Der Standortmarketingverein "Singen aktiv" und die Stadtverwaltung agieren künftig noch enger miteinander als bisher. Die Anregung dazu machte Oberbürgermeister Bernd Häusler schon vor geraumer Zeit, seit der Hauptversammlung der Vereinsmitglieder am Dienstagabend ist die Intensivierung der Zusammenarbeit beschlossene Sache. Von außen betrachtet fällt dabei die künftige Unterscheidung von städtischer Wirtschaftsförderung und Singen aktiv sehr schwer. Je nach Blickwinkel könnte man den Verein als Abteilung der Stadtverwaltung begreifen oder umgekehrt von einer Vereinnahmung der Wirtschaftsförderung durch Singen aktiv sprechen.

Aus den Erklärungen von Gerd Springe jedenfalls ging die Abgrenzung zwischen wachsender Verzahnung und Verschmelzung nicht klar hervor, was der Vorstandsvorsitzende seinerseits mit der Tonlage zu kompensieren versuchte. Mit Bestimmtheit hob die graue Eminenz von Singen aktiv den Bestand der vollen Vereinssouveränität hervor, obwohl die Stadt die Kosten der Kooperationsintensivierung übernehmen wird. Auf der anderen Seite gewinnt der Verein allein dadurch an Einfluss, weil die Singen-aktiv-Geschäftsführerin Claudia Kessler-Franzen bei der Kooperation den Hut aufhaben wird. Klar ist, dass die Vermischung der Aufgaben im beiderseitigen Interesse liegt. Wie OB Häusler sagte, hat der Gemeinderat seine Zustimmung zu der Intensivierung der Zusammenarbeit gegeben.

Da geht's lang: Gerd Springe bleibt der unumstrittene Chef von Singen aktiv. Im Hintergrund bedient Claudia Kessler-Franzen die PC-Maus und der Gesichtsausdruck von OB Häusler und Schatzmeister Udo Klopfer (von links) spiegelt Zufriedenheit. <em>Bilder: Sabine </em><em>Tesche </em>
Da geht's lang: Gerd Springe bleibt der unumstrittene Chef von Singen aktiv. Im Hintergrund bedient Claudia Kessler-Franzen die PC-Maus und der Gesichtsausdruck von OB Häusler und Schatzmeister Udo Klopfer (von links) spiegelt Zufriedenheit. Bilder: Sabine Tesche | Bild: Sabine Tesche

Ebenso unstrittig ist der Nutzwert der Vereinsaktivitäten für die Stadt. In den Berichten des Vorstands umfasste die Auflistung der Angebote von Singen aktiv unter anderem die Organisation von verkaufsoffenen Sonntagen und des Stadtfests, die Arbeitsintegration von Flüchtlingen, Veranstaltungen wie den Tag des offenen Handwerks, den Hüttenzauber auf dem Rathausplatz in der Adventszeit oder die Singener Abendgesellschaft, die das herausragende gesellschaftliche Ereignis in der Stadt darstellt. In ihren Berichten gingen Gerd Springe und Claudia Kessler-Franzen ferner auf die Bemühungen von Singen aktiv zur Abmilderung des Fachkräftemangels durch die Unterstützung eines Schülerforschungszentrums oder die Zusammenarbeit mit der Konstanzer Hochschule für Technik, Wirtschaft und Gestaltung (HTWG) ein.

Die Geschäftsführerin verdeutlichte zugleich den Stellenwert von Singen aktiv als Forum für die Wirtschaft und Ansprechpartner für die Stadt. Aktuell zähle der Verein 278 Mitglieder, die für rund 13 500 Arbeitsplätze verantwortlich seien. Und es deutet viel auf ein weiteres Wachstum hin: Schon längst gibt es Kontakte zur Hamburger ECE Management GmbH, die in ein paar Wochen mit dem Bau des Einkaufszentrums Cano beginnt, außerdem ist beispielsweise ein Kooperationsvertrag mit dem City-Ring in Planung.

Die Fülle von Angeboten und Aktivitäten bezeichnete Bernd Häusler als ein Feuerwerk, bei dem die städtische Wirtschaftsförderung die Rolle des Zulieferers übernehme. Nicht zuletzt repräsentiert Singen aktiv für den OB einen maßgeblichen Geldgeber der Stadt. Die Gewerbesteuer zählt zu den Haupteinnahmen, wobei man sich um sinnvolle Reinvestitionen wie etwa die Neugestaltung des Bahnhofsvorplatzes oder der Innenstadtertüchtigung bemühe. Für die Zukunft sieht er vor allem zwei Herausforderungen für die Stadt: Das Angebot bezahlbarer Wohnungen für die nach Singen vor allem wegen der Arbeitsplätze ziehenden Menschen sowie die Ausweisung neuer Gewerbeflächen. "Wir sind ausverkauft", sagte Bernd Häusler im Hinblick auf derzeitige Neuansiedlungsmöglichkeiten für Unternehmen.

 

Bei Singen aktiv ist der Name Programm

  1. .Besonderheit: Gewerbevereine oder Werbegemeinschaften von Unternehmen zwecks gemeinsamer Interessensvertretung gibt es in so gut wie allen Städten, selten aber sind sie so breit aufgestellt wie im Fall von Singen aktiv. Unter dem Dach des Vereins finden sich Händler, Handwerksbetriebe, Dienstleistungs- und Industriebetriebe, Gastronomen, Freiberufler wie Anwälte oder Steuerberater, Vereine, Medienunternehmen und auch eine stattliche Zahl von Privatleuten.
  2. .Finanzen: Singen aktiv verfügte im vergangenen Jahr über Erträge in Höhe von knapp 274 000 Euro. Der Löwenanteil stammte aus Projekten (rund 212 000 Euro), die Beiträge der Mitglieder summierten sich auf etwa 57 000 Euro. Bei den Ausgaben bildeten die Projektkosten (rund 181 000 Euro) und Löhne und Gehälter (rund 42 000 Euro) die Hauptposten.
  3. .Der Vorstand: Der Vorstandsvorsitzende Gerd Springe bleibt zwei weitere Jahre im Amt, sein Stellvertreter ist qua Satzung Oberbürgermeister Bernd Häusler. Weitere Vorstandsmitglieder sind Michael Burzinski (Handel), Manfred Kuhn (Freie Berufe), Michael Kumpf (Handwerk), Dirk Oehle (Singener Süden) und Markus Spitz (Energiewirtschaft). Schatzmeister ist Udo Klopfer, als Rechnungsprüfer wurden Daniel Hirt und Anja Haid für zwei weitere Jahre gewählt. (tol)

"Die 278 Mitglieder von Singen aktiv sind verantwortlich für 13 500 Arbeitsplätze."

Claudia Kessler-Franzen, Geschäftsführerin des Standortmarketingvereins