Für Singens Oberbürgermeister Bernd Häusler war gestern schon Weihnachten: Das japanische Pharma-Unternehmen Takeda als einer der größten Steuerzahler der Stadt beschert seinem Werk Singen eine neue Produktionsanlage. Kosten: rund 120 Millionen Euro. Zusätzlich wird es mehr als 100 und offenbar bis zu 200 neue Arbeitsplätze bei Takeda geben. "Das stärkt den Industriestandort Singen ganz außerordentlich und ist in dieser Höhe keine Selbstverständlichkeit", erklärte OB Häusler beim Spatenstich für die neue 100-Meter-Halle.

Nach seiner Fertigstellung wird der Neubau über eine Bruttonutzfläche von über 20 000 Quadratmetern verfügen. Er entsteht derzeit auf dem Takeda-Areal an der Byk-Gulden-Straße, im vorderen Abschnitt Richtung Georg-Fischer-Straße und ist von der Straße gegenüber Möbel Poco gut zu sehen. Dort wurde für die neue Anlage in den vergangenen Wochen ein kleiner Wald abgeholzt. Jetzt rollen dort die Bagger und heben den Platz für das Fundament der Riesenhalle aus. Auf mehreren Stockwerken soll in dem künftigen Gebäude ab 2019 ein Impfstoff für den Weltmarkt hergestellt werden. Das Gebäude wird ähnlich aussehen wie der jüngste Takeda-Neubau, der mehr als 20 Millionen Euro gekostet hatte und direkt neben dem künftigen Neubau steht.

Die Bedeutung des Großprojekts war am Dienstag an der Zahl der hochrangigen Takeda-Entscheider abzulesen: Zum Spatenstich waren viele maßgeblich Verantwortliche des Konzerns nach Singen gereist, unter anderem Thomas Wozniewski, der weltweite Chef der Takeda-Produktionsstätten. "Ausschlaggebend für die Wahl des Standortes Singen für die neue Produktionsanlage war die Kompetenz der hiesigen Mitarbeiter und deren Leistungsfähigkeit", erklärte Wozniewski. Singen gelte im weltweiten Verbund des Takeda-Konzerns als herausragend bei der Herstellung von gefriergetrockneten Wirkstoffen. Das neue Werk sei für den Konzern von besonderer Bedeutung, da man sich mit dem neuen Impfstoff gegen das Dengue-Fieber (siehe Kasten) einen riesigen Absatzmarkt erhoffe. Vor allem könne aber Millionen von Menschen gerade auch in wirtschaftlich schwachen Ländern geholfen werden, von dieser ansteckenden Viruserkrankung verschont zu bleiben.

"Vertrauen in den Standort"

„Für den Standort Singen und die Wirtschaftsregion Bodensee ist die geplante Investition eine tolle Nachricht. Das Vertrauen in den Standort zeigt, dass unsere Mitarbeiter in den vergangenen Jahren eine tolle Arbeit geleistet haben, die internationale Anerkennung findet und Vertrauen genießt“, betonte Kim Konradsen als Standortleiter bei Takeda in Singen und Konstanz. Bundesweit beschäftigt Takeda rund 1900 Mitarbeiter, die meisten davon mit rund 870 Personen in Singen. In Konstanz arbeiten noch rund 130 Takeda-Beschäftigte in der Verwaltung. In Berlin im Hauptsitz von Takeda Deutschland stehen 240 Mitarbeiter auf der Gehaltsliste und im zweiten Produktionswerk in Deutschland, in Oranienburg, rund 760.

Großes Thema zwischen Stadt und Takeda wird weiterhin der dringend benötigte Platz für Parkplätze der Mitarbeiter bleiben. Denn es fehlen rund um das riesige Aral in der Südstadt viele Stellflächen, beziehungsweise diese werden von Lastwagen einer Singener Spedition blockiert. Werkleiter Kim Konradsen hatte dieses Thema angesprochen. OB Bernd Häusler erklärte, dass man an einer Lösung arbeite, um der Firma die nötige Infrastruktur zu ermöglichen.

Der neue Impfstoff

Das Dengue-Fieber ist nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO eine Virusinfektion, die durch Mücken übertragen wird und sich schneller ausbreitet als alle anderen Viruserkrankungen. Das Fieber tritt mittlerweile in mehr als 100 Ländern auf. Mehr als vierzig Prozent der Weltbevölkerung sind von diesem Virus bedroht, das jedes Jahr 390 Millionen Infektionen bei Menschen jeden Alters verursacht, erklärt Takeda. Das Fieber ist nur in seltenen Fällen tödlich, legt Patienten aber tagelang komplett lahm. Das künftige Impfmittel von Takeda wird derzeit klinisch erprobt. Es soll Schutz bieten gegen das Dengue-Fieber bei Personen jeden Alters, unabhängig davon, ob diese Personen bereits mit dem Virus in Kontakt gekommen sind oder nicht.