Es gibt nicht viele Dinge, die Menschen, die nicht dieselbe Sprache sprechen oder aus unterschiedlichen Kulturkreisen kommen, ungehindert miteinander teilen können. Zwar kann man sich mit der Zeit vieles aneignen, der unmittelbare Kontakt gestaltet sich aber oftmals schwierig. Der internationale Chor unter Leitung von Melinda Liebermann sollte in den vergangenen Monaten Brücken bauen. Nun wird zum Abschiedskonzert am heutigen Samstag, 5. Mai, 18 Uhr, ins Singener Autohaus Bach eingeladen. Der seit November 2015 bestehende Chor, in dem Deutsche und Flüchtlinge gemeinsam singen, hat hier seinen letzten Auftritt, bevor er mangels Teilnehmern aufgelöst werden soll.

Anfangs seien zwischen 70 und 160 Menschen verschiedener Nationen zur wöchentlichen Chorprobe gekommen, inzwischen habe sich die Zahl deutlich reduziert, erklärt Melinda Liebermann. Dies liege vor allem an der veränderten Situation der Flüchtlinge, da etliche von ihnen jetzt eine Arbeitsstelle gefunden hätten und auch nicht mehr in Gemeinschaftsunterkünften leben würden, sagt sie.

Der Chor sei für alle Beteiligten in den vergangenen zweieinhalb Jahren sehr wertvoll gewesen, weiß die Chorleiterin aus Gesprächen. "Es war eine fröhliche Atmosphäre, und wir hatten eine gute Gemeinschaft – alle haben es sehr genossen", sagt sie. Mit insgesamt sieben Konzerten, zum Beispiel beim Stadtfest, in der Gems, im MAC Museum Art & Cars oder auch beim Erntedankfest der AWO, habe der Chor viel Präsenz in der Stadt gezeigt, betont die Chorleiterin.

Das Chorprojekt wurde von Monika Fander, Leiterin des Bildungszentrums, und der Singener Flüchtlingsbeauftragten Shirin Burkart initiiert, um Menschen aus verschiedenen Kulturen mit Hilfe von Musik zusammenzubringen und den Kontakt zwischen Flüchtlingen und Deutschen zu fördern. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. Von Beginn an sei der Zuspruch groß gewesen, sagt Melinda Liebermann. "Es war eine schöne Zeit, in der viele Freundschaften geschlossen wurden", betont sie.

Das heutige Konzert soll ein würdiger Abschluss des Projekts sein. Auf dem Programm stehen Lieder über Freundschaft, Frieden und Toleranz, die in deutscher, englischer und einer afrikanischer Sprache gesungen werden. Musikalisch begleitet wird der Chor von Norbert Schafheutle (Klavier) und Frederick Fritzsche (Gitarre). Mitgestaltet wird das Konzert vom Kirchenchor Honstetten. Beide Chöre werden nach separaten Auftritten auch gemeinsam zu hören sein. Der Eintritt ist frei.

Lieder als Brücken

Als Projekt des Bildungszentrums Singen startete der erste internationale Chor in Singen unter dem Motto "Songs are like bridges" (Lieder sind wie Brücken). Mit Hilfe von Musik sollten Menschen verschiedener Kulturen zusammenkommen. Anlass war die Situation der damals 290 Flüchtlinge, die in Singen Zuflucht fanden. Es sei nicht darum gegangen, einen reinen Flüchtlingschor zu gründen, erläuterte Initiatorin Monika Fander, Leiterin des Bildungszentrums, damals: "Wir möchten die ganze Bandbreite der Singener Bürger abbilden, und da gehören natürlich auch die Flüchtlinge dazu." Egal, ob deutsch, türkisch, syrisch oder gambisch – jeder war willkommen. (sk)