Die Menschen im Einzugsbereich des Finanzamtes Singen steuerten im vergangenen Jahr 1,049 Milliarden Euro zum öffentlichen Finanzaufkommen bei. Zum zweiten Mal in Folge wurde damit in Singen, dem Hegau sowie den Einzugsgebieten von Radolfzell und Stockach mehr als eine Milliarde Euro eingenommen. 2018 lagen die Steuereinnahmen sogar um 14,6 Millionen Euro oder 1,41 Prozent über dem Betrag der Jahres 2017 (siehe Grafik).

Einige Entwicklungen liegen beim Vergleich der Jahresdaten auf der Hand. Der Rückgang der ohnehin auf relativ niedrigem Niveau sich bewegenden Zinsabschlagssteuer beispielsweise ist darauf zurückzuführen, dass es fürs Geld auf der Bank im Prinzip so gut wie keine Zinsen mehr gibt. Für die satte Steigerung der Grunderwerbssteuer gibt es ebenfalls eine eindeutige Ursache. Zuständig für diese Steuer ist das Land Baden-Württemberg, das die Steuer hoch setzte und dadurch im Verlauf des vergangenen Jahres rund 44 Millionen Euro einnahm – das ist ein Betrag, der um knapp 44 Prozent über dem des Vorjahres liegt.

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Das neue Jahr beginnt gut

Als Indikator für die wirtschaftlich anhaltend gute Entwicklung lässt sich die Steigerung der Ertragssteuer um knapp 34 Prozent auf etwas mehr als 21 Millionen Euro verstehen – zumal wenn sie in Kombination zu den Einnahmen aus Lohn- und Einkommenssteuer gesehen wird. Insgesamt wurde mehr verdient und also floss mehr Geld in die öffentlichen Kassen. Schaut man übrigens auf die Monate Januar und Februar des aktuellen Jahres, so stehen die Zahlen – zumindest im Einzugsgebiet des Finanzamtes Singen – im Gegensatz zu den mahnenden Worten von Bundespolitikern, die eine Konjunkturdelle und damit sinkende Einnahmen befürchten. Im Vergleich zu den beiden ersten Monaten 2018 (rund 125 Millionen Euro) wurden im Januar/Februar 2019 bereits Steuern in Höhe von knapp 132 Millionen Euro verbucht.

Rückgang bei der Umsatzsteuer

Irritierend dagegen ist der merkliche Rückgang bei der Umsatzsteuer. Sie sank um etwa 16 Millionen auf knapp 288 Millionen Euro, was einem Minus von 5,3 Prozent entspricht. Angesichts der Steigerungen bei Lohn- und Einkommensteuer sollte man eher von einer höheren Konsumfreudigkeit ausgehen, was generell durch Analysen zum Kaufverhalten unterstrichen wird. Mehr Konsum, aber weniger Umsatzsteuer – dieser Widerspruch könnte seine Auflösung unter anderem darin finden, dass beim Verkauf von Produkten übers Internet durch die globale Orientierung von Handelskonzernen oft keine Umsatzsteuer gezahlt wird.

Gute Steuermoral

Solveig Elze als Leiterin des Finanzamtes fällt auch eine positive Bilanz über die Steuermoral. Unter den 280 Mitarbeitern der Behörde befinden sich 30 Betriebsprüfer, spektakuläre Fälle deckten sie im vergangenen Jahr nicht auf. Teilweise seien die Betriebsprüfer präventiv unterwegs, angesichts der nicht einfachen Materie der Steuergesetze seien menschliche Fehler bei den Angaben nicht auszuschließen. "Manchmal gibt es auch schlicht unterschiedliche Auffassungen über das, was man zu zahlen hat", erläutert sie.

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Zu tun gibt es im Finanzamt dennoch reichlich. Allein die Einkommensfälle summieren sich auf jährlich 68 000. Zwar werden inzwischen etwas mehr als 60 Prozent über das elektronische System Elster bearbeitet, von der sich die Finanzämter für die Mitarbeiter wie für die Steuerzahler Vereinfachungen erhoffen. Auf der anderen Seite sind solche Vereinfachungen auch dringend erforderlich – allein schon wegen des ab Ende 2019 fälligen neuen Gesetzes zur Grundsteuer mit rund 100.000 Fällen.