Körbe voller Äpfel und Bohnen, stapelweise Radieschen und Karotten – bunt gefüllt mit Obst und Gemüse ist der ehrenamtlich bereitgestellte Fair-Teiler-Schrank am Blauen Haus in Singen. An den Lebensmitteln kann sich jeder, der etwas braucht, kostenfrei bedienen. Das ist das ehrenamtliche Projekt der Foodsharing Initiative, das sich gezielt gegen Lebensmittelverschwendung richtet. Singens erster Fair-Tailer wurde jedoch nur einen Tag nach der Eröffnung im September, zum Bedauern der Ehrenamtlichen, durch Unbekannte in Einzelteile zerlegt und zertrümmert. Jetzt startet die Initiative gemeinsam mit der Ekkehard-Realschule einen erneuten Versuch, den Fair-Tailer in Singen zu etablieren.

Bild: Anina Kemmerling

Schüler und die Wegwerfkultur

Die Klasse 9a und ihre Lehrerin Uschi Rottinger nutzten die Initiative im Fach AES (Alltagskultur, Ernährung, Soziales) und beschäftigten sich mehrere Wochen mit der Wergwerf-Problematik. Um auch in der Praxis Erfahrung mit Lebensmittelverschwendung und alternativer Verwertung zu sammeln, gingen die zwölf Schüler, vollbepackt mit Tüten, zum Singener Wochenmarkt. Dort wird zweimal wöchentlich alles rund um Gemüse und Obst angeboten. Nach dem Verkauf bleibt jedoch einiges an Lebensmitteln übrig, die sich für den nächsten Markt nicht mehr zum Verkauf eignen, aber eigentlich noch bedenkenfrei verzehrbar sind.

An jedem Stand des Wochenmarkts fragten die Schüler nach Lebensmitteln, die ansonsten im Müll landen würden und jeder Verkäufer hatte genug Lebensmittel übrig, um mindestens eine Tüte der Schüler zu füllen. Am Ende des Projekts gab es keine leeren Tüten mehr, dafür aber kiloweise Obst und Gemüse. Die Foodsharing Initiative arbeitet schon seit Längerem mit dem Wochenmarkt in Singen zusammen und die Verkäufer seien von den Schülern begeistert gewesen. Es habe besonders viel Lebensmittel für die Jugendlichen gegeben, erzählt Ingrid Oesterle.

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Hier stehen die neuen Schränke

Einen neuen Schrank haben die Schüler bereits organisiert, vor das Blaue Haus gestellt und bunt geschmückt. Mit dem gesammelten Obst und Gemüse konnte dieser dann schnell befüllt werden. Ein weiterer Fair-Teiler-Schrank befindet sich mittlerweile auf einem Privatgrundstück an der Straße Im Graben 22 in Singen. „Durch die Teilaktion kann jeder profitieren“, so die Botschafterin, es sei unverständlich wie Menschen ein solches Projekt zerstören können. Man helfe Verkäufern und Privatpersonen bei der Müllentsorgung und teilt das Essen mit Menschen, die es benötigen.

Jeder kann sich etwas aus dem Fair-Teiler nehmen. Man könne auch selbst Lebensmittel dazulegen, die man nicht mehr aufbrauchen kann, sei es im Falle eines Urlaubs oder wenn man sich beim Einkauf überschätzt hat. Hierbei gilt: Es dürfen nur Dinge, die man selbst noch ohne Bedenken verzehren würde dazulegen.

Selbst zum Lebensmittelretter werden

Deutschlandweit retten Foodsharer Lebensmittel vor dem Müll. Mitmachen kann jeder, dazu muss man sich einfach auf der Website registrieren und ein kleines Quiz bestehen. Insgesamt gibt es knapp 25.000 Foodsaver, davon 25 in Konstanz, Radolfzell und Singen. Über die Website kann man Kontakt zu den Mitwirkenden aufnehmen und sich zusammenschließen. „Wir sind nicht subventioniert und wollen, dass kein Geld fließt“, betont Oesterle. Es ginge einzig und allein um das Teilen.

Das Fair-Teiler Prinzip

Fair-Teiler sind Schränke und Kühlschränke, in denen Essen gelagert und geteilt werden können. Sie sind an unterschiedlichen Orten vorzufinden – an privaten Grundstücken oder öffentlichen Plätzen. Jeder kann sich am Fair-Teiler bedienen oder ihn als Foodsaver und Foodsharer selbst befüllen. Es dürfen keine Lebensmittel mit Verbrauchsdatum sowie kein Fisch oder Fleisch in den Schrank gelegt werden. Ein Mindesthaltbarkeitsdatum stellt jedoch auch nach Ablauf des Datums kein Problem dar. Sie sind in ganz Deutschland aufzufinden, die einzelnen Standorte werden auf der auf der Karte der Foodsaver-Website angezeigt.