Surfen ist kein Sport. Surfen ist eine Lebenseinstellung. Ob im Urlaub, im Fernsehen oder bei der Arbeit: Mehrfach sind mir in den vergangenen Jahren gebräunte Männer begegnet, die solche Sätze von sich gegeben haben. Meistens haben sie halblange, mit glanzlosem Lack durchwuschelte Haare und eine betont lässige Aussprache. Anglizismen sind bei Wellenreitern ebenfalls hoch im Kurs. Klar, Surfen ist Lifestyle! Vielleicht haben sie damit sogar recht. Ich selbst bin noch nie auf einem Surfbrett gestanden – und deshalb wahrscheinlich ein bisschen neidisch. Was ich mir aber vorstellen könnte, ist, dass Surfer, Kletterer und Skater nicht die einzigen sind, deren Hobby mehr ist als bloße Nebenbeschäftigung.

Zugegeben, sie haben etwas gefunden, was sie erfüllt. Und diese Leidenschaft lässt Rückschlüsse darauf ziehen, was sie sonst so beschäftigt und begeistert. Aber ist das etwas, was nur auf Extremsportler zutrifft? Könnten Kleintierzüchter und Fußballfans nicht das selbe von sich sagen? Wenn man ernsthaft nachdenkt, ist sogar die scheinbar absurde Aussage "Briefmarken sammeln, ist für mich eine Lebenseinstellung" in vielen Fällen wahr. Surfen und Sammeln sind beides prägende Tätigkeiten. Der einzige Unterschied: Der Surfer muss mantrahaft wiederholen, dass es seinen Lifestyle auch tatsächlich gibt. So etwas hat der Briefmarkenfreund nicht nötig. Lässig, oder?