Irgendwie scheint es Miroslav Nemec in Singen zu gefallen. Beim Sonntagsfrühstück in der Stadthalle ist er nicht zum ersten Mal. Einige Besucher erinnern sich noch gut an die Kostproben aus seiner Autobiografie, die er mit Gesang und Gitarre angereichert hatte. Ein wenig zu selbstverliebt sei er damals gewesen, sagt eine Frau. Ganz anders diesmal. Keine Instrumente, keine große Show, keine ausschweifende Begrüßung.

Miroslav Nemec muss man nicht vorstellen. Im Münchener Tatort-Krimi heißt er Ivo Batic und ermittelte seit 1991 zusammen mit Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) in 80 Folgen als Kriminalhauptkommissar.

Statt Kochbuch dann doch ein Krimi

Jetzt aber hat er seinen eigenen Kriminalroman geschrieben, genauer gesagt seinen zweiten. Und aus dem liest er nun in der Singener Stadthalle. Am Abend zuvor soll er beim Konzert von Jethro Tull gesichtet worden sein.

Miroslav Nemec, einem breiten Fernsehpublikum bekannt als Tatortkommissar Ivo Basic, liest aus seinem zweiten Krimi „Kroatisches Roulette“ beim Sonntagsfrühstück in der Singener Stadthalle.
Miroslav Nemec, einem breiten Fernsehpublikum bekannt als Tatortkommissar Ivo Basic, liest aus seinem zweiten Krimi „Kroatisches Roulette“ beim Sonntagsfrühstück in der Singener Stadthalle. | Bild: Gtr

Jetzt betritt er die kleine Bühne im Foyer, räumt die Wasserflasche und das Glas vom Tisch und erzählt in gestraffter Form, wie er als gebürtiger Kroate nach der Scheidung seiner Eltern aus Zagreb nach Freising bei München kam. Er wurde adoptiert und heißt seither Miroslav Nemec.

Weil sein erster Fall, „Die Toten von der Falkneralm“, so gut gelaufen sei, habe der Verleger ihn zu einem weiteren Buch gedrängt. Er habe ein Kochbuch mit Witzen vorgeschlagen. Doch dann sei es doch ein Krimi geworden. „Ganz weit entfernt von mir“, sagt Nemec.

Nemec hat sichtlich Spaß

Wie sich herausstellt, ist das Gegenteil der Fall. In „Kroatisches Roulette“ taucht Nemec in seine eigene Jugend ein. Im Kino Partisan, wo die Mutter seines Freundes Kartenabreißerin war, habe er alles gesehen, was er als Handwerkszeug brauchte. Selbst Figuren aus der Biografie tauchen im Krimi mit neuen Namen wieder auf, ebenso wie Anspielungen auf den Münchener Tatort.

Einmal den Tatortkommissar Miroslav Nemec als Krimiautor erleben wollten zahlreiche Besucher beim Sonntagsfrühstück in der Singener Stadthalle. Beste Unterhaltung war ihnen gewiss.
Einmal den Tatortkommissar Miroslav Nemec als Krimiautor erleben wollten zahlreiche Besucher beim Sonntagsfrühstück in der Singener Stadthalle. Beste Unterhaltung war ihnen gewiss. | Bild: Gtr

In seiner kroatischen Heimat soll der Ich-Erzähler die Hauptrolle einer TV-Serie spielen. Die Verhandlungen mit dem Produzenten sind positiv verlaufen. Zurück im Hotel erhält er Besuch von einem merkwürdigen Zimmermädchen und zwei seltsamen Kellnern. Es entstehen kompromittierende Fotos, mit denen er erpresst wird. Mit Hilfe seines Jugendfreundes Drago, der mittlerweile Polizeichef ist, findet er heraus, wer die Frau ist. Als er sie zur Rede stellen will, ist sie tot.

Der Autor zieht alle Register

Nemec ist ganz in seinem Element, spielt mit Stimme und Mimik, wechselt die Rollen und steigert die Dramatik. Es entsteht beste Unterhaltung an diesem Vormittag. Der Bühnen-Profi zieht auch als Autor alle Register und scheut sich nicht, persönlich-biografische Fakten mit Fiktion zu vermischen.

Mit „Mister Tambourine Man“ oder dem Beatles-Song „The Fool on the Hill“ gibt es auch zwei Gesangseinlagen. Ein Hinweis auf den Musiker Nemec, der nicht nur das Klavierfach studiert hat, sondern auch mit eigener Band bekannt ist.

Auch als Musiker versiert

Als später zwar die Lesung, nicht aber die Geschichte zu Ende ist, kaufen die in Höchstspannung versetzten Zuhörer fleißig Bücher, die sie sich signieren lassen. Darunter auch Mike Francetic. Der 73-Jährige stellt sich neben den TV-Kommissar, und man sieht: Die beiden könnten Brüder sein. „Ich werde immer wieder auf meine Ähnlichkeit mit dem Tatortschauspieler angesprochen“, freut er sich. „Ich komme sogar aus der gleichen Gegend in Kroatien wie er.“

Treffen mit einem Fast-Doppelgänger

Die Orte, die in dem Roman vorkommen, kenne er alle. Mladenko (Mike) Francetic hat sich darauf gefreut, Nemec zu treffen. Die Freude ist gegenseitig und Nemec begrüßt seinen Doppelgänger und alle Kroaten im Saal in seiner Muttersprache.

Seit vielen Jahren lebt Francetic im Bodenseeraum, hat als Bauingenieur am Lago und der Uni in Konstanz mit gebaut und ist Trainer beim dortigen Ruderverein Neptun. Jetzt lässt er sich Arm in Arm mit seinem acht Jahre jüngeren Doppelgänger fotografieren. Andere folgen ihm.