singen Start für das neue Hospiz

Mitten in Singen entsteht jetzt ein Zentrum für Sterbende. Zum Auftakt wird vererbte alte Stadt-Villa saniert, danach folgt ein Neubau.

In der Singener Innenstadt entsteht seit Mittwoch das erste Hospiz im Landkreis Konstanz. Nach mehr als 20 Jahren Planung und teils heftigen Diskussionen und Auseinandersetzungen über den Standort beginnen nun die Bauaktivitäten t dieses Haus für Sterbende wahr zu werden. Bei sonnigem Herbstwetter feierten rund 75 Vertreter von verschiedenen Kommunen, Landkreis und sozialen Einrichtungen den offiziellen Spatenstich für das neue Zentrum. Es wird verschiedene Bereiche haben und mehrere Aufgaben rund um Sterbebegleitung erfüllen. Die Kosten: Insgesamt 6,5 Millionen Euro.

Sichtlich entspannt und glücklich wirkten die Beteiligten bei der Auftakt-Feier in der Hegaustraße, unweit des Singener Bahnhofs und direkt neben der künftigen Baustelle für das Einkaufscenter von ECE. Vorbei waren alle Querelen, die es wegen der Standortwahl gegeben hatte. Auch Radolfzell hätte das Hospiz gerne gehabt, am Ende bekam aber Singen wegen der besseren Infrastruktur den Vorzug. War das gestern Zufall? Radolfzells Ratshausspitze fehlte beim Spatenstich.

Hinter dem Hospiz steht die neu gegründete Gesellschaft "Horizont", eine gemeinnützige GmbH für ein ökumenisches Hospiz- und Palliativzentrum im Landkreis Konstanz. Beteiligt sind daran der Caritasverband Singen-Hegau und das Diakonische Werk des Evanglischen Kirchenbezirks Konstanz. Geschäftsführer sind Wolfgang Heintschel von der Caritas und Christian Grams von der Diakonie.

Begonnen wird das Pojekt jetzt mit dem Umbau einer historischen Stadt-Villa, die Singen von einer Unternehmerin geerbt hatte und samt großem Grundstück für die Hospiz-Idee spendierte. In dieses Gebäude zieht bis Sommer 2017 zum einen der Hospizverein Singen ein, der sich mit seinen 550 Mitglieder um schwerkranke und sterbende Menschen kümmert. Zum anderen wird dort die Spezialisierte ambulante Palliativ-Versorgung (SAPV) Platz finden. Diese bietet medizinische Behandlung, die sterbenskranken Menschen medizinich und pflegerisch Linderung verschafft. Das stationäre Hospiz wird dann in einem Neubau ans Villengebäude angekoppelt. Acht bis neun Plätze werden angeboten. Ein zweites, ebenfalls historisches Haus wird dazu mitgenutzt und umgebaut. Pro Jahr werden dort geschätzt rund 100 Menschen beim Sterben begleitet, war zu erfahren.

Singens OB Bernd Häusler, Sozialdezernent Axel Gossner vom Landkreis Konstanz und Geschäftsführer Wolfgang Heintschel sprachen beim Spatenstich von einem wichtigen Schritt für den gesamten Landkreis. Pfarrer Thomas Fürst und Dekanin Hiltrud Schneider-Cimbal segneten das Hospiz-Projekt. Architekt Wolfgang Riede erläuterte Details der Planung.



Das steckt dahinter:

Sterbenskranke Menschen, die nicht zuhause betreut werden können, deren Lebensende innerhalb von wenigen Wochen aber absehbar ist, sollen in einem festen Hospiz einen würdigen Abschied vom Leben erfahren können. Eine solche Einrichtung gibt es im Landkreis Konstanz bisher noch nicht. Nächstgelegene Hospize sind in Friedrichshafen und Villingen, also sehr weit entfernt. Im Hospiz sterben nicht nur alte Menschen, sondern häufig auch junge, die an tödlichen Krankheiten leiden. Acht bis zehn solcher Plätze soll die neue Einrichtung dauerhaft bieten. Angeschlossen sein wird die ambulante Unterstützung. Eine große Interessengemeinschaft mit Einrichtungen aus dem ganzen Landkreis stützt die Hospiz-Idee. Eine Trägergesellschaft wurde für die Einrichtung gegründet und eine Stiftung für die Finanzierung eingerichtet. Den laufenden Betrieb des Hospizes tragen die Krankenkassen zu 90 Prozent. Der Rest der Kosten soll vor allem über Spenden zusammenkommen.

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