Das kroatische Klein-Amazonas, wie die Einheimischen den Naturpark Kopacki rit nennen, ist Teil des Donau-Drau-Nationalparks. Dort radelten wir 40 Kilometer über einen geschotterten Damm und kamen nur langsam voran, denn immer wieder blieben wir staunend stehen: Schwärme von Bienenfressern begleiteten uns kilometerweit.

Fluss-Seeschwalben kreuzten unseren Weg mit zappelnden Fischen im Schnabel. Grau- und Silberreiher kennen wir, aber den Purpurreiher sahen wir zum ersten Mal. Und als dann ein Schwarm Schwarz- und Weißstörche über uns kreiste, hätten wir heulen können vor Glück.

Doppelt so groß wie Schwarzwald-Nationalpark

Man spürt dort deutlich, dass die Natur ohne den Menschen klarkommt. Alles, was sie braucht, ist Raum, Ruhe und Zeit – unbezahlbare Güter, die auch uns guttun. Kopacki rit umfasst über 23 000 Hektar – ist also mehr als doppelt so groß wie der Schwarzwald-Nationalpark. Wem nutzt eigentlich ein so riesiges, unberührtes Refugium?

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Der serbische Derdap-Nationalpark (knapp 63 800 Hektar) ist gemeinsam mit dem rumänischen Nationalpark „Eisernes Tor“ (115 600 Hektar) Teil des Unesco-Biosphärenreservates Donauraum und damit mehr als ein reines Naturschutzgebiet. In dieser Modellregion soll gezeigt werden, dass nachhaltige Entwicklung für Mensch, Umwelt und Wirtschaft möglich ist.

Nirgends sonst auf unserer Reise kamen sich Kultur, Geschichte und Natur so nahe: Auf 100 Kilometer sahen wir ein Panorama menschlicher Entwicklung von den Anfängen bis zur Neuzeit – immer umgeben von atemberaubender Natur: An der weitesten Stelle der Donau ahnt man kaum das andere Ufer, am Eisernen Tor verengt sich der Strom auf 190 Meter.

Wir besuchten ein Steinzeitdorf, sahen die Reste einer römischen Donaubrücke und in unmittelbarer Nähe Wasserkraftwerke, deren Staustufen Dörfer und Inseln überfluteten.

Klimawandel wird sich auch hier zeigen

Wie sich das komplizierte Geflecht wirtschaftlicher, kultureller und ökologischer Ansprüche für die Menschen in der Region darstellt, wird Thema eines nächsten Beitrags. Eins jedoch steht fest: die hübschen Fluss-Seeschwalben, die an der Donau brüten und in Afrika überwintern, werden höchstwahrscheinlich ihre Brutgebiete in Südosteuropa durch den Klimawandel verlieren.

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