Auf Spurensuche nach jüdischer Geschichte im Hegau begab sich jetzt die deutsch-amerikanische Literaturwissenschaftlerin Susanne Klingenstein im Zuge ihrer Lesung im Theater Die Färbe. Sie schaute sich unter anderem in der Scheffelstraße um. Begleitet wurde sie dabei von Oberbürgermeister Bernd Häusler, die frühere Stadt-Archivarin Reinhild Kappes und Gemeinderätin Veronika Netzhammer.

Für die an der jüdischen Geschichte und Kultur interessierte und faszinierte Susanne Klingenstein gab es kein Vorbeikommen an den Stolpersteinen in der Scheffelstraße. Diese sind in den Boden eingelassen und erinnern an die jüdische Familie Guttmann. Vor dem ehemaligen Konfektionshaus Guttmann ist eine Ansammlung von elf Stolpersteinen eingelassen. Reinhild Kappes schilderte die Geschichte der Brüder Salomon, Berthold und Siegfried Guttmann. Die Recherchen und Ausarbeitungen der früheren Archiv-Chefin trafen bei Susanne Klingenstein auf große Begeisterung. Ebenso wie die von Reinhild Kappes verfasste Dokumentation „… und in Singen gab es keine Juden?“. Salomon Guttmann mietete 1907 die Geschäftsräume in der Scheffelstraße und eröffnete 1908 darin ein Konfektionshaus. Im unteren Teil des Gebäudes wurde gearbeitet und im oberen Teil wohnte die Familie.

OB Bernd Häusler klärte über die Stolpersteine auf. Sinn der Aktion ist es, den Verfolgten und den Todesopfern des Nazi-Regimes zu gedenken. Die Steine werden meist vor dem zuletzt frei gewählten Wohnort der Opfer einbetoniert. 2010 wurden die ersten Steine in Singen verlegt. Es befinden sich bereits in neun verschiedenen Straßen solche Gedenksteine.

Diese Stolpersteine werden nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen europäischen Ländern verlegt. Veronika Netzhammer begleitete Susanne Klingenstein danach noch nach Gailingen. Dort besuchten sie gemeinsam das Jüdische Museum. Als Andenken an den Besuch überreichte OB Häusler ein Exemplar der oben genannten Dokumentation an die Schriftstellerin.