Es ist wie eine Geschichte zum Anfassen, wenn am zweiten Sonntag im September beim alljährlichen Tag des offenen Denkmals historische Stätten und Bauten sich den Besuchern präsentieren. Ein solches Denkmal muss nicht zwangsweise steinern sein. Im Bahnhof Arlen-Rielasingen fuhr eine historische Dampflokomotive Typ Ec 3/5 ein und erregte das Aufsehen der Fahrgäste und der Schaulustigen an den Gleisen. Diese Tenderdampflokomotive führt einen großen Kohletender mit sich. Dies brachte ihr den liebevollen Spitznamen Habersack ein.

Mit Abstand die meisten Aktionen im Hegau bot die Stadt Engen an diesem bundesweiten kulturellen Sonntag an. Kühle Luft empfing einen beim Betreten der normalerweise geschlossenen kleinen Spitalkirche beim Krankenhaus in Engen. Der Zugang zur darunter liegenden, nur spärlich beleuchteten Kapuzinergruft war bereits geöffnet, das Interesse der zahlreichen Besucher geweckt.

Beim Einstieg in die Grotte in der Spitalkirche in Engen muss man schon genau aufpassen, wohin man tritt. In der Grotte wurden 36 Kapuzinermönche beigesetzt. Bild: Sandra Bossenmaier
Beim Einstieg in die Grotte in der Spitalkirche in Engen muss man schon genau aufpassen, wohin man tritt. In der Grotte wurden 36 Kapuzinermönche beigesetzt. Bild: Sandra Bossenmaier

Steinerne Stufen führten hinab, wo 36 Kapuzinermönche ihre letzte Ruhestätte gefunden haben. An der Stelle der kleinen Spitalkirche, die im Jahr 1885 neu aufgebaut wurde, stand ursprünglich die Klosterkirche des 1618 gegründeten Kapuzinerordens. Diese Kirche war jedoch im Jahr 1883 abgebrannt. Ein Bewohner des Spitals hatte auf dem Dachboden der Kirche genüsslich eine Zigarre geraucht und war dabei eingeschlafen. Aufgewacht war er erst wieder, als die Klosterkirche lichterloh brannte.

Stadtführerin Brigitte Meßmer zeigt dem zehnjährigen Nils Böttcher in der Grotte in der Spitalkirche in Engen die Überreste eines vor Jahrhunderten verstorbenen Kapuzinermönches. Bild: Sandra Bossenmaier
Stadtführerin Brigitte Meßmer zeigt dem zehnjährigen Nils Böttcher in der Grotte in der Spitalkirche in Engen die Überreste eines vor Jahrhunderten verstorbenen Kapuzinermönches. Bild: Sandra Bossenmaier

Solche Episoden wusste Stadtführerin Brigitte Meßmer zu berichten. Sie erzählte bildhaft vom bereits im 14. Jahrhundert entstandenen Klosterleben in Engen und begleitete die Besucher zuletzt in die nicht restaurierte Gruft, die beim Brand im 19. Jahrhundert nicht zerstört worden war. Eine der Grabkammern war besonders interessant für die Besucher. Diese Grabkammer ist nicht mehr komplett verschlossen. Sie gibt einen Blick auf den sich dort befindlichen Mönch, beziehungsweise auf dessen menschlichen Überreste frei.

"Eintritt verboten" steht an der Eingangstüre des hübschen Pumpenhauses in Engen. Am Sonntag durften Interessierte dennoch einen Blick hinein werfen. Das Besondere ist die Architektur des vor 95 Jahren erbauten kleinen Häuschens. Im Stil eines Gartenhauses aus dem 18. Jahrhundert erbaut, ist es ein wahres Schmuckstück.

Der fachkundige Ulrich Clauss erklärte auf dem gartenähnlichen Grundstück vor dem Pumpenhaus anschaulich die Geschichte von Engens Wasserversorgung. Wie das Wasser ehemals zu den Brunnen im Ort geleitet wurde, von wo sich die Menschen dies dann kostenlos nach Hause tragen konnten. "Damals wurde noch Wasser gespart", erklärte Clauss.

Ulrich Clauss weiß viel über Engens Wasserversorgung, inklusive vieler geschichtlicher Details. Vor dem hübschen Pumpenhaus erklärt er diese anschaulich seinen Zuhörern. Bild: Sandra Bossenmaier
Ulrich Clauss weiß viel über Engens Wasserversorgung, inklusive vieler geschichtlicher Details. Vor dem hübschen Pumpenhaus erklärt er diese anschaulich seinen Zuhörern. Bild: Sandra Bossenmaier

Immer wieder sprangen die Pumpen im Pumpenhaus an. Es wird also auch heute noch Wasser von dort weitergeleitet. Doch nicht mehr zu den Brunnen in der Stadt. Wenn man heute die Pumpen hört, wird das Wasser in das Engener Schwimmbad oder zum örtlichen Tennisclub gepumpt. Allerdings nicht mehr wie früher durch hölzerne Wasserrohre, sogenannte Teuchel. Wie diese früher hergestellt wurden, erklärte Ulrich Clauss anschaulich. Mit einem damals sehr teuren Deichelbohrer wurde in mühsamer Arbeit eine Röhre aus einem Holzstamm heraus gebohrt. Vervollständigt wurde die Führung durch das Pumpenhaus mit einem Blick in den Brunnenschacht, in dem das wertvolle Nass zu sehen war.