In der Haut von Andreas Ernst möchte keiner stecken. Der Architekt aus Stockach-Wahlwies hat erst nach der Erteilung der Baugenehmigung für die Schulerweiterung und den Umbau des Südflügels die Planung und die Abwicklung des Projekts mit Bauleitung übernommen. Bis dahin lag die Planung in den Händen eines anderen Architekturbüros. Dennoch musste Ernst in der Ratssitzung manche seiner Ausführungen kritisch hinterfragen lassen. Denn die von ihm berechneten Kosten für das schon längst laufende Vorhaben überschreiten die Kostenschätzung seines Vorgängers im Jahr 2016 um 730.000 Euro.

Mehr als eineinhalb Stunden versuchten die Räte die nicht allein durch die Brandschutzvorschriften und die Hochkonjunktur erklärbare Kostensteigerung zu verstehen. „Unser Unmut bezieht sich nicht auf Ernst, sondern auf die Planung des vor ihm beauftragten Architekturbüros", machte Gemeinderat Sigmar Schnutenhaus deutlich. Das sah Martin Schneble ebenso: „Wir müssen alle die lausige Planung ausbaden", so ungewohnt heftig der sonst stets vermittelnd auftretende Bürgermeisterstellvertreter.

Architekt Andreas Ernst
Architekt Andreas Ernst

Sein Ratskollege Andreas Wieser, der als Architekt des Feuerwehrgerätehaus-Neubaus aufgrund der Verzögerungen und Kostensteigerungen derzeit selbst starken Gegenwind erlebt, suchte dagegen die Verantwortung auch beim Gremium. Die Schule sei nur eine der Baumaßnahmen, bei der auf der Suche nach Kosteneinsparungen plötzlich die eigenen kommunalpolitischen Entscheidungen gekippt würden, noch während die Maßnahmen ausgeführt werden. „Es soll immer günstig, einfach und auf unterstem Level sein.“

Ähnlich lauteten die Beiträge von Bürgermeister Rupert Metzler, wogegen Schnutenhaus der Verwaltung Versäumnisse zuschob. Während der Haushaltsplanberatung hätten die Räte über eine derartige Verteuerung informiert werden müssen. „Wir haben ein Gesamtpaket geschnürt, aus dem wir nicht mehr rauskommen“, sagte er und, dass unter Umständen andere Vorhaben geschoben werden müssten.

Dagegen sieht Metzler keine Probleme bei der Finanzierung. 2017 habe die Gemeinde Mehreinnahmen und Minderausgaben in Höhe von 800.000 Euro gehabt. Jedes Jahr falle der Jahresabschluss um mindestens 1,5 Millionen Euro besser aus als erwartet. Das Geld wird wohl benötigt werden. In der Kostenberechnung ist laut Ernst keine Luft mehr. Einsparpotential auch nicht. Rund 100.000 Euro billiger käme der Umbau, wenn man in den Klassenräumen die Elektrik auf Putz über den Akustik-Decken verlege und den 60 Jahre alten Bodenbelag beibehalte. Das wollten die Räte dann doch nicht. Mit zwölf Ja-Stimmen bei drei Gegenstimmen gaben sie die Zustimmung zur Kostenrechnung.

 

Was wieviel kostet

Die Kostenrechnung für den Umbau und die Erweiterung der Peter-Thumb-Schule beläuft sich nun auf 4,5 Millionen Euro. Darin inbegriffen sind die Kosten für die Außenanlagen und die Mietcontainer, in die ein Teil des Unterrichts umgelagert wurde. 560.000 Euro des Gesamtbetrags gehen auf die bereits abgeschlossene Einrichtung eines naturwissenschaftlichen Fachraums und die Vergrößerung der Mensa. Umbau und Erweiterung des Südflügels, in dem künftig die Gemeinschaftsschule untergebracht wird, schlagen mit 3,26 Millionen Euro zu Buche. Brandschutzmaßnahmen und energetische Sanierungen verursachen 612.000 Euro Kosten.