Singen – Die Singener Kurve liegt OB Bernd Häusler etwas im Magen. ­Deshalb war er umso erfreuter, dass sich Verkehrsminister Winfried ­Hermann bei seinem Besuch in Singen Zeit nahm, seine und die Bedenken der Bürger anzuhören. Die Gemengelage bei den Planungen auf der Gäubahnstrecke Stuttgart-Zürich ist jedoch recht komplex, wie der Minister vor Ort am Haltepunkt Landesgartenschau erläuterte.

„Wenn die Singener Kurve gebaut wird, fahren die Züge an Singen vorbei“, sagte OB Bernd Häusler. Deshalb hat die Stadt nach Bekanntgabe des aktuellsten Gutachtens ein Schreiben an Minister Hermann geschickt, dass dieses Projekt nicht im Sinne der Stadt sein kann. Als das Thema Singener Kurve vonseiten der Deutschen Bahn (DB) vor Jahren ins Gespräch kam, war man davon ausgegangen, dass die Singener Kurve nur für die Güterzüge genutzt werden soll. Doch das hat sich geändert. Nach den Plänen der Bahn soll der Haltepunkt Landesgartenschau dann der Haupthaltepunkt für die Züge auf der Strecke der Gäubahn von Stuttgart nach Zürich sein, wenn die Singener Kurve umgesetzt wäre. „Dass Singen diese Lösung nicht will, kann ich verstehen“, sagte Hermann.

Jedoch sei die Gemengelage sehr kompliziert, so Hermann. Um die Strecke Stuttgart-Zürich schneller zu machen, bräuchte es nicht nur moderne Züge, sondern auch Umbauten auf der Strecke. Dafür sind 550 Millionen Euro an Bundesmitteln vorgesehen. „Es war ein großer parteiübergreifender Kraftakt, dass dieses Projekt wieder in den Bundesverkehrswegeplan genommen wurde“, sagte Hermann. Wo die Strecke partiell zweigleisig ausgebaut werden soll, hängt jedoch davon ab, welche Zugtechnik eingesetzt werden soll.

Die Bahn möchte von der Neigetechnik weg, während die Landesregierung diese Technik gern auf dieser Strecke im Einsatz sehen würde. Man geht wohl davon aus, dass die meisten Hersteller in den nächsten Jahren aus der Produktion von Neigetechnikzügen aussteigen werden. Wenn dann nur noch ein Hersteller – in diesem Fall die Firma Alstom – diese Technik baut, gäbe es ein Monopol. Davor warnte Hermann, denn das wäre dann teuer. Nicht nur deshalb warnte er, wachsam zu bleiben. Letzteres gelte auch generell beim Umgang mit der Bahn.

„Wir müssen sicherstellen, dass der Ausbau der Singener Kurve nicht zum Abhängen des Singener Bahnhofs führt“, so Hermann. Er riet zu einer parteiübergreifenden, breiten Allianz zwischen Kommunen und Land, denn die DB könne nicht einfach an den Menschen vorbei planen. Leider habe die DB es nie für notwendig angesehen, die Bahnstrecke Stuttgart-Zürich auszubauen, weil sie sie für unrentabel hält. Als Interimslösung für eine schnellere Fahrzeit werden ab Dezember zumindest teilweise neue IC-Doppelstockzüge auf dieser Strecke eingesetzt.

Der Eisenbahnknotenpunkt

Singen verdankt seine Entwicklung vom Bauerndorf zur Industriestadt vor allem der Lage am Eisenbahnknotenpunkt. Der Singener Bahnhof ist der Ausgangspunkt der Gäubahn auf der Strecke nach Stuttgart. Außerdem halten in Singen die Züge der Schwarzwaldbahn, die Singen mit Offenburg und Konstanz verbinden. Die Hochrheinbahn stellt außerdem die Verbindungen nach Basel und Ulm her.

Die Gäubahn ist streng genommen die 148,5 Kilometer lange Strecke zwischen Stuttgart und Hattingen. Dort geht sie Richtung Singen in die Badische Schwarzwaldbahn über. Die Strecke wurde von 1866 bis 1879 von den Königlich Württembergischen Staats-Eisenbahnen erbaut und erhielt erst zur Zeit der Deutschen Reichsbahn durch den Bau der Verbindungskurve zwischen Tuttlingen und Hattingen 1934 ihren gegenwärtigen Verlauf. Heute verkehren auf der teilweise eingleisigen, vollständig elektrifizierten Hauptbahn Intercity-Züge von Stuttgart nach Zürich. Die Gäubahn ist überdies eine bedeutende Strecke im Nord-Süd-Güterverkehr. Die Gäubahn ist für den Neigetechnik-Verkehr ertüchtigt. Im Abschnitt Stuttgart-Horb ist sie zweigleisig.