"Technik – Innovation – Zukunft" – diese drei Schlagworte waren im Jahr 2017 auf den Fahnen zu lesen, die anlässlich des 125-jährigen Bestehens der Hohentwiel-Gewerbeschule (HGS) wehten. Zukunftsfähig wurde die Schule in den vergangenen 126 Jahren immer wieder gemacht, sei es durch Anbauten, neue Schularten oder neue Ausstattung.

"Eine Schule kann nur erfolgreich sein, wenn sie mit der Zeit geht und sich den sich ändernden Anforderungen immer wieder anpasst", so die Worte von Landrat Frank Hämmerle in der Festschrift zum 125-jährigen Bestehen. Ein aktuelles Beispiel sei die Einrichtung einer Lernfabrik 4.0, die mit Fördermitteln des Wirtschaftsministeriums an der HGS eingerichtet wurde.

"Lernfabrik" nannte man die Schule in den 1960-er Jahren zwar noch nicht, aber in diesem Jahrzehnt, also der Zeit des Wirtschaftswunders in Deutschland, gab es ebenfalls zukunftsweisende Änderungen. Dazu gehört beispielsweise die Einrichtung einer Meisterschule für das Kraftfahrzeughandwerk im Herbst 1966. Die HGS war damals die zweite Schule im Land, die dies einführte. Ende 1966 hatte die HGS insgesamt 1435 Schüler. Zum Vergleich: Im Schuljahr 2016/17 waren es 1889.

Zugewuchert: Das Grün rund um die Hohentwiel-Gewerbeschule braucht hin und wieder mal einen Rückschnitt. Fortschrittlich ist der Unterricht aber seit 126 Jahren.
Zugewuchert: Das Grün rund um die Hohentwiel-Gewerbeschule braucht hin und wieder mal einen Rückschnitt. Fortschrittlich ist der Unterricht aber seit 126 Jahren. | Bild: Susanne Gehrmann-Röhm

Nur zwei Jahre später, zum Schuljahr 1968/69, wurden dann das technische Gymnasium (TG) und ein zweijährige Berufsfachschule eingerichtet. Josef Leirer, der später selbst Lehrer geworden ist, und Bernhard Siegel gehörten zu dem ersten Jahrgang, der 1971 am TG Abitur gemacht hat. Beide schreiben in der Festschrift zum 100-jährigen Bestehen der Schule im Jahr 1992 über ihre Erlebnisse als Schüler.

"Wohl kaum als Auffangnetz für gescheiterte Schüler eines humanistischen Gymnasiums gedacht, sondern als Chance für mathematisch-technisch begabte Schüler, war für mich persönlich damals, 1968, die Einrichtung der Schulform Technisches Gymnasium die Rettung vor dem drohenden Abgrund des Versagens im Lateinunterricht am Hegau-Gymnasium", schrieb Bernhard Siegel damals. Nach der Schule studierte er Informatik an der FH Konstanz.

Josef Leirer, der später Deutsch- und Englischlehrer wurde, erinnerte sich – gut 20 Jahre, nachdem er das TG mit dem Abitur verlassen hatte – an den dritten Schultag am TG: an diesem Tag habe ihm der Englischlehrer frei heraus attestiert, an der falschen Schule zu sein.

Aus allen Himmelsrichtungen waren 20 Schüler ans TG gekommen. "Zwar waren wir stolz, als wir hörten, dass wir aus vielen Bewerbern ausgesiebt worden waren, aber dieses Gefühl währte nicht lange, denn bereits wenige Minuten nach einer äußerst knappen Begrüßung war unser Klassenlehrer, Herr Zimmermann, dabei, uns auf unsere Mathematikkenntnisse abzuklopfen".

Manfred Bassler (links) war von 1971 bis 2006 Lehrer an der HGS. Mit Stephan Glunk (Mitte) und Schulleiter Stefan Fehrenbach betrachtet er Fotos in der Festschrift.
Manfred Bassler (links) war von 1971 bis 2006 Lehrer an der HGS. Mit Stephan Glunk (Mitte) und Schulleiter Stefan Fehrenbach betrachtet er Fotos in der Festschrift. | Bild: Susanne Gehrmann-Röhm

Erinnerungen eines Lehrers

Manfred Bassler, Jahrgang 1941, kennt die Hohentwiel-Gewerbeschule als Lehrer. Er kam 1971 als Quereinsteiger an die Schule und blieb bis zum Eintritt in den Ruhestand im Jahr 2006. Vor der Zeit im Schuldienst hatte der Maschinenbauingenieur in Stuttgart bei Daimler gearbeitet. Der Bereich KFZ wurde für Manfred Bassler zum Hauptbetätigungsfeld. Später begleitete er den Neubau der Kfz-Werkstatt, die im Jahr 2004 in Betrieb genommen wurde. Doch bereits in den frühen 1950-er Jahren hatte Bassler einen Bezug zur Uhlandhalle. "Ich habe dort als Schüler des Hegau-Gymnasiums Turnunterricht gehabt." Der Neubau der Gewerbeschule in den frühen 1950-er Jahren mit angegliederter Uhlandhalle, war ein Meilenstein in der Stadtgeschichte, denn nördlich davon gab es noch keine Häuser.

Auch in den 1960-er Jahren war die Bebauung im Norden der Stadt noch sehr dünn. "Ich erinnere mich, wenn ich von der Lessingstraße aus, wo wir damals wohnten, meinen Schulfreund Thomas Zimmermann in der Hohenstoffelnstraße besucht habe: Zwischen Gewerbeschule und seinem Haus war in den frühen 1960-er Jahren nur freies Feld", erklärt Stephan Glunk, der seit 1985 als Lehrer an der HGS ist.

Manfred Bassler hat noch eine weitere Anekdote aus seiner Zeit als Lehrer parat. Die damals bis auf den Boden laufenden Fenster der Uhlandhalle (an der Seite in Richtung Anton-Bruckner-Straße) sollten auf Antrag des damaligen Schulleiters Ottokar Peter von unten her verkleinert werden. "Das gab damals einen Aufschrei bei den Gremien, die dies beschließen sollten", so Bassler, der selbst schon lange SPD-Stadtrat ist. Der damalige Schulleiter sei ein passionierter Fußballer gewesen und in der Uhlandhalle seien zu der Zeit schon mal aufgrund enormer Schusskraft Scheiben zu Bruch gegangen. (sgr)