In knapp 900 Metern Höhe werden die Flügelspitzen der vier Windräder des Windenergieparks Chroobach sich vorwiegend nach Südwest und West ausrichten, gut sichtbar von Singen aus und den umliegenden Hegau-Gemeinden. Mit einer Höhe von zirka 200 Metern sollen sich die Windanlagen auf dem knapp 700 Meter hohen Bergrücken erheben, nahe der Chroobach-Hütte. Baubeginn werde frühestens im Jahr 2020 sein, sagt Stefan Mayer, Abteilungsleiter Erneuerbare Energien des Energieversorgungsunternehmens Schaffhauser SH Power. Aktuell wurde der Umweltverträglichkeitsbericht (UVB) erstellt, der im März zur Vorprüfung beim Kanton Schaffhausen eingereicht werde. Im ersten Halbjahr 2018 beschließe, so Stefan Mayer, der Kantonsrat über die Festsetzung der Windkraftanlage im kantonalen Richtplan. Dann müsse noch die Gemeinde Hemishofen über das Chroobach-Projekt abstimmen.

Die geplante Netto-Energieproduktion des gesamten Windparks beträgt zirka 22 Millionen Kilowattstunden im Jahr. Zum Vergleich: Mühleberg, das kleinste Schweizer Atomkraftwerk, produziert jährlich zirka 2,4 Milliarden Kilowattstunden. Es brauche rund 100 Chroobach-Windparks um die Leistung des Atomkraftwerks Mühleberg zu ersetzen.

Bild-3: Projektmitarbeiter erläutern das Windenergie-Projekt 'Chroobach' anhand eines Themen-Parcours den interessierten Besuchern
Bild-3: Projektmitarbeiter erläutern das Windenergie-Projekt 'Chroobach' anhand eines Themen-Parcours den interessierten Besuchern | Bild: Hayo Eckert

Info-Veranstaltung für die Bürger

In einer Informationsveranstaltung zum Chroobach Windenergie-Park orientierten sich zirka 200 Bürger und Bürger sowie Kommunalpolitiker der umliegenden Gemeinden entlang eines Themen-Parcours über den Stand und die zu erwartenden Auswirkungen des Projekts. In Simulationen wurden die Geräuschpegel durch die Windräder für die umliegenden deutschen und Schweizer Gemeinden ermittelt. Gemäß Lärmschutzverordnung liegen die erlaubten Maximalwerte, die nicht überschritten werden dürfen, bei 60 Dezibel am Tag und 50 Dezibel nachts. An den meisten Stellen würden die Grenzwerte um zirka zehn Dezibel unterschritten, sagt Peter Schwer, Projektverantwortlicher für die technische Planung. Pro Windrad-Standort müssten 0,5 Hektar Wald gerodet werden. Weitere Infrastrukturwege durch den Wald seien nicht notwendig, lediglich der Ausbau bestehender Waldwege.

Projektmitarbeiter erläutern das Windenergie-Projekt Chroobach entlang eines Themen-Parcours den interessierten Besucherinnen und Besuchern.
Projektmitarbeiter erläutern das Windenergie-Projekt Chroobach entlang eines Themen-Parcours den interessierten Besucherinnen und Besuchern. | Bild: Hayo Eckert

Das Ergebnis der Artenschutzuntersuchung weise kein Vorkommen bedrohter Tierarten, wie etwa die Waldschnepfe, in dem betroffenen Gebiet aus. Bezüglich der vorkommenden Fledermausarten sei alles im grünen Bereich, gemäß dem Bericht des kantonalen Fledermausbeauftragten. Dass die nachtaktiven Tiere durch den Luftdruck mit den Rotoren kollidieren, soll durch Abschaltung beziehungsweise Geschwindigkeitsreduktion der Windräder minimiert werden. Dies erfolge anhand definierter Kriterien für die Zeiträume des Fledermausflugs, und habe zirka fünf Prozent Minderung der Jahresleistung zur Folge. Das Thema Windenergie sei spannend, sagt Besucher Marcel Nyffenegger aus Feuerthalen. Sein Vater wohnt in Ramsen. Einen Schönheitspreis verdienten die Windräder nicht. „Aber man gewöhnt sich daran“, meint seine Ehefrau.

Das Investitionsvolumen für die Errichtung der Windparks beträgt zirka 30 Millionen Schweizer Franken. Die Unterhaltskosten lägen bei zirka 0,5 Millionen Franken pro Jahr, sagt Stefan Mayer. Das seien Gestehungskosten von 10 Rappen pro Kilowattstunde, gerechnet über den Lebenszyklus der Anlage von 25 Jahren. Ein Pacht- beziehungsweise Baurechtsvertrag mit der Gemeinde Stein am Rhein sei geschlossen. Der Standort läge auf Hemishofer Gemeindegebiet, das Land gehöre jedoch Stein am Rhein. An der mit Sitz in Hemishofen zu gründenden Windpark-Aktiengesellschaft sollen sich vorzugsweise Bürger der im Sichtfeld der Windräder liegenden Gemeinden beteiligen können, so Mayer. Das Beteiligungskonzept ist noch nicht endgültig ausgearbeitet.

Auf deutscher Seite drehen sich die Windräder bei Verenafohren.
Auf deutscher Seite drehen sich die Windräder bei Verenafohren. | Bild: 'SK

 

Der Energiemix

Bis zum Jahr 2035 wollen die Elektrizitätswerke des Kantons Schaffhausen (EKS) rund 28 Prozent des Energiebedarfs durch erneuerbare Energien decken, zehn Prozent davon durch Windenergie. Die Hälfte würde das Chroobach-Projekt abdecken. Den außerkantonalen Bezug, vorwiegend von Atom- und fossiler Energie, möchte die EKS bis zum Jahr 2035 von derzeit 53 Prozent auf 22 Prozent senken.