Singen Sechs Jahre nach Raubüberfall: Irena Büge ist zurück in ihrem Schmuckgeschäft in Singen

Menschenskind: Sechs Jahre nach einem brutalen Raubüberfall auf sie in ihrem Geschäft Schmuck und Galerie an der Ekkehardstraße feiert sie am Mittwoch, 15. November, Wiedereröffnung.

Manche Menschen prüft das Leben schwer. Wenige bestehen solche Prüfungen mit derartiger Kraft, wie die agile Juwelenhändlerin Irena Büge. Innerhalb weniger Jahre hatte sie mehrere Schicksalsschläge zu verkraften. Erst starb ihr Mann und nur wenig später trachtete ein Räuber nach ihrem Leben. Schwer verletzt überstand sie einen Überfall.

Mit einem Schlag änderte sich das Leben von Irena Büge an jenem Heiligabend vor sechs Jahren, als der brutale Räuber die Unternehmerin überfallen und zu Boden geschlagen und sowohl mit einem Messer als auch einem Elektroschocker traktiert hat. Als er sie im Schmuckgeschäft an der Ekkehardstraße zurücklies, dürfte er wohl davon ausgegangen sein, dass sein Opfer tot ist.

Der Vorfall hatte große Aufmerksamkeit in Singen und dem Hegau geweckt und die Suche nach dem Täter hat die Polizei über Monate in Atem gehalten. Erst im Zuge der Ermittlungen zu einer Einbruchserie konnte ein Tatverdächtiger festgenommen werden, der später unter anderem auch wegen des Raubüberfalls verurteilt wurde.

Der Juwelenhändlerin hat der Räuber indes nicht nur Schmuck in für sie unwiederbringlichem Wert gestohlen, sondern auch den unternehmerischen Mut genommen. Zumindest zunächst. "Ich hab' gemerkt, ich bin der Sache nicht mehr gewachsen." Bald nach dem Überfall verpachtete sie das liebevoll eingerichtete Geschäft an der Ekkehardstraße und zog sich zurück. "Die Attacke hat mich gesundheitlich stärker belastet, als ich zu Beginn angenommen hatte", gesteht die gestandene Unternehmerin. Ihre Kopfverletzungen wirkten sich aufs Nervensystem aus und durchzogen den Bewegungsapparat bis hinunter zu den Füßen.

"Ich konnte kaum noch laufen", berichtet sie. Den Lebensmut wollte sich Irena Büge aber nicht nehmen lassen. "Wissen Sie, ich bin Seglerin und daher starke Winde gewohnt." Also sagte sie den Schmerzen den Kampf an und suchte nach Therapien. Die fand sie nicht nur bei Medizinern, sondern nach eigener Aussage auch in den Heilkräften des grünen Kaffees. Dazu kam, dass der zwischenzeitliche Pächter des Ladengeschäfts den Vertrag aus gesundheitlichen Gründen nicht verlängerte. "Das Leben setzt manchmal andere Prioritäten", sagt die aktive Unternehmerin und setzt ihre Schwerpunkte neu. Eines war ihr klar: Ihr Schmuckkästchen soll erhalten bleiben. Zu viel Ideen hat sie mit der Ladeneinrichtung verwirklicht. Einen neuen Pächter fand sie unter diesen Voraussetzungen nicht.

Jetzt eröffnet sie ihr Geschäft selbst wieder. "Und die Resonanz ist überwältigend", berichtet sie. Die alten Kunden seien hocherfreut. Von vielen ihrer ehemaligen Stammkunden sei sie bereits angesprochen worden und schon vor der Wiedereröffnung am heutigen Mittwoch, 15. November, um 15 Uhr bleiben Passanten immer wieder neugierig vor dem Schaufenster stehen, um die Auslage zu begutachten. "Modeschmuck kommt mir nicht ins Sortiment", betont sie. Doch die drastischen Erfahrungen haben sie auch nachdenklich gemacht. Einerseits wird sie die Öffnungszeiten ihres Ladens reduzieren und nur nachmittags öffnen, andererseits ein Sortiment an Designerschmuck in Silber führen, um die Warenwerte im Rahmen zu halten und das Risiko zu begrenzen. Noch einen Überfall mag sie sich nicht vorstellen. Außerdem bietet sie künftig ihr Wundergetränk an. "Weil ich merke, wie wohl es mir getan hat, will ich es anderen auch nicht vorenthalten", macht sie sich für die Produkte von Hajoona stark. Was sie nicht selbst als gut befunden habe, könne sie auch nicht verkaufen.

Bis zu diesem Schritt war es jedoch ein langer Weg für die erfahrene Schmuckhändlerin. Beinahe 50 Jahre ist es her, dass die damals 21-Jährige mit ihrem Mann Jörg Büge die Verantwortung im elterlichen Geschäft übernahm. Seit rund acht Jahren, nach dem Tod ihres Mannes, steht sie alleine da. Aber Irena Büge ist offensichtlich eine starke Frau. "Ich bin jetzt wieder einigermaßen repariert", zeigt sie sich überzeugt. Geholfen hätten ihr nicht nur etliche Operationen, sondern auch das Vitalgetränk, das ihr ihrer Meinung nach die Lebensgeister zurückgebracht hat: "Hauptsache ist, ich bin wieder da."

Der Überfall

Nahezu sechs Jahre ist es jetzt her, dass ein maskierter Mann am 24. Dezember 2011 um kurz nach elf Uhr die Schmuckhändlerin überfallen hat. Er habe sie mit Faustschlägen traktiert und in den hinteren Bereich des Geschäftes gezerrt. Mit dem Messer hat er ihr fünf Kreuze auf die Stirn geritzt, mit einem Kabelbinder versuchte er, sie zu erdrosseln. (sk)

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