Singen Singener Hospiz-Zentrum will mehr sein als ein Haus zum Sterben

Caritas und Diakonie verfolgen als Träger des neuen Hospiz- und Palliativzentrums ehrgeizige Ziele. So will man sich auch um die umfassende Betreuung von Hinterbliebenen kümmern.

Es geht um mehr als das Sterben: Das in der Entstehungsphase befindliche Singener Hospiz- und Palliativzentrum mit dem Namen Horizont wird mehrere Hilfen und Betreuungsangebote bündeln und soll damit beim überregionalen Vergleich mit gleichartigen Einrichtungen eine herausragende Rolle einnehmen. Wie die Vertreter der gemeinnützigen Gesellschaft, die das Hospiz- und Palliativzentrum trägt, bei der Vorstellung des künftigen Aufgabenspektrums sagten, werden (anders als andernorts) nicht nur ein bis drei, sondern sechs Bereiche abgedeckt.

  • Der Bereich des stationären Hospizes mit neun Plätzen bildet den Kern des Zentrums. Die neun Zimmer für die sterbenden Menschen, denen erfahrungsgemäß nur noch eine kurze Zeit des Lebens mit durchschnittlich 20 Tagen verbleibt, werden im Neubau neben der bereits im Umbau befindlichen Villa Wetzstein untergebracht. Der Beginn des Neubaus ist im Sommer geplant, mit der Fertigstellung ist im Herbst 2018 zu rechnen.
  • Zum Zentrum zählt ferner eine Palliativabteilung, die die ambulante Versorgung von Menschen mit einer weit fortgeschrittenen, unheilbaren Erkrankung in der vertrauten häuslichen Umgebung übernimmt. Die Betreuung soll durch ein Team aus Ärzten, Pflegern, Psychologen, Seelsorgern, Sozialarbeitern oder etwa Hospiz-Mitarbeitern erfolgen. Wie es in der Aufgabenbeschreibung des Zentrums heißt, sind diese Palliativleistungen kostenfrei und werden über die Krankenkassen abgerechnet.
  • Das Palliativ- und Hospizzentrum ist zugleich der künftige Sitz des Hospizvereins. Neben den Vorstandsmitgliedern und drei hauptamtlichen Mitarbeitern engagieren sich mehr als 550 Frauen und Männer in ehrenamtlicher Tätigkeit für den Hospizverein. Sie begleiten nicht nur die sterbenden Menschen, sondern kümmern sich auch um die Angehörigen, organisieren Vorträge oder Ausstellungen.
  • Zu den Besonderheiten des Zentrums zählt die Einrichtung eines interkulturellen Trauerorts. Es handelt sich hierbei um die Anlage eines öffentlich zugänglichen, etwa 100 Quadratmeter großen Gartens auf dem Areal der Villa Wetzstein beziehungsweise des Neubaus. Dieser Ort für Rückzug und Ruhe könnte sich für Menschen, die keine Gelegenheit zur Trauer an Gräbern (wie etwa Flüchtlingen) haben, zu einer Stätte des Gedenkens und der Begegnung entwickeln. Das Hospiz- und Palliativzentrum wird außerdem einen Raum der Stille beherbergen, für dessen Gestaltung die Trägergesellschaft eine Ausschreibung für Entwürfe von Künstlern plant.
  • Zum Konzept zählt ferner ein Veranstaltungsraum für Kultur und Bildung. Gedacht ist an Gesprächskreise, Seminare und Vorträge sowie Lesungen oder Konzerte.
  • Das Café Horizont schließlich soll die Möglichkeit zur Begegnung der Hospizgäste mit ihren Angehörigen oder Freunden bieten. Gedacht ist zum Beispiel auch an die Ausrichtung von Geburtstagen, Familienfesten oder Trauerfeiern.

Fakten zum Hospiz- und Palliativzentrum

  1. Wer betreibt das Hospiz- und Palliativzentrum? Zwecks Umbaus der Villa Wetzstein an der Hegaustraße sowie eines Erweiterungsbaus gründeten die Caritas Singen-Hegau und das Diakonische Werk Konstanz vor einem Jahr eine gemeinnützige Gesellschaft mit beschränkter Haftung (gGmbH).
  2. Wann ist die Inbetriebnahme des Zentrums? Mit dem Umbau der Villa Wetzstein wurde im Oktober vergangenen Jahres begonnen, die Arbeiten dürften im Sommer abgeschlossen und dann unter anderem für den Hospizverein nutzbar sein. Beginn des Erweiterungsbaus ist voraussichtlich im Sommer, das Zentrum wird gesamthaft im Herbst 2018 verfügbar sein.
  3. Was kostet das Zentrum? Die Kosten für den Umbau der Villa Wetzstein werden von der Trägergesellschaft auf zirka 1,7 Millionen Euro veranschlagt, wovon knapp eine Million aus dem Sanierungszuschuss für die örtliche Innenstadt stammt. Dabei entfallen 40 Prozent des Sanierungszuschusses auf das Land Baden-Württemberg, 40 Prozent werden von der Stadt Singen übernommen. Der Erweiterungsneubau wird um einiges teurer: Gerechnet wird mit Baukosten in Höhe von 6,5 Millionen Euro, wobei eine Million Euro die Stadt Singen übernimmt, 0,5 Millionen Euro schießt das Deutsche Hilfswerk zu – den Löwenanteil von 5 Millionen Euro finanziert die Trägergesellschaft über Kredite.
  4. Sind die neun Hospiz-Plätze ausreichend und wie hoch sind die laufenden Kosten? Der Bedarf an stationären Hospizplätzen liegt bei einer Bevölkerungsdichte von 250 000 Menschen statistisch derzeit bei acht bis neun – im Landkreis Konstanz leben 280 000 Menschen. Für den laufenden Betrieb wird jährlich mit Kosten von einer Million Euro gerechnet. (tol)

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