Von Baulärm und Straßenarbeiten mag Roswitha Siegwarth aus Bohlingen nichts mehr hören. Seit drei Monaten ist die Ledergasse wegen dringender Straßen- und Kanalarbeiten für den Verkehr gesperrt, von den Anwohnern wird ein hohes Maß an Geduld verlangt. Die Geschäftsfrau führt am Ende der Ledergasse das Lokal „LandWirtschaft s'Eckle“, während der Bauarbeiten mussten ihre Gäste auf die gewohnte Wohlfühlatmosphäre verzichten. „Doch die nächste Baustelle kommt umgehend und wird das Dorf acht Wochen in zwei Hälften trennen“, sagt Roswitha Siegwarth verärgert. Sie und die Einwohnerschaft wissen, dass die Sanierung der Aachbrücke eine Vollsperrung für den Fahrzeugverkehr mit sich bringen wird, die Folgen dessen werden jetzt wenige Wochen vor dem Baubeginn langsam ersichtlich. Bäcker, Lebensmittelladen, Friseurläden und Wirtschaften sind vom Durchgangsverkehr abgetrennt, bei einzelnen Geschäften ist sogar von Existenzangst die Rede.

Ortsvorsteher Stefan Dunaiski hatte in den vergangenen Wochen keinen einfachen Job, er versucht die Dorfbewohner zu beschwichtigen, wenn teils emotional über die Sperrung der Brücke diskutiert wird. „Eine weitere Aufschiebung der Sanierung zur Erhaltung der Brücke hätte größere Schäden zur Folge, sogar ein Komplettabriss könnte drohen“, stellt Stefan Dunaiski fest. Er schildert die anstehenden Maßnahmen: Die Anlagenteile (Baujahr 1989) seien bereits stark abgenutzt, die Übergangskonstruktion in der Brückenmitte sei ausgeschlagen. Jetzt müssten Asphaltbeläge und die Bauwerksabdichtung erneuert werden, ebenso werden die Brückenkappen neu beschichtet.

Die Stadtverwaltung Singen und der Bohlinger Ortschaftsrat hatten die Bürger zwar mehrfach über diese Sanierung informiert, die ansässigen Firmen und Geschäfte fühlten sich jedoch schlichtweg übergangen und hätten mehr detaillierte Informationen gewünscht. Der SÜDKURIER rief die betroffenen Geschäftsleute zu einer spontanen Diskussion auf, dabei wurden viele Fragen gestellt. „Warum gibt es nicht eine Alternative zur Umleitung über Bankholzen und Moos, warum ist die vorhandene Kanalbrücke am Sportplatz nicht zuerst als Ersatzbrücke umgebaut worden?“, fragten Manfred Siegwarth und weitere verärgerte Geschäftsleute.

Zwischenzeitlich hat Oberbürgermeister Bernd Häusler Stellung zu den offenen Fragen genommen. Der Stadtverwaltung Singen sei bewusst, dass es während der Brückensperrung zu Einschränkungen für Betriebe im südlichen Teil von Bohlingen kommen könne. „Wir können aber keine Ersatzbrücke für 700 000 bis eine Million Euro Kosten bauen, das würde in keinem Verhältnis zu den eigentlichen Sanierungskosten für die Lager der alten Brücke stehen“, unterstrich Oberbürgermeister Bernd Häusler. Die Firmen, Nahversorger sowie die Gastronomen im Dorf müssen sich mit der Lage nun abfinden. „Maximal acht Wochen Bauzeit, darauf müssen wir uns nun einstellen, doch länger darf es nicht dauern“, betont Andreas Zimmermann vom Hotel Restaurant Zapa. Ortsvorsteher Stefan Dunaiski appelliert währenddessen an die Einwohner von Bohlingen, die Läden und Wirtschaften fussläufig und mit dem Fahrrad zu frequentieren. „Da müssen wir nun zusammenstehen und Solidarität zeigen“, fordert Stefan Dunaiski auf.

Die Umleitung

Während der Sanierung von 4. September bis mindestens 27. Oktober bleibt die Aachbrücke für den Fahrzeugverkehr gesperrt. Eine ausgeschilderte Umleitung führt über Bankholzen und Moos. Die Bushaltestellen Fabrikstraße und Ledergasse können nicht angefahren werden, die Busse fahren eine Schleife über die Dorfstraße und Schloßstraße, eine Ersatzhaltestelle wird vor dem Kreisverkehr Zur Wolfgangen und Mooser Straße eingerichtet. In der Schloßstraße gilt in dieser Zeit ein Halteverbot. Fußgänger und Radfahrer können die Brücke während der Bauarbeiten queren. Ein spezielles Konzept gilt für Rettungsdienste und Feuerwehr. Der südliche Dorfteil wird von der Bohlinger Wehr versorgt, der nördliche von der Wehr aus Überlingen am Ried. (hir)