Wer die Schalterhalle der Sparkasse Hegau-Bodensee in der Erzbergerstraße 2a betritt, kann dort noch bis zum 17. Mai ganz besondere Exponate hinter Glas bewundern, die ein Stück deutsche Geschichte und insbesondere Regional- und Lokalgeschichte wiedergeben.

Ein Beispiel von vielen ist etwa eine Karte aus dem Jahr 1923 der Automobilwerke Martin Hildebrand aus Singen am Hohentwiel, die bei der Lederfabrik Schleyer in Reutlingen Riemen bestellt. Dieses Exponat stammt von Michel Bandel, dem Vorsitzenden des Briefmarken- und Münzsammelvereins Singen, der dann darüber aufklärt, dass man tatsächlich in Singen Automobile produziert habe, von denen drei Modelle auf der Berliner Automobilausstellung 1924 gezeigt worden seien.

Geburtsstunde 1919 im Hotel Zentral

In seiner Ansprche bezeichnete Michael Bandel die Sammler als glückliche Menschen, die ihrem Hobby mit Leidenschaft frönten, denn bei jedem schönen, frisch ergatterten Beleg schlage ihr Herz höher. Er erinnerte dann daran, dass im Jahr 1919 im damaligen Hotel Zentral – keine hundert Meter Luftlinie vom Ausstellungsort entfernt – der Verein gegründet worden sei.

Im Namen der Sparkasse Hegau-Bodensee begrüßte Regional-Bereichsleiter Stefan Goldberg die Gäste und betonte das Spannungsmoment der Ausstellung, in dem Heute und Gestern nur wenige Schritte auseinander seien. Denn im Foyer befinde sich die digitale Filiale der Sparkasse, welche die analoge Papierwelt immer mehr ersetze.

Zeugen aus 100 Jahren Geschichte

Das 100. Jubiläum ihres Vereins nahmen einige der fünfzig Mitglieder zum Anlass, einen Teil ihrer wohlgehüteten Schätze der Öffentlichkeit zu präsentieren. Wie etwa Berthold Kiener, der sich auf Bezugsscheine und Bezugsmarken spezialisiert hat, wobei Reisebrotmarken aus dem Ersten Weltkrieg und Gasthaus-Kartoffelmarken aus der Besatzungszeit nach 1945 sowie Bezugsscheine für Stallhasen und Gänse zu bewundern sind.

Mitten in der Moderne ist Norbert Amrein mit seinem Sammelgebiet, denn er trägt Belege der privaten Postzustellfirma Arriva zusammen, die erst im Jahr 2000 gegründet wurde, nachdem im Jahr 1997, wie er erzählte, per Postgesetz dieser bis dahin staatlich monopolisierte Dienstleistungssektor für private Anbieter freigegeben worden sei.

Illustre Gäste bei Eröffnung

Zu den illustren Gästen der Ausstellungseröffnung zählte neben den Sammlern und Interessierten auch Heinrich Lenz, der Gründer von Briefmarken Lenz, der nach wie vor eng mit der Sammlerszene verwoben ist. Dessen Sohn Axel leitet inzwischen das Familien-Unternehmen, das aufgrund seiner viel beachteten Auktionen auch internationales Renommee genießt.