singen Singener Metaller pochen auf Arbeitszeitregeln

Über einen großen Rücklauf bei Beschäftigtenbefragung freut sich die IG Metall. Die 2800 Teilnehmer aus den Betrieben der Region akzeptieren Flexibilität nur mit zeitnahem Ausgleich und wünschen sich mehr Spontaneität bei der eigenen Zeitgestaltung. IG Metall Singen geht am Donnerstag mit eigenen Vorschlägen in die große Tarifkommission

Die Luft im Seminarraum des Otto-Brenner-Hauses ist ein wenig stickig. Die kalten Platten sind abgeräumt. Bis vor wenigen Minuten wurden hier noch Argumente für die große Tarifkommission der Metallindustrie Baden-Württemberg gesammelt. Am Donnerstag beginnen die Verhandlungen mit den Metallarbeitgebern. „Sechs Prozent mehr Lohn werden wir vom Bezirk Singen aus vorschlagen“, sagt Enzo Savarino. Der Erste Bevollmächtigte der Gewerkschaft IG Metall Singen gibt sich wie immer kämpferisch und wird dabei von einer großen Zahl Gewerkschaftsmitgliedern getragen. Als Beweis für das große Interesse an der Gestaltung der Arbeitswelt legte er einen Tag vor Beginn der Verhandlungen mit den Arbeitgebern die Ergebnisse einer Umfrage zu den Themen Arbeitszeitmodelle, Flexibilität, Gerechtigkeit, soziale Sicherheit und Rente vor.

2800 Beschäftigte aus den Betrieben in der Region hatten sich an der umfangreichen Befragung beteiligt. Die Teilnehmer kamen unter anderem von Georg Fischer, ZF TRW, Constellium, Amcor, 3 A Composites, Allweiler, Schiesser und Siemens Konstanz.

Bereits 2013 hatte die Gewerkschaft eine bundesweite Befragung zum Thema Zukunft der Arbeit durchgeführt. Bei der zweiten Auflage, an der sich auch Nichtmitglieder mit immerhin 38 Prozent beteiligten, war die Resonanz noch besser. Bundesweit beantworteten 680 000 Beschäftigte aus rund 7000 Betrieben die Fragen. Das waren 166 000 mehr als 2013. Stolz ist Enzo Savarino auf das regionale Ergebnis. „Prozentual hatten wir mit unserem Bezirk deutschlandweit die höchste Beteiligung“, sagt er. Das zeige, dass sich die Beschäftigten mit der Zukunft der Arbeitswelt auseinandersetzten.

„Wir sind froh zu wissen, wo die Menschen der Schuh drückt“, sagt Savarino, der die Befragungsergebnisse als Verhandlungsauftrag wertet. Wichtig ist den Menschen die Planbarkeit ihrer Arbeitszeit. Überlange Arbeitszeiten und regelmäßige Wochenendarbeit sind ein Ärgernis. 63 Prozent der Teilnehmer fühlen sich gehetzt. 97 Prozent der Singener Metaller fordern ein Gesetz, das die Arbeitszeit klar begrenzt. Trotzdem wünschen sich die meisten eine hohe Flexibilität, die ihnen nach Abstimmung persönliche Freiräume für kurze Auszeiten ermöglicht. Sehr wichtig ist den Beschäftigten die Rückkehr von der Teilzeit in die Vollzeit (90 Prozent). Die Rente mit 67 wird auf breiter Ebene abgelehnt, ebenso das weitere Absinken der Rente (87 Prozent). 93 Prozent fordern auch von kleineren Betrieben eine Verpflichtung zur betrieblichen Altersvorsorge. In den Verhandlungen soll das eine Rolle spielen. „Wir wollen das individuelle Wahlrecht bei der Arbeitszeit, Entlastung für Schichtarbeiter und einen finanziellen Ausgleich für Familien“, sagt Savarino.
 

Rund 2800 Beschäftigte der regionalen Metallbranche haben sich an der Umfrage der IG Metall im Geschäftsstellenbereich Singen zum Thema Arbeitszeit und Arbeitszufriedenheit beteiligt. Die Gewerkschaft hat für jeden zurückgesandten Fragebogen einen Euro zur Verfügung gestellt. Die Summe wurde jetzt zwei sozialen Einrichtungen in der Region übergeben. Je 1400 Euro erhielten "Lebensraum Schule e.V. Singen" und der "Förderverein Krebskranke Kinder Tübingen". Beide Vereine konnten ihre Arbeit vor Mitgliedern der Betriebsräte vorstellen. Neben der finanziellen Unterstützung geht es um die öffentliche Aufmerksamkeit. (gtr)

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