Das Wetter hätte nicht besser sein können zur 18. Museumsnacht Hegau-Schaffhausen. Das kam besonders den Attraktionen und Aufführungen zugute, die im Freien stattfanden. Doch auch in den Museen, Kirchen, Ateliers und anderen Veranstaltungsorten herrschte großer Andrang, denn zusätzlich zu den normalen Ausstellungen gab es besondere Höhepunkte. 31 Teilnehmer an 21 Orten boten 50 verschiedene Programmpunkte allein in Singen, wie Oberbürgermeister Bernd Häusler bei der Eröffnung aufzeigte.

Wer sich dem Rathausplatz näherte, hörte schon von Weitem das Knattern der Oldtimer, die dort ihren Startpunkt hatten. Gegen 20 Uhr versammelten sich aber besonders viele Gäste neben dem Hotel Holiday Inn, wo ein Höhepunkt stattfinden sollte. Axel Reinhard Böhme hatte bereits die ganze Woche an seinem Werk gearbeitet und nun sollte es enthüllt werden: sein Bambu-Mobil. Der Künstler machte es spannend und gab noch einige kabarettistisch anmutende Infos über sein umweltfreundliches Fahrzeug zum Besten. "Der 'Öko-Selfie 1' ist ein Hingucker. Dabei verzichtet er auf den Motor und beschreitet somit völlig neue Wege", so Böhme. Bergab rolle das Bambu-Mobil stattliche 1000 Meter und habe eine Reichweite von bis zu zwölf Kilometer – wenn entsprechend viele Leute mit schieben.

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Singen und seine Adligen

Groß war der Andrang bei den beiden Theaterstücken im Hegau-Museum. "Es ist unglaublich, wie viele Leute heute da sind, so viele wie noch nie", freute sich Museumsleiter Ralph Stephan. Im zweiten Obergeschoss, in der Wohnung der Grafen Vetter von der Lilie, herrschte bei den vier Aufführungen des Stücks "Zum Tee bei Theodolinde" drangvolle Enge. "Wir hätten sicher sechs Mal spielen können", sagte Wolfgang Trautwein, der die Idee hatte und das Stück geschrieben hat. Susanne Breyer spielte die Eigentümerin des Singener Schlosses, Theodolinde Gräfin Vetter von der Lilie. Diese bekommt Besuch von ihrem Enkel Dr. Felix Graf Vetter von der Lilie, verkörpert von Robin Funke. Die Zuschauer erhielten einen Eindruck vom Leben der Gräfin, die sich in den 1950er Jahren sehr gern in Singen aufhielt.

Szenenwechsel, Schlossgarten: Am Pavillon wurden an diesem Abend drei Frauen, die sich etwas trauen, zu neuem Leben erweckt. Unter der Regie von Michaela Bauer spielte Isabella Eisenhart die Keltenfürstin Inken und Christine Steiger die Herzogin Hadwig. Eva M. Morandell schlüpfte in die Rolle von Hedwig Peitavy, die sich in Singen unermüdlich beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) engagierte. Elisabeth Wäschle (Cello) und Heike Leuenberger (Geige) untermalten die Szenen mit klassischen Klängen.

Isabella Eisenhart spielt die Keltenfürstin Inken bei der Aufführung "Frauen, die sich trauen" unter der Regie von Michaela Bauer im Schloßgarten. Bild: Susanne Gehrmann-Röhm
Isabella Eisenhart spielt die Keltenfürstin Inken bei der Aufführung "Frauen, die sich trauen" unter der Regie von Michaela Bauer im Schloßgarten.

"Das ist ein toller Platz und es wurde schauspielerisch sehr einfühlsam gespielt", sagte Besucherin Barbara Heilmann. Vor dem Hegau-Museum hatte der Verein "Bandkeramisches Aktionsmuseum" ein Zelt aufgebaut, in dem sich die Besucher über die Küche der Steinzeit informieren konnten.

125 Jahre Rotes Kreuz

Das DRK Singen stand an diesem Abend ebenfalls im Mittelpunkt des Interesses, denn in den Räumen der Sparkasse Hegau-Bodensee wurde die Ausstellung zum 125-jährigen Bestehen des Ortsvereins eröffnet. "Wir danken Ralph Stephan, Britta Panzer sowie Helmut Fluck und seinen Mitstreitern beim Roten Kreuz für die Zusammenstellung der Ausstellung", so OB Bernd Häusler.

In der Ausstellung, die noch bis 5. Oktober zu sehen ist, werden nicht nur die Wurzeln des DRK dargestellt, sondern auch das Wirken von Hedwig Peitavy, die besonders nach dem Zweiten Weltkrieg eine zentrale Figur beim DRK Singen war.

Models werden live verschönert

Im Kunstmuseum nutzten die Besucher nicht nur die Gelegenheit, die Bilder der laufenden Ausstellung mit Werken von Walter Becker anzuschauen. Hier war auch noch Body-Painting Live und Museum zum Mitmachen geboten. Thomas Mayr hatte sich für die beiden Models Stefanie Thomas und Michaela Vahle die Themen "Feuer" und "Wasser" vorgenommen. Rund zwei Stunden war er jeweils beschäftigt, um die jungen Frauen entsprechend mit "Water Make Up" zu verschönern. Die Drei arbeiten des Öfteren zusammen, wie Stefanie Thomas und die ausgestellten Fotos verrieten. Live war es aber eine Premiere.

Die Singener Maler sind ein fester Bestandteil der Museumsnacht. Die Ausstellung, die noch bis 30. September zu sehen ist, zeigt Werke von Joachim Böhm, Petra A. Ehinger, Vera Floetemeyer-Löbe, Thomas Mayr, Monika Murzin, Susanne Sterk, Dayla Taffet, Alexander Weinmann und Detlev Eilhardt. Die Leiterin des Kulturbüros, Catharina Scheufele, die für das gesamte Programm der Museumsnacht in Singen verantwortlich ist, führte die Besucher durch die Ausstellung unter dem Motto "molto allegro".