Das wird besonders bei einem Fall deutlich, an den sich die Männer noch gut erinnern können. "Wir haben mehrere gelbe Säcke im Wald gefunden und konnten den Besitzer ausfindig machen. Allerdings konnten wir den Mann nicht zur Verantwortung ziehen, denn er hatte die Säcke bei der Polizei als gestohlen gemeldet."

Die schlimmsten Container der Stadt

Wenn die Männer Müllsünder auf frischer Tat ertappen, versuchen sie, im Gespräch an die Vernunft der Menschen zu appellieren. "Leider muss man oft erst mit einer Anzeige drohen, damit sie ihren Müll nicht irgendwo hinschmeißen", so Hugenschmidt. Denn beim Geld hört der Spaß dann doch auf. Auch beim Müll an den Containerplätzen sind die Männer von den Stadtwerken nicht vollkommen machtlos. Sie haben ihre eigene Strategie entwickelt, das Leben der Unbelehrbaren zu erschweren.

"Vor kurzem haben wir einige Container anders aufgestellt. Vorher waren vier Container in einem Block angeordnet. In diese Zwischenräume stopfen die Menschen gerne ihren Müll, damit es nicht auffällt", erzählt Hugenschmidt. Nachdem man die Behälter zu einer langen Reihe angeordnet hat, habe sich die Situation deutlich verbessert.

Bei den nach Ansicht der Männer schlimmsten Containern der Stadt, in der Domänenstraße, haben Hugenschmidt und Morelli zusätzlich in die Trickkiste gegriffen. "Wir wissen einfach, dass der Müll, der sich hier täglich häuft, vom gegenüberliegenden Wohnblock stammt", erklären sie. Deshalb haben die Männer die Container um etwa 50 Meter verschoben, weg vom Wohnblock. Seither findet sich kaum noch Sperrmüll an den Behältern. "Die Leute sind eben bequem", schmunzelt Hugenschmidt.

Zuständigkeiten und Strafen

  • Sauberkeit in Singen: Die Stadtwerke und die Technischen Dienste sind jeweils für verschiedene Bereiche beim Thema Müll und Straßenreinigung zuständig. Die Straßenreinigung der Technischen Dienste kümmert sich beispielsweise um die Verschmutzung auf Gehwegen. Mitarbeiter der Abteilung Abfallwirtschaft der Stadtwerke sind laufend unterwegs, um sich um wild weggeworfenen Müll in der Fußgängerzone oder Ablagerungen an Parkplätzen zu kümmern. Sie suchen auch die einschlägigen Stellen im Wald auf, an denen immer wieder illegal Abfall abgelegt wird.
  • Das droht Müllsündern: Wer dabei ertappt wird, wenn er illegal Gegenstände entsorgt, muss mit einer Geldbuße in unterschiedlicher Höhe rechnen. Laut Bußgeldkatalog für Müll und Müllentsorgung des Landes Baden-Württemberg, kann bereits eine arglos weggeworfene Verpackung zwischen zehn und 25 Euro kosten. Wer Großgeräte, wie zum Beispiel eine Waschmaschine, illegal entsorgt, muss mit 100 bis 300 Euro Strafe rechnen. Alte Autoreifen schlagen mit mindestens 75 Euro zu Buche. Je nach Anzahl kann sich der Preis bis auf 2500 Euro steigern. Die detaillierte Liste mit allen Bußgeldern gibt es im Internet unter https://umwelt.bussgeldkatalog.org/muell/. (löf)

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