Bevor diese Theaternacht beginnt, ist eines sicher: Es wird unmöglich sein, alle Produktionen sehen. Und selbst mit größtem Ehrgeiz sind in den sechs Stunden von 18 Uhr bis Mitternacht maximal fünf Aufführungen zu schaffen. Die rund 900 Besucher haben also die Qual der Wahl. Und so scheiden bei der Planung des Abends jene Vorstellungen aus der persönlichen Tour aus, die man schon bei anderer Gelegenheit sehen konnte.

Begeisterte Besucher begegnen sich

In der Stadt herrscht rund ums Rathaus und auf der Strecke zwischen Gems und Färbe ein reges Kommen und Gehen. Gegenseitig rufen sich die Besucher Tipps zu. „Die Inszenierung von der Fri-Wö-Theater-AG in der Ekkehard-Realschule über das digitale Zeitalter müsst ihr sehen“, ruft einer. „Sehr hintergründig und toll gespielt.“ Die Besucher sind in Gruppen unterwegs. Es herrscht fröhliche Stimmung.

Die Neugier ist ansteckend. Die Theaternacht ist auch ein Fest der Begegnung. Die Begeisterung überträgt sich. Hier wird über die Ramsener Stripshow gelacht. Andere schwärmen von der Tanz-Theater-Revue in der Färbe, die sich an der Geschichte der Blues Brothers orientiert und mit Schwung und rasanten Balletteinlagen für gute Laune sorgt. Und selten gab es im Ratssaal so viel zu lachen wie beim Schnelldurchgang durch Shakespeares Dramen, den die Theater AG des Hegau-Gymnasiums ihren Zuschauern präsentierte.

Eine Leistungsschau mit kurzen Stücken

Bereits im Januar haben die Ensembles die diesjährige Theaternacht zusammen mit der städtischen Kulturmanagerin Catharina Scheufele geplant. Die Veranstaltung kann zu Recht als Leistungsschau der lokalen Theaterszene angesehen werden. In einer Nacht erleben die Zuschauer maximale Variation. Dabei können die Ensembles keine Stücke in Originallänge zeigen, sondern müssen diese auf 30 bis 45 Minuten einkürzen. Das ist eine Herausforderung; es kann aber auch ein Gewinn für ein Stück sein.

Die Wirren des Internets sind Thema der Fri-Wö-Theater-AG Tactlos. Ratlos irren zwei nachdenkliche Nutzer des Internets (Mitte) durch die virtuelle Bibliothek. Zwei Algorithmen (in weißen Ganzkörperanzügen) kundschaften die Interessen der Anwender aus.
Die Wirren des Internets sind Thema der Fri-Wö-Theater-AG Tactlos. Ratlos irren zwei nachdenkliche Nutzer des Internets (Mitte) durch die virtuelle Bibliothek. Zwei Algorithmen (in weißen Ganzkörperanzügen) kundschaften die Interessen der Anwender aus. | Bild: Trautmann, Gudrun

Der Abschluss ist eine Herausforderung Für Schülergruppen

Nicola Fritsch leitet die Oberstufentheatergruppe des Friedrich-Wöhler-Gymnasiums Tactlos, die sich kritisch mit der Digitalisierung der Gegenwart auseinandergesetzt hat. „Je mehr wir das Stück komprimieren mussten, umso besser wurde es“, sagt sie. Für die Eigenproduktion hatten die Schüler umfangreich recherchiert. Im Stück zeigen sie, wie das Internet die Menschen beeinflusst, Interessen steuert, wie große Konzerne wie Google, Amazon, Facebook und Apple die Gesellschaft lenken. Bemerkenswert ist das atemberaubende Bühnenbild, das eine große digitale Bibliothek oder aber ein Warenlager darstellt, an das permanent Suchanfragen gestellt werden.

In „Heimwehland“ arbeitet die Amateur-Theatergruppe Pralka erstmals mit dem Laienstreichorchester Collegium Musicum zusammen. Hier eine Hochzeitsszene im Singener Bürgersaal.
In „Heimwehland“ arbeitet die Amateur-Theatergruppe Pralka erstmals mit dem Laienstreichorchester Collegium Musicum zusammen. Hier eine Hochzeitsszene im Singener Bürgersaal. | Bild: Trautmann, Gudrun

Andere Ensembles haben mehr Konstanz

Für das Fri-Wö-Theater gilt das gleiche wie für die Hegau-Theatergruppe: Die Schulensembles müssen sich immer wieder neu finden, weil Abiturienten als Mitspieler ausscheiden. Etwas beständiger sind da Gruppen wie Pralka, Theater 88 aus Ramsen oder das Theater in der Gems mit Marie-Luise Hinterberger. Hier konnten die Zuschauer sich im Stück „Her mit dem ganzen Leben“ mit dem Thema Gleichstellung der Frau auseinandersetzen. Das Stück hatte bereits im März Premiere, als 100 Jahre Frauenwahlrecht gefeiert wurde.

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Musik und Schauspiel sind auch in der jüngsten Produktion von Pralka und dem Collegium Musicum Singen verknüpft. In der Theaternacht ließ Regisseurin Susanne Breyer eine Erzählerin die stark gekürzten Inhalte der Heimatsuche vorlesen. Insgesamt kann man allen Produktionen viel Kreativität bescheinigen. Man darf auf die nächste Theaternacht gespannt sein.

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Beim Theater 88 aus Ramsen ging es nach dem Vorbild des Films „The Full Monty“ um eine Männerstripshow, die den Walburgsisaal zum Toben brachte. Hier stellen die Ehefrauen ihre Männer zur Rede. Bild: Gudrun Trautmann | Bild: Trautmann, Gudrun