Theater gab es in diesem Jahr keines bei der Preisverleihung des Kulturförderkreises in der Singener Stadthalle. Der Kulturschwerpunkt 2018 hieß "Singen im Takt". Das haben sich die Juroren zu Herzen genommen. Vier von fünf Preisträger werden für ihre musikalischen Erfolge ausgezeichnet: Zwei mit 1500 Euro dotierte Förderpreise gehen an den Blasmusikverband Hegau-Bodensee (BHB) und die Bigband des Friedrich-Wöhler-Gymnasiums zur Förderung der Jugendarbeit, zwei mit 1000 Euro dotierte Anerkennungspreise an den Frauenchor Singen und Bezirkskantor Georg Koch. Ein weiterer Anerkennungspreis geht an das Hegau-Kunstprojekt Arte Romeias.

Stephan Glunk erinnerte als Laudator an ein an musikalischen Höhepunkten so reiches Jahr in Singen. Ein Mosaikstein dabei sei der Frauenchor Singen gewesen, der im letzten Jahr sein 25-jähriges Bestehen feiern konnte. "Die Ursprünge des Frauenchors liegen in einem musikalischen Projekt, das der unvergessene Heinz Bucher, Dirigent des Männerchors Konkordia, im Herbst 1981 anging. Es gelang ihm damals, immerhin 80 Sängerinnen für ein gemeinsames Konzert mit der Konkordia zu gewinnen, und die dann aufgeführte Operngala begeisterte nicht nur das Publikum, sondern eben auch Heinz Bucher und seine Sängerinnen dergestalt, dass alle miteinander beschlossen, einen Frauenchor zu gründen", erzählte Glunk vor großem Publikum in der Stadthalle. 1992 war es soweit: der Frauenchor Singen wurde aus der Taufe gehoben. 2018 wird das musikalische Wirken ausgezeichnet.

Bezirkskantor Georg Koch ist nicht nur begnadeter Organist, sondern auch Organisator vieler kirchenmusikalischer Höhepunkte. Für sein ...
Bezirkskantor Georg Koch ist nicht nur begnadeter Organist, sondern auch Organisator vieler kirchenmusikalischer Höhepunkte. Für sein Wirken bekommt er einen Anerkennungspreis des Kulturförderkreises Singen. | Bild: Archiv Karin Zöller

Ausgezeichnete Töne versteht Bezirkskantor Georg Koch den Orgeln – nicht nur im Hegau – zu entlocken. "Die Orgel wird landläufig als die Königin unter den Instrumenten begriffen, vielleicht weil sie so groß und für den Laien unfassbar ist", erläuterte Manfred Lehn als Laudator. Dabei sei sie nicht etwa von einem Musiker, sondern von einem Techniker im 3. Jahrhundert v. Chr. in Alexandrien erfunden worden. Johann Sebastian Bach hat viel später das Geheimnis des Orgelspiels ganz simpel erklärt: Alles, was man tun müsse, sei, die richtige Taste zum richtigen Zeitpunkt zu treffen. Wie viel Koordinationsgeschick dazu gehört, weiß Georg Koch, von der Musikalität ganz zu schweigen. Mit dem Projektchor Tonwerkstatt gestaltet er die Konzertreihe Advent im Kerzenschein. "Sehr geehrter Herr Koch, Sie sind ein virtuoser Musiker – und insbesondere an Ihrem Lieblingsinstrument der Orgel, ziehen Sie alle Register Ihres Könnens. Wir freuen uns gleich eine Kostprobe Ihres Talents hören und auch sehen zu dürfen", gratulierte Lehn am Freitagabend zum Anerkennungspreis des Kulturförderkreises Singen Hegau.

