Wenn es um Maßnahmen für eine klimafreundlichere Mobilität geht, dann sollen auch die Singener Bürger mitreden. Deshalb fand nun in der Ekkehard-Realschule der zweite Bürgerworkshop unter Moderation der Firma R+T Verkehrsplanung GmbH aus Darmstadt statt.

30 Bürger beteiligen sich

Großen Verbesserungsbedarf sehen viele Bürger im Bereich der Radwege sowie bei der Vertaktung der Busse, der Anbindung an die Züge und der Vereinfachung bei den Bustickets. Auch wenn nur rund 30 Bürgerinnen und Bürger die Chance zum Mitreden nutzten, konnten sich die Planer von R+T, die das Mobilitätsgutachten für die Stadt erstellen, einige Dinge notieren, die verbesserungswürdig sind.

Ralf Huber-Erler, Geschäftsführer von R+T, stellte zunächst die bisher erarbeiteten Ergebnisse kurz vor, bevor die Anwesenden zu den drei Themenbereichen ÖPNV/Fußverkehr, Kfz-Verkehr/Parken und Radverkehr mit ihm und den Mitarbeitern Tobias Franke und Sebastian Hofherr diskutierten und Vorschläge machen konnten.

Mehr Menschen sollen Auto stehen lassen

„Wir wollen noch mehr Menschen dazu bewegen, mit dem Rad zu fahren, zu Fuß zu gehen oder den öffentlichen Verkehr zu nutzen“, sagte Oberbürgermeister Bernd Häusler zu Beginn. Auch zahlreiche Verwaltungsmitarbeiter, die mit dem Bereich Verkehr zu tun haben, lauschten den Workshops aus einer gewissen Distanz.

Nach den Ergebnissen der Haushaltsbefragung vom April 2018 hatte man herausgefunden, dass 46 Prozent aller Befragten als Selbstfahrer allein mit dem Auto in Singen unterwegs sind, während 16 Prozent zu Fuß laufen und immerhin 21 Prozent das Rad benutzen. Mit nur 6 Prozent war der Anteil der Nutzer des öffentlichen Verkehrs sehr niedrig. „Es gibt zwar ein dichtes Haltestellennetz, aber die Takte sind zu lang und die Preisstrukturen ungünstig“, sagte Huber-Erler.

Taktung des Busverkehrs reicht nicht aus

Die Nutzung des Busverkehrs sei machbar, wenn man viel Zeit hätte, sagte Anita Becker aus Bohlingen. „Für Berufstätige ist die Taktung aus den Ortsteilen einfach nicht attraktiv und auch bei den Anschlüssen zum Seehas hapert es“, so Anita Becker. Ursula Bubeck wünscht sich vor allem ein Busticket für einen Euro und 50 Cent für Kinder. Die Preisgestaltung sei derzeit unnötig kompliziert. Doch hier wird sich ja ab April etwas ändern.

Ausreichend Parkplätze in der Innenstadt sind immer ein ganz großes Thema. Bei seinen Untersuchungen hatte das Fachbüro festgestellt, dass die Preisstrukturen in Singen etwas ungünstig sind, denn bewirtschaftete oberirdische Parkplätze seien teilweise günstiger als die in den Parkhäusern. Auch seien die kostenlosen Parkplätze sehr gut ausgelastet, aber es käme parallel dann auch zu Problemen mit Anwohnern.

Zu viele oberirdische Parkplätze?

„Wir denken, eine flächendeckende Bewirtschaftung der Parkplätze in der Innenstadt wäre nötig und Bewohner sollten einen Bewohnerausweis bekommen“, so Huber-Erler. Peter Teubner fände es gut, wenn man den Autoverkehr in der Innenstadt drastisch reduzieren würde. „Die schönsten Innenstädte sind die, wo die wenigsten Autos oberirdisch parken dürfen“, ergänzte Reinhold Wick. Überhaupt sollte das Augenmerk bei den Maßnahmen vor allem auf einer noch stärkeren CO2-Reduzierung liegen, so Wick.

„Es ist ein Unding, dass oberirdische Parkplätze in der Innenstadt so günstig sind“, sagte Ursula Bubeck. Auch Walter Zimmermann ist der Meinung, dass es in der Innenstadt zu viele oberirdische Parkplätze gibt und daher die Parkhäuser nicht ausgelastet sind. Damit Leute, die aus dem Norden nach Singen fahren, mit öffentlichem Verkehr in die Innenstadt fahren können, wünscht sich Ingo Schulz-Weddigen einen Park & Ride Parkplatz in der Nordstadt.

Ideen für den Radverkehr

Beim Thema Radwege hatten die Anwesenden einige Ideen, wo Radwege aufgewertet werden sollten. Auch wiesen Reinhold Wick aus Bohlingen sowie Ursula und Dieter Bubeck darauf hin, dass zum Beispiel der eingezeichnete Radweg von Bohlingen in die Südstadt wegen der starken Steigung nicht unbedingt genutzt werde, sondern lieber ein kleiner Umweg über weniger steile Straßen gefahren werde.

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Dringenden Handlungsbedarf sieht Anita Becker auch bei mehr und hochwertigeren Abstellmöglichkeiten für Räder am Bahnhof. Was in Singen derzeit noch gänzlich fehlt, ist ein Fahrradverleih, beispielsweise am Bahnhof oder auch Car-Sharing. Handlungsbedarf gibt es an vielen Kreuzungen in Singen außerdem wegen fehlender taktiler Leitsysteme für Blinde und Sehbehinderte. Auch die Ampelschaltungen für Fußgänger seien oft zu lang, wurde kritisiert.