Das "Grenzenlose Gartenerlebnis" gibt es seit neun Jahren. Wie ist die Idee dazu entstanden?

Die offenen Gärten gibt es in England, Belgien und im Norden Deutschlands schon lange. Ich habe das Gartenerlebnis vor neun Jahren mit installiert und Regie geführt. Die Idee war, das etwas zu modifizieren und für den grenzüberschreitenden Ansatz Hegau-Schaffhauserland gab es eine Förderung der EU. So gibt es nicht nur Privatgärten zu sehen, sondern auch öffentliche Parks, Schaugärten, Künstler- und Landschaftsgärten. Wir haben von Anfang an gesagt: Egal welche Größe, das Thema muss stimmen. Ein Bauerngarten sollte ein Bauerngarten sein. Die Gartenbesitzer können sich bewerben, eine Jury entscheidet über die Teilnahme. Es gibt zwei Termine, an denen die Gartenbesitzer ihre Gärten öffnen. Wichtig war uns immer, dass die Teilnehmer über ihre Gärten sprechen und den Interessierten etwas über dessen Geschichte erzählen und so ihre Leidenschaft weitergeben.

Wie wird das Angebot aufgenommen?

Das Gartenerlebnis ist ein Allwetterprogramm und wer einen Bezug zum Garten hat, geht bei jedem Wetter raus. Es ist ein hochwertiges Angebot für Einheimische und Touristen, das bei den öffentlichen Veranstaltungen rund 20 000 Besucher im Jahr anzieht. Und es ist für den Veranstalter, den Verein Hegau Tourismus, ein gutes Angebot. Die Gärten sind da, im Prinzip muss nur das Programm gedruckt werden.

Sind auf beiden Seiten der Grenze die Gartenbesitzer gleichermaßen bereit, ihre Gärten zu öffnen?

Die Schweizer waren da von Anfang an etwas offener, zwischenzeitlich ist die Anzahl auf beiden Seiten ausgeglichen. Die, die ihre privaten Gärten zeigen, sind auch diejenigen, die den Garten gestalten und bearbeiten. Der Gartenbesitzer zeigt mit dem Garten seine Identität und die Symbiose zwischen Mensch, Flora und Fauna. Die Gärtner sind auch Experten für ihre Gärten und haben immer sehr wertvolle Tipps parat. Einer baut zum Beispiel 180 Sorten Tomaten an, ein anderer ist Fachmann in Sachen Kompost. Die Besucher nehmen auf jeden Fall Anregungen für ihren eigenen Garten mit und können auch Elemente für ihren Garten kopieren.

Gibt es beim "Grenzenlosen Gartenerlebnis" Gärten, die Sie besonders ansprechen?

Für mich ist immer wesentlich, dass der Garten, unabhängig von seiner Größe, authentisch ist. Dass er die Seele dessen spiegelt, der darin wohnt. Der Garten ist eine Visitenkarte des Menschen. Es gibt wirklich schöne und beispielhafte Gesamtensembles, mit Haus und Garten, bei denen alles passt. Zum Beispiel gibt es in Buchthalen in der Schweiz ein Fachwerkhaus mit Garten und einer Küferei, die so aussieht, als hätte dort gerade noch jemand gearbeitet. Das sind echte Gartendiamanten.

Welches Thema haben Sie bei den Führungen in Ihrem Schaugarten?

Ich spreche über die Raumbildung im Garten, über Gegensätze und eine Gestaltung, die Spannung aufbaut, wie zum Beispiel hoch und tief oder hart und weich. Einige Bäume sind zum Beispiel so geschnitten, dass die Struktur der Rinde sichtbar wird, was für harte Elemente im Garten stehen kann. Manche Leute fragen mich, warum ich nichts über Pflanzen erzähle: mir geht es darum, darüber zu sprechen, was die Besucher im Garten spüren, riechen, schmecken, hören und dass es zu unserem Motto "Garten, Kunst, Genuss" passt. Das ist, was bleibt.

Sie bieten immer wieder Veranstaltungen, wie beim Krimisommer, in ihrem Schaugarten an. Was mögen Sie daran?

Das ist eine Leidenschaft, bei der nicht die Kostenrechnung im Vordergrund steht, sondern die Freude am Umgang mit der Natur und somit Garten, Kunst und Genuss zu vereinen.

War es für Sie ein gutes Gartenjahr und was mögen Sie am Herbst?

Für die Pflanzen war es ein sehr stressiges Jahr. Erst der Frost im Frühjahr, dann die Hitze, und der Regen kam immer nur kurz und stark. Das war anstrengend und das sieht man den Pflanzen auch an. Es macht sie anfällig für Schädlinge und Pilze. Am Herbst mag ich die Buntheit. Die Jahreszeit ist so spannend wie der Frühling. Außerdem macht die Natur uns vor, dass es jetzt Zeit ist, auch mal Pause zu machen.

 

Fragen: Jacqueline Weiß

 

 

Person und Veranstaltung

  • Manfred Siegwarth, 63 Jahre alt, ist Landschaftsgärtner und seit über 40 Jahren im Geschäft. Er hat seinen Betrieb mit 25 Mitarbeiterin und Schaugarten in Bohlingen. Siegwarth plant und verwirklicht private Gärten und bezieht dabei seine Erfahrungen aus Tätigkeiten in Italien, Frankreich und Finnland mit ein.
  • Das grenzenlose Gartenerlebnis Hegau-Schaffhausen wird von dem Verein Hegau Tourismus veranstaltet. Über 40 öffentliche, private, Schau-, Landschafts- und Künstlergärten mit 45 Veranstaltungen waren 2017 dabei. Darunter unter anderem der Eiszeitpark in Engen oder der Klostergarten Allerheiligen in Schaffhausen.

Alle Infos auch zur Anmeldung finden Gartengartenfreunde unter: www.hegau.de