Für den Blasmusikverband Hegau-Bodensee spielt die Förderung des musikalischen Nachwuchses eine wichtige Rolle. Dies wurde auch zum ...
Für den Blasmusikverband Hegau-Bodensee spielt die Förderung des musikalischen Nachwuchses eine wichtige Rolle. Dies wurde auch zum Verbandsmusikfest im 6. Juli in Singen deutlich. Mit dem Kulturförderpreis will der Verband die Jugendarbeit in den Singener Stadtteilmusikvereinen Friedingen, Beuren, Bohlingen und Überlingen fördern. Die vier Musikvereine waren besonders engagiert in der Vorbereitung des Verbandsmusikfestes. | Bild: Blasmusikverband Hegau-Bodensee

Schon in seinem Leitbild hat es der Blasmusikverband Hegau-Bodensee festgeschrieben: „Die Jugend ist unsere Zukunft“. In diesem Sommer hat der Verband das 125-jährige Jubiläum mit einem großartigen Fest in Singen gefeiert – und dabei gezeigt, dass er trotz großer Tradition bis heute jung geblieben sei, wie Laudator Siegfried Worch betonte: "Auffallend hoch ist der Anteil jugendlicher Mitglieder, zirka 60 Prozent sind unter 27 Jahre und davon 40 Prozent unter 18 Jahre alt." Dieser hohe Anteil jugendlicher Mitgliedern sei einer jahrelangen intensiven Jugendarbeit zu verdanken. Das Ziel lautet, das historisch Gewachsene zu stärken und produktiv weiterzuentwickeln und gleichzeitig dem Neuen offen entgegenzutreten, es zu fördern und zu unterstützen – wie dies beim Verbandsmusikfest zu sehen war, bestens organisiert vom Verband und den Singener Ortsteil-Vereinen Beuren, Bohlingen, Friedingen und Überlingen am Ried. Für den musikalischen Auftritt am Freitagabend haben sich junge Musiker aus den Vereinen Bohlingen, Bankholzen, Überlingen am Ried Beuren und Friedingen unter der Leitung von Mareike Knopf und Karl Schwegler zusammengefunden. Der Blasmusikverband Hegau-Bodensee und die Musikvereine aus Beuren, Bohlingen, Friedingen und Überlingen am Ried erhalten für ihre Jugendarbeit einen Kulturförderpreis in Höhe von 1500 Euro.

Hartmut Kasper hat die Big-Band des Friedrich-Wöhler-Gymnasiums geformt. Dafür gibt es einen Kulturförderpreis, um die Arbeit mit jungen ...
Hartmut Kasper hat die Big-Band des Friedrich-Wöhler-Gymnasiums geformt. Dafür gibt es einen Kulturförderpreis, um die Arbeit mit jungen Musikern fortzuführen. | Bild: Stadt Singen

Auch Angelika Berner-Assfalg drehte in ihrer Laudatio die Zeit weit zurück: Sie beginnt im Jahr 1994, als ein junger Cellist bei der Ostermesse in Gottmadingen aushelfen sollte: "Der junge Mann saß in jenem Orchester mit einem älteren Herrn am Kontrabass. Im September des gleichen Jahres kam unser frischgebackener Referendar mit den Fächern Musik und Erdkunde ans Friedrich-Wöhler-Gymnasium nach Singen unterm Hohentwiel und der ältere Herr aus dem Orchester entpuppte sich als sein neuer Schulleiter- Hans Zimmermann." Zimmermann beauftragte den neuen Kollegen Hartmut Kasper damit, ein Orchester an der Schule auf den Weg zu bringen. Es meldeten sich ein Schlagzeuger, ein Gitarrist und ein Klavierspieler – und so wurde es statt eines klassischen Orchesters eine Bigband. "So mancher Kulturförderpreisträger oder auch Profimusiker hatte seine Anfänge im FWG, ich erinnere an Svenja Daub am Klavier oder Pascal Niggenkemper am Schlagzeug." Seit 25 Jahren sorgt die Big Band vom Friedrich-Wöhler-Gymnasium nun für Unterhaltung. "Wir waren der Meinung, dass dieses Engagement von Hartmut Kasper mit einem Förderpreis in Höhe von Euro 1500 Euro gewürdigt werden sollte", betonte Berner-Assfalg und moderierte den Auftritt an: "Meine Damen und Herren, jetzt sind wir gespannt, wer heute Abend das Piano spielt!"

Einen Anerkennungspreis geht für das Kunstprojekt Arte Romeias 2017 an Jörg Lillich. Der Dozent im Fachbereich Literaturwissenschaft an der Uni Konstanz wurde von Axel Nieburg, Geschäftsführer der Baugenossenschaft Hegau, mit der Organisation des Projekts betraut. "Gemeinsam haben sie die Verbindung zwischen ungezügelter Kreativität und der richtigen künstlerischen Übersetzung verkörpert", so Laudatorin Carmen Frese-Kroll. Dadurch konnte ein einzigartiges Kunstprojekt in Singen umgesetzt werden. Das zu Beginn kaum ein Künstler mitmachen wollte, könne man sich im Nachhinein gar nicht vorstellen. "Herr Lillich ließ sich jedoch nicht aus der Ruhe bringen", verriet Frese-Kroll in der Stadthalle. Der Schlüssel zum Erfolg wurde die Vermittlung zwischen Menschen, die Kunst leben, und denen, die eher keinen Bezug zur Kunst haben. "Dadurch konnte die Kunst mit Jedem kommunizieren, zu Jedem sprechen. Ob Amateur oder Profi, Student oder Flüchtling, Alt oder Jung. Jeder konnte sich mitteilen und zusammen mit Anderen dieses Projekt entdecken, erfahren und teilen", lobte Laudatorin Frese-Kroll. Die große Akzeptanz habe sich beim Publikum gezeigt, welches in großen Zahl das Kunstprojekt besuchte. Das Projekt habe es geschafft, Lebenskultur in Szene zu setzen. "Sie, Herr Lillich, haben mit Ihrem Team die Menschen und die Stadt Singen in vielerlei Hinsicht bereichert und deswegen freuen wir uns, dass wir an diesem außergewöhnlichen Kunstprojekt teilhaben konnten und wir Ihnen, Herr Lillich, den Anerkennungspreis überreichen dürfen."

Bevor die Wohnhäuser in der Romeiasstraße abgerissen werden, startet die Baugenossenschaft Hegau das Kunst- und Kulturprojekt "Arte ...
Bevor die Wohnhäuser in der Romeiasstraße abgerissen werden, startet die Baugenossenschaft Hegau das Kunst- und Kulturprojekt "Arte Romeias". Für die Umsetzung des Projektes wurde Jörg Lillich von der Uni Konstanz (2.v.l.) jetzt mit einem Anerkennungspreis des Kulturförderkreises Singen (im Bild mit Ralf Ritter (l.), Renate Fröhlich und Hegau-Geschäftsführer Axel Nieburg) ausgezeichnet. | Bild: Archiv Christel Rossner

Das waren die Preisträger des vergangenen Jahres:

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Die Preisträger 2018

  • Der Frauenchor wurde von 50 Frauen mit Heinz Bucher als Dirigent 1992 gegründet. Viele schöne Konzerte folgten: die Aufführungen der Jahreszeiten von Joseph Haydn in der Liebfrauenkirche 1995, die kreolische Messe „Misa Criolla 1999 und das letzte Konzert unter Heinz Bucher 2005 mit dem Titel „Vom Madrigal zum Musical“. Unter Buchers Nachfolger Siegfried Schmidgall geht die Erfolgsstory weiter. Mit ihm kam es 2006 zu einer Aufführung mit dem Titel „Abendmusik von Barock bis Swing“, 2008 folgte das Abendkonzert mit dem Titel „Für die Schönheit dieser Welt“, „Sing and Swing“ 2011, „Musik mit Magie“ 2016. Dazu gab es etliche Veranstaltungen zusammen mit dem Männerchor. Mit dem Anerkennungspreis an den Frauenchor Singen anerkennt der Kulturförderkreis den großartigen Beitrag des Frauenchors zum musikalischen Leben in Singen und dem Hegau.
  • Georg Kochs Interesse an der Orgelmusik wurde schon sehr früh als kleiner Junge geweckt. Geboren in Endingen am Kaiserstuhl setzte er nach dem Abitur seinen Kindheitswunsch um und studierte an der Musikhochschule Freiburg im Breisgau Katholische Kirchenmusik und Orgel bei Prof. Dr. Hans Musch. Nach der A-Prüfung 1989 ergänzten weitere Studien bei namhaften Professoren, Komponisten und Musikpädagogen in Paris, Basel und Mainz seine Ausbildung. Zu Anfang war er Kirchenmusiker in Riegel am Kaiserstuhl und Lörrach bis er schließlich im März 1995 im Bezirkskantorat Singen die Verantwortung für die Belange der Kirchenmusik in den Dekanaten Hegau, Konstanz und Linzgau übertragen bekam. Im Rahmen seines Auftrages kümmert er sich als erzbischöflicher Orgelinspektor, oder besser Sachverständiger um mehr als 100 Orgeln am Bodensee, in Hohenzollern und in der Stadt Freiburg. Außerdem arbeitet er noch nebenbei als Musikwissenschaftler an einer Neuausgabe der Orgelwerke des franz. Komponisten Charles-Marie Widor und ist Herausgeber zahlreicher Neueditionen beim Carus-Verlag, dem weltweit größten Anbieter von Vokalmusik.
  • Die FWG-Bigband tritt nicht nur bei Schulveranstaltungen vom Sextanerfest bis zur Abiturientenfeier auf, sondern immer wieder auch bei der er Bäcker/oder Metzgerinnung und alle zwei Jahre bei der Sportlerehrung in der Stadthalle. Über den Schuletat und mit Hilfe der Gagen werden die Noten angeschafft. Wie jede AG hat die Big Band natürlich jedes Jahr mit dem Ausscheiden routinierter und erfahrener Schüler infolge Abitur zu kämpfen. 2016 bestand die Band fast nur noch aus ihrem Bandleader Hartmut Kasper. Aber „Aufgeben“ war nie seine Option. Und wenn man sein lebhaftes, humoriges und gestenreiches Dirigat während der Probenarbeit erlebt, macht er seinem Namen bisweilen alle Ehre. Aus dem Referendar von 1994 ist längst ein Oberstudienrat geworden, der sich in der Schulverwaltung engagiert und natürlich schon mehrfach bei Musiktheaterproduktionen seiner Schule die musikalische Leitung übernommen hat.
  • Der Blasmusikverband Hegau-Bodensee zählt 86 Mitgliedsvereine – die meisten aus dem Landkreis Konstanz, vier Mitgliedsvereine kommen aus dem Landkreis Tuttlingen, zwei aus dem Schwarzwald-Baar-Kreis und einer aus dem Landkreis Sigmaringen. Der Blasmusikverband teilt sich in neun Bezirke auf. Das besondere Augenmerk des Verbandes richtet sich auf die Ausbildung der Jugend und die soziale Integration der jungen Musiker in die Musikvereine, mit dem Ziel eines lebenslangen Musizierens in der Gemeinschaft. Die Bläserjugend ist die Jugendvertretung im Blasmusikverband Hegau-Bodensee. Dadurch wird die Förderung der Jugend durch die verbandsübergreifende Jugendarbeit und durch internationalen Austausch unterstützt. Auch Vorbereitungskurse zum Jungmusiker-Leistungsabzeichen, sowie Fortbildungs- und Weiterbildungsseminare sollen die Jugendlichen in ihrem aktiven musizieren unterstützen. Mehr als 300 – 400 Prüfungen zum Erwerb des Jungmusiker-Leistungsabzeichen werden im Jahr vom Verband durchgeführt. Eine weitere Säule für die Förderung der Jugend wurde mit der Gründung des Verbandsjugendblasorchesters geschaffen.
  • Das Kunstprojekt Arte Romeias hat – wie Hegau-Geschäftsführer Axel Nieburg es formulierte – Vergänglichkeit zum Lustprinzip erklärt. Arte Romeias! Hinter diesen zwei zusammengesetzten Worten verbirgt sich zum Einen die Romeias-Straße in Singen und zum Anderen das Wort „Arte“, welches übersetzt soviel wie Kunst oder Kunstfertigkeit bedeutet. Nieburg hat ein ähnliches Projekt in Luzern gesehen und wollte so etwas auch machen. Durch ein zufälliges Aufeinandertreffen kam Nieburg mit Jörg Lillich ins Gespräch und sie fanden sich als Projektpartner für Arte Romeias zusammen. Das Wissen und Engagement des Uni-Dozenten begeisterte Nieburg. Jörg Lillich hatte von dem Projekt direkt eine Vorstellung und Ideen der Umsetzung. Der Austausch und die kreative Arbeit gestaltete sich dementsprechend auch sehr kraftvoll und voller Hingabe. (sk)