Singen SPD auf der Suche nach dem Volk

Stefan Dierking übernimmt den Vereinsvorsitz in Singen. Der Ortsverein sucht Mitstreiter für Kommunalwahl im Frühjahr 2019. Bei der Hauptversammlung gab es eine lebhafte Debatte über konkrete Parteiziele

Wenn man im Naturfreundehaus bei der Hauptversammlung der Singener SPD in die Runde schaut, so drängt sich der Eindruck auf, dass der Volkspartei das Volk abhanden gekommen ist. Von den 106 Mitgliedern sind an diesem Abend gerade mal 21 erschienen. Am Ende werden fast alle ein Amt im Ortsverein bekleiden. Die meisten von ihnen sind ohnehin schon in vielerlei Hinsicht als treue Genossen engagiert.

Zwei relativ neue Mitglieder erklären, warum sie nach der Wahlschlappe der SPD bei der Bundestagswahl dem Ortsