Mit einem ungewöhnlichen Spatenstich hat der Bau der neuen Werkstätte des Caritasverbandes Singen-Hegau begonnen: Statt des Einsatzes von Muskelkraft und Spaten läuteten ein Sirenenton und ein Blinklicht den Baustart auf der Baustelle ein. Für die Beteiligten erwies sich die Aktion als nicht ganz einfach, was für amüsante Unterhaltung bei den zahlreichen Gästen sorgte. 20 Mehrfachsteckdosen mussten in der richtigen Reihenfolge miteinander verbunden werden, um den Stromkreis herzustellen.

Für Architekt Volkmar Schmitt-Förster war das ein symbolischer Akt, der für den Ablauf der kommenden Bauarbeiten stehe: "Bauen ist immer ein Netzwerk und geht nur gemeinsam", sagte er. Von nun an würden 25 bis 30 Firmen auf dem Gelände im Industriegebiet Tiefenreute für rund eineinhalb Jahre arbeiten. "Das farbige Gebäude mit Aufenthaltscharakter würde nicht in die Baugrube Herz-Jesu-Platz passen", gab Schmitt-Förster einen Eindruck von der künftigen Größe. Alle Räume und Funktionsbereiche sollen barrierefrei gestaltet werden und somit ein Höchstmaß an Eigenständigkeit innerhalb des Gebäudes und auf den Außenanlagen ermöglichen.

Mut zur Vision

Sabine Wegmann vom Vorstand des Caritasverbands verbindet mit dem Baustart die Zukunft der Behindertenwerkstätte St. Pirmin, die nach Fertigstellung des Neubaus ins Industriegebiet Tiefenreute umziehen wird. Sie wünschte sich, dass der Zauber des Anfangs lange erhalten bleiben möge. Für Geschäftsführer Wolfgang Heintschel hat der Zauber bereits vor 50 Jahren begonnen, als die Behindertenwerkstätte St. Pirmin in Singen gebaut wurde: "So ein Projekt brauchte mutige Leute mit Visionen", hob Heintschel hervor. St. Pirmin sei die erste Behindertenwerkstätte im gesamten südbadischen Raum und damit Vorreiter für weitere Einrichtungen dieser Art gewesen. "50 Jahre St. Pirmin sind auch 50 Jahre Erfolgsgeschichte", lobte Heintschel. Als Partner der Wirtschaft stehe die Werkstatt mitten in der Arbeitswelt und habe sich deren Herausforderungen bis heute gestellt.

Um Bildung, Teilhabe und Inklusion zu fördern sei es wichtig, dass ein Projekt wie der Neubau viele Unterstützer habe. Von den neun Millionen Euro Gesamtkosten bringt die Caritas 1,8 Millionen Euro aus Eigenmitteln ein. Unter dem Motto "Gemeinsam können wir mehr" fördert das Land Baden-Württemberg die neue Werkstatt mit 1,3 Millionen Euro. In ihren Grußworten rückten die Landtagsabgeordneten Dorothea Wehinger (Grüne) und Jürgen Keck (FDP) den Wert des Neubaus für die Gemeinschaft in den Mittelpunkt: "Das ist gelebte Integration. Wir dürfen niemanden ausgrenzen", sagte Wehinger. Im Industriegebiet Tiefenreute werde für Menschen mit Behinderung als Leistungsträger der Gesellschaft ein Lern- und Arbeitsplatz geschaffen.

Axel Gossner vom Sozialdezernat Konstanz gratulierte der Stadt und der Caritas als Träger zu der Entscheidung für den Neubau und zu ihrem Engagement. Denn das Thema Arbeit werde in Zukunft andere Anforderungen stellen, die auch eine Werkstatt für Menschen mit Behinderung erfüllen müsse.