Er soll am Bahnhof Wollmatingen einem Mann mit dem Messer gedroht und dessen Handy weggenommen haben, er soll in der Konstanzer Opelstraße einen Mann angegriffen haben, damit ein Mittäter diesem den Gelbeutel mit mehreren hundert Euro rauben konnte, und er soll vor der Konstanzer Diskothek Grey eine junge Frau am Po begrabscht haben. Ein 21-Jähriger, der zeitweise in Stockach lebte und aktuell in Singen wohnt, ist vor dem Jugendschöffengericht des Amtsgerichts Konstanz wegen Raubs, schwerer räuberischer Erpressung, Körperverletzung und sexueller Belästigung angeklagt. Weil er vor Gericht die Vorwürfe abstreitet, lässt der Vorsitzende Richter Franz Klaiber nun einen weiteren Zeugen aus Berlin einfliegen.

Zu dem schon länger zurückliegenden Geschehen von Heiligabend 2016 am Bahnhof Wollmatingen sagte der Angeklagte: Er habe damals lediglich den früheren Freund seiner Freundin aufgefordert, Bilder von der Frau vom Handy zu löschen. Daraufhin habe der Ex-Freund ein Messer gezogen. Der 24-Jährige, um dessen Handy sich die Auseinandersetzung drehte, schilderte vor Gericht den Tatverlauf genau umgekehrt: Demnach sei der Angeklagte mit mehr als fünf Männern im Rücken am Bahnsteig aufgekreuzt, habe ihm mit dem Messer gedroht, sein Handy aus der Hand gerissen, und ihn bei der Folgerangelei am Finger verletzt. Ein Polizist, der nach der Tat mit Streifenkollegen vor Ort war, sagte, auf einem der Sitze am Bahnsteig hätten zwei Handys gelegen. Der Angeklagte habe damals behauptet, beide gehörten ihm.

Zeuge ist ein früherer Arbeitskollege des Angeklagten

Nun soll ein früherer Arbeitskollege des 24-Jährigen als Zeuge geladen werden. Er war am 24. Dezember 2016 mit dem 24-Jährigen auf den Bahnsteig gegangen und hatte schon bei der Polizei zum Tatgeschehen ausgesagt. Mit einer einfachen Verlesung des damaligen Protokolls zeigte sich der Angeklagte aber nicht einverstanden. Der inzwischen in Berlin lebende Mann wird deshalb zum Folgetermin am Mittwoch, 27. Februar, um 15.30 Uhr ans Amtsgericht geladen.

Der 21-Jährige, der sich vor Gericht verantworten muss, hatte erst im Sommer Schlagzeilen gemacht. Es handelt sich um den Mann, dem vorgeworfen wurde, er habe nach der tödlichen Schießerei in der Diskothek Grey das Handy des schwer verletzt am Boden liegenden Täters gestohlen. Eine Geldstrafe hat er zwischenzeitlich beglichen. Auch mit einem Raub an der Opelstraße will der Angeklagte nichts zu tun gehabt haben. Er selbst sei am Bahnhof Wollmatingen geschlagen worden und habe die Polizei gerufen. Ein Polizist bestätigte, zwar ihn angetroffen zu haben, aber keine Täter. Auf dem Revier sei dann aufgefallen, dass die Beschreibung des Räubers von der Opelstraße auf den 21-Jährigen vom Wollmatinger Bahnhof passte. Es habe keinen Anlass gegeben, den Schilderungen des Opfers nicht zu glauben, erklärte ein weiterer Polizist vor Gericht. Der geraubte Geldbeutel sei nahe dem Wollmatinger Bahnhof gelegen. Er habe nur das Geld enthalten, welches das Opfer in einem Nebenfach versteckt hatte.

Grabscher fängt sich eine Ohrfeige ein

Beim dritten Vorwurf zeigte sich jene Frau davon überzeugt, dass der Angeklagte ihr vor einer Diskothek an das Gesäß fasste. Der Angeklagte sei in einer Gruppe Männer an ihr vorbei gegangen und habe zugegriffen, erklärte sie. Sie habe sich umgedreht und ihm eine Ohrfeige verpasst. Kein anderer aus der Gruppe als der Angeklagte sei ihr so nahe gestanden, dass er ihr an den Po hätte fassen können. Die Jugendgerichtshilfe empfahl, lediglich für den Fall aus dem Jahr 2016 das Jugendstrafrecht anzuwenden, weil ihm damals noch die Reife gefehlt habe.