Wolfgang Gedeon lebt in seiner eigenen Welt, das zeigt sich exemplarisch an seinem Beitrag zur Diskussion über die Stolpersteine. Deutschland auf dem Weg in eine "Erinnerungs-Diktatur"? Drei Thälmann-Stolpersteine als Beitrag zur Umwandlung der Bundesrepublik in eine "Groß-DDR"? Was für ein hanebüchener Unsinn!

Nüchtern betrachtet ist die Idee der Stolpersteine gerade deswegen zu würdigen, weil sie bei der Heroisierung des Denkmal-Kults von anno dazumal nicht mitmacht. Die Schlichtheit der Stolpersteine und ihre Einbindung in den nicht-musealen Alltag unterscheiden sich von den martialischen oder verklärenden Standbildern, mit denen früher an Opfer von Krieg und Gewalt erinnert wurde.

Ähnlich wie beim Holocaust-Denkmal in Berlin materialisiert sich darin der Bewusstseinswandel vom "Denkmal" zum "Denk mal!" – und so geht es bei den Stolpersteinen für die Familie Thälmann entschieden nicht um eine Glorifizierung im Sinne einstiger DDR-Funktionäre. Die Steine geben stattdessen Anlass zum Nachdenken, gerade weil Ernst Thälmann ebenso gewiss ein Opfer der Nazis war, wie er sich für dumme Heldenverehrung nicht eignet.

Sensible Seelen dürfen sich übrigens auch darüber empören, dass meist achtlos auf die Namen von Nazi-Opfern getreten wird. Wolfgang Gedeon aber hat sich aus all dem rauszuhalten: Seine Gesinnung ist bekannt, niemand wird ihm deshalb seine Bedenken wegen etwaiger Pietätlosigkeit gegenüber den Nazi-Opfern abnehmen. So verdeutlicht sein offener Brief lediglich, wie perfide und geschmacklos er für seine unsinnigen Konstrukte zu Werke geht.