Der Hegau-Geschichtsverein und das Katholische Bildungszentrum Singen hatten zum Symposium eingeladen. Kalendarisch passend beleuchteten die Referenten Jörg Lichtenberg, Theologe und Leiter der Gesamtkirchengemeinde Singen, sowie Werner Mezger, Professor für Kulturanthropologie und Europäische Ethnologie an der Universität Freiburg, Leben und Werk von Martin von Tours, besser bekannt als Sankt Martin.

Mantelteiler hoch zu Ross

Als vorherrschendes Bild in den meisten Köpfen kommt Sankt Martin als Mantelteiler hoch zu Ross daher. Der 11. November wird als Brauchtum mit Laternenumzügen, Martinsritt, Märkten, Fastnachtsbeginn und Feuern gefeiert. Die beiden Referenten erklärten, dass es sich lohne, etwas tiefer in Leben und Werk des Heiligen einzutauchen, um seine bis in die heutige Zeit strahlende Bedeutung wahrzunehmen.

Jörg Lichtenberg machte die Anwesenden in seinem Vortrag mit Lebensdaten, geschichtlichen Geschehnissen und Martin von Tours Lebenswerk in seinem Verständnis des Christentums bekannt. Sankt Martin stand gegen den Klerus und für eine eher einfache Lebensweise, gründete außerhalb der Stadtmauern Ligugé, das erste Kloster des Abendlandes, und trat als Vermittler für Andersdenkende ein. Ein bedeutendes Ereignis war die Gründung von Pfarreien auf dem Land, quasi als Aufweichung der zentralen bischöflichen Gewalt. Gemeinschaft und Verständigung verschiedener Menschen war Martin von Tour wichtig. Seine gute Vernetzung bildete dafür die Grundlage und steht heute nicht zuletzt für „Kirche in Bewegung“ sowie eine „vernetzte Weltkirche“.

Ein Modell der Hoffnung für Europa

Damit ist die Aktualität beschrieben, die uns heute mit Sankt Martin verbindet. Darauf ging Referent Werner Mezger in seinen Erläuterungen zum Brauchtum ein – Bräuche als Erinnerungsspeicher, die entgegen ihrer Ursprünglichkeit im Laufe der Zeit oft abgewandelt würden. Sankt Martins Gedächtnis bleibt als Anliegen für Nächstenliebe, Toleranz und Verständigung – ein Modell der Hoffnung für die Zukunft Europas.