Fürs Kochen hat Thomas Kessinger in Zukunft mehr Zeit. Von seinem Kollegium erhielt er für dieses Hobby einige Anregungen, doch auch seine Familie wird mehr von ihm haben. Warum? Nach 43 Jahren an der Ekkehard Realschule, davon die letzten 25 Jahre als Schulleiter, wurde Thomas Kessinger gestern feierlich in den Ruhestand verabschiedet.

Noch etwas skeptisch, als könnte er es nicht glauben, schaut Thomas Kessinger (66) auf die Entlassungsurkunde, die ihm Schulamtsdirektor Karlheinz Deußen überreicht. Schließlich hatte er seinen Beruf sogar ein Jahr länger ausgeübt, als er musste. Das hatte seinen Grund, denn zum Ende des vergangenen Schuljahrs war die Konrektorin in den Ruhestand gegangen. Und dass Rektor und Konrektorin im selben Jahr aufhören, wollte er seiner Ekkehard-Realschule nicht antun.

"Das muss ihm erst mal einer nachmachen"

"Wenn ich Schulleiter verabschiede, schaue ich zunächst auf die Personalakte und da ist mir gleich aufgefallen, dass auf dem Deckel nur eine Schule stand", sagte Karlheinz Deußen. Kessinger kam 1973 an die Ekkehard-Realschule. Nun verlässt er die Schule nach 43 Jahren: "Das muss ihm erst mal einer nachmachen", so Deußen. Auch Bürgermeisterin Ute Seifried war beeindruckt: "In der 47-jährigen Geschichte der Ekkehard Realschule hatte diese nur zwei Schulleiter. Da kann man wirklich von Kontinuität sprechen." Berufsorientierung und Bildungspartnerschaften waren Kessinger immer besonders wichtig. "Auf die große Zahl von Kooperationspartnern können Sie stolz sein", lobte Deußen.

Die Karikatur "Der Lotse geht von Bord" von Sir John Tenniel hatte Gerhard Schlosser, Schulleiter der Zeppelin-Realschule, als Leitfaden für sein Grußwort im Namen der Schulleiterkollegen ausgewählt. "Heute ist Thomas Kessinger der Lotse und hinter ihm bleibt seine Mannschaft und eine intakte Schulgemeinschaft", sagte Schlosser. Ganz im Sinne der Zurückbleibenden, die dem Lotsen mit einem kurzen Pfiff ihre Anerkennung ausdrücken, bedankte sich Schlosser mit einem Geschenk und guten Wünschen für den neuen Lebensabschnitt.

Immer nahe an den Schülern

Mit einem frechen, wohlgemeinten Grußwort dankte Schuldekan Thomas Kirchberg im Namen der Kirchen für die reibungslose Zusammenarbeit. Auch von den Schülern und Eltern gab es Geschenke und gute Wünsche mit auf den Weg. "Ihr Name bürgt für Zuverlässigkeit, und Sie waren immer der Kummerkasten für alle Sorgen", sagte die Elternbeiratsvorsitzende Lioba Hany. "Sie waren nah an den Schülern, und Ihnen fällt es leicht, andere mit Ihrer Begeisterung anzustecken", sagte Anna Schneider für die Schülerschaft.

In seinem Berufsleben hat Kessinger viele Reformen erlebt. Doch auch große bauliche Maßnahmen, denn zwischen 1969 und 1977 war die Schülerzahl von 442 auf 967 angestiegen, hatte Seifried recherchiert. "Ja, als ich hier anfing, hatte ich eine Klasse mit 41 Schülern", erinnert sich Kessinger, der total gerührt war von den Beiträgen. "Es war eine schöne Zeit und jeder Tag war anders. Doch genau das ist ja das Schöne an dem Beruf", so Kessinger. Er dankte allen, die ihn die ganzen Jahre begleitet hatten.

Zur Person

Thomas Kessinger (66) hat nach dem Lehramtsstudium in den Fächern Englisch, Geschichte und Gemeinschaftskunde an der Pädagogischen Hochschule Freiburg 1972 die 1. Lehramtsprüfung gemacht. Nach der 2. Lehramtsprüfung ging er direkt an die Ekkehard-Realschule, wo er dann im Jahr 1990 Schulleiter wurde. Seit dem Jahr 2010 war er außerdem geschäftsführender Schulleiter der Singener Schulen. Er war bis 2009 25 Jahre lang Gemeinderat für die CDU in Gaienhofen. Seine Hobbies sind Kochen, Radfahren, Reisen und Fotografieren. Kessinger hat drei erwachsene Töchter und drei Enkel.