Das Bioenergiedorf Randegg ist um eine weitere Komponente reicher. Neben der Ottilienquelle und neben der Heizzentrale wurde jetzt eine Solarkollektorenfläche eingeweiht.

„Dieses Projekt ist ein schönes Beispiel, dass die Energiewende nur als Gemeinschaftsprojekt realisiert werden kann“, sagte Bene Müller vom Vorstand der Solarcomplex AG. Die neue Kollektorenfläche mit Röhrenkollektoren der Firma Ritter XL Solar aus Dettenhausen sei derzeit die größte in ganz Südbaden. „In einem Land mit begrenzten Flächen macht es viel Sinn, wo immer möglich die Sonne direkt zu nutzen. Sie hat gegenüber Bioenergie eine um mindestens den Faktor 60 bessere Flächeneffizienz“, so Solarcomplex-Vorstand Bene Müller.

Bereits seit 2009 betreibt Solarcomplex in Randegg ein großes Wärmenetz, aus dem rund 150 Gebäude, darunter das Schulzentrum und die Randegger Ottilienquelle, mit regenerativer Energie versorgt werden. „Wir hoffen, dass sich noch mehr Randegger Bürger entscheiden, sich an das Wärmenetz anschließen zu lassen“, hofft Bene Müller.

Bisher wurde ganzjährig Holzenergie in das Wärmenetz eingespeist. Doch das wird mit der Inbetriebnahme des Kollektorenfelds nun anders. Nahe der bestehenden Heizzentrale wurde am Ortsrand ein Feld mit 2400 Quadratmetern zur Kollektorenfläche umgewandelt. Die Solarenergie wird im Sommer die Holzenergie ersetzen und Randegg komplett versorgen. Es werden dadurch rund 1600 Schüttkubikmeter Hackschnitzel ersetzt. Solarcomplex investierte für das Projekt rund 1,2 Millionen Euro.

Bene Müller dankte allen beteiligten Firmen und Planern sowie der Sparkasse Engen/Gottmadingen, die als Finanzierungspartner hinter dem Projekt steht. Sehr gut sei wiederum die Zusammenarbeit der Familie Fleischmann vom Unternehmen Ottilienquelle gewesen, die sich nicht zuletzt hinsichtlich der Grundstückssituation kooperativ gezeigt habe.

Bene Müller zeigt Jürgen Stille, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Engen-Gottmadingen (links), die Vakuum-Röhre und erläutert die Funktionsweise.
Bene Müller zeigt Jürgen Stille, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Engen-Gottmadingen (links), die Vakuum-Röhre und erläutert die Funktionsweise.

Für die Umsetzung war ein vorhabenbezogener Bebauungsplan aufgestellt worden. Die Gemeinde Gottmadingen und der Gemeinderat hatten das Vorhaben von Anfang an unterstützt. „Dies ist ein weiterer Schritt in Richtung Energiewende und es bestand von allen Seiten im Vorfeld große Einigkeit über das Vorhaben“, sagte Martin Sauter, der in Vertretung von Bürgermeister Michael Klinger an der offiziellen Vorstellung des neuen Energiewerks teilnahm.

„Sie sind ein Vorbild mit dem, was Sie heute in Gang setzen“, sagte auch Christoph Bühler von der Firma Ritter XL Solar. Die Firma Solarcomplex hatte sich nach der Anlage in Büsingen wieder für die Vakuum-Röhren der Firma Ritter entschieden, weil diese ohne Glykol betrieben werden. Unter dem Kollektorfeld werden bald schon Wildblumen blühen.

Klimawandel macht Durst

Am Rande der Einweihung, die in ein Betriebsfest der Ottilienquelle eingebettet war, berichtete Clemens Fleischmann, Geschäftsführer der Ottilienquelle, dass der Juli diesen Jahres mit 2,4 Millionen Flaschen der zweitstärkste Monat in der Geschichte der Ottilienquelle gewesen sei. Doch bereits im April 2018 habe man einen Rekord von mehr als zwei Millionen Flaschen ausgestoßen. Dies hält er auch für ein indirektes Indiz für das Fortschreiten des Klimawandels. An der Einweihung nahm ferner Jörg Dürr-Pucher, Präsident der Bodensee Stiftung, teil. Auch er stuft das neue Kollektorenfeld als wegweisend und als einen lokalen Höhepunkt in der Energiewende ein.

 

Lokaler Meilenstein auf dem Weg zur Umstellung auf regenerative Energien

  • Das Bioenergiedorf Randegg: Betreiber ist die Solarcomplex AG. Die Inbetriebnahme war im Jahr 2009. Rund 150 Gebäude des Gottmadinger Ortsteils mit 1000 Einwohnern sind angeschlossen. Der Holzkessel hat eine Leistung von 2000 Kilowatt, der Pelletskessel 700 Kilowatt. Der Pufferspeicher hat ein Volumen von 100 000 Litern. Das Wärmenetz ist 6,6 Kilometer lang. Die neue Solarkollektorfläche hat eine Größe von 2400 Quadratmetern. Die CO2-Einsparung beträgt 1500 Tonnen im Jahr.
  • Das Unternehmen Solarcomplex: Das regionale Bürgerunternehmen Solarcomplex hat sich den Umbau der regionalen Energieversorgung weitgehend auf erneuerbare Energien bis 2030 zum Ziel gesetzt. Seit der Gründung im Jahr 2000 ist die Zahl der Gesellschafter von 20 auf über 1000 und das Eigenkapital von 37500 auf gut 18 Millionen Euro gewachsen. Neben vielen Privatpersonen sind auch kleine und mittlere Unternehmen beteiligt, darunter auch Stadtwerke. Realisiert wurden bisher 16 Wärmenetze, rund 30 Megawatt (MW) Solarkraftwerke als Dach- und Freilandanlagen, Wasser- und Windkraftwerke, zwei bürgerfinanzierte Biogasanlagen und etliche moderne Holzenergieanlagen im Leistungsbereich bis zwei MW. Das Investitionsvolumen aller Projekte liegt bei über 150 Millionen Euro. Seit 2007 ist Solarcomplex eine nicht-börsennotierte AG und bietet Bürgern die Kapitalbeteiligung als ökologische Geldanlage an. (sgr)