Es sollte nur eine Übergangslösung sein, doch das Provisorium hat sich als sehr stabil erwiesen: Seit 2005 wurde das Gasthaus Kreuz vom benachbarten Kulturzentrum Gems betrieben, seit dem 20. August ist das Lokal nun geschlossen. Es gibt mehrere Ursachen für den Rückzug – im Kern allerdings geht es laut Gems-Geschäftsführer Andreas Kämpf darum, dass "die Gastronomie nun einmal nicht zu den Kernkompetenzen des Kulturzentrums" zählt. Der Verein ging deshalb auf die Stadtverwaltung zu und bat um eine Neuregelung.

Die Voraussetzung dafür scheint gegeben, denn es existiert wohl ein Interesse an der Übernahme der Gaststätte durch einen Pächter mit gastronomischem Hintergrund. Mit einer Vertragsunterzeichnung ist es jedoch nicht getan. Nach Angaben von Oberbürgermeister Bernd Häusler befindet sich das Haus in einem Zustand, der wohl kaum den Ansprüchen eines Gastwirts oder Kochs entspricht. Seit den 80er Jahren sei allenfalls mal gestrichen oder die Lüftungsanlage generalüberholt worden, aber an der Grundsituation habe sich nichts geändert – insbesondere in der Küche. "Die Basics stammen aus den 80er Jahren", so der OB, "das ist sicher nicht mehr zeitgemäß."

Zurzeit wird überlegt, wie das Konzept des Hauses aussehen könnte. Beispiel: Die Gems und das Kreuz sollen sich nicht ins Gehege kommen, denn schließlich besteht auch im Kulturzentrum ein gastronomisches Angebot. Unter dem gemeinsamen Dach der Gems war dies bisher kein Problem, beim Nebeneinander von einem neuen Pächter für das Gasthaus Kreuz und der Gems will man aber künftig für klare Regeln sorgen. Die Aufgabe dürfte lösbar sein, zumal in der Gems bisher außer Getränken wenig mehr als belegte Brote und Erdnüsse angeboten wurden.

Bild: Torsten Lucht
Gems-Geschäftsführer Andreas Kämpf | Bild: Lucht, Torsten

Einiges an Zeit wird ferner für die Planungen zur Renovierung benötigt. Beides muss vom Gemeinderat genehmigt werden, wobei die Kosten nicht unerheblich sein dürften. Andreas Kämpf geht davon aus, dass man sich schnell in einem Bereich von mehreren hunderttausend Euro bewegt. Sollte dann das Einverständnis der Stadträte vorliegen, kann der Umbau beginnen – vorausgesetzt, es finden sich Handwerker. Andreas Kämpf, dem aus naheliegenden Gründen sehr an einem baldigen gastronomischen Angebot im Nachbarhaus gelegen ist, rechnet deshalb bestenfalls zum Jahreswechsel mit der Wiedereröffnung des Lokals.

Umgekehrt wird derzeit die Gems aufgehübscht. "Der Fußboden im Foyer sieht aus wie Hund", sagt Andreas Kämpf, auch die Theke sowie die Tische und Stühle in diesem Bereich werden erneuert. Ziel sei die Verbesserung der Aufenthaltsqualität, wobei das Kulturzentrum seinen alternativen Charme behalten wird. Das ergibt sich allein aus der Höhe der Investition. Andreas Kämpf geht von 10 000 bis 20 000 Euro aus, die aus den Rücklagen des Vereins finanziert werden.

Mit gravierenden Auswirkungen auf die Besucherfrequenz durch die Einstellung des Betriebs im Gasthaus Kreuz rechnet der Geschäftsführer nicht. Wenn überhaupt, dann sei von "keinen traumatischen Folgen" auszugehen. Er erinnert in diesem Zusammenhang an frühere Jahre, in denen die Gems ganz andere Veränderungen habe wegstecken müssen. Dazu zählt er die veränderte Parksituation oder die Umwidmung der Mühlen- zur Stichstraße. Die Struktur der Gems habe sich als stabil gegenüber solchen äußeren Einflüssen erwiesen.

Sicher ist er sich dagegen, dass das Gasthaus Kreuz einen Pächter benötigt, der das Lokal mit Herz und Seele betreibt. Auch da spricht aus ihm die Erfahrung. Fünf bis sieben Jahre, sagt Andreas Kämpf, benötige man in der Gastronomie, um den schlechten Ruf eines Lokals wieder einigermaßen zu reparieren. Das habe die Gems nach dem überstürzten Abgang des Vorgängers im Jahre 2004 zu spüren bekommen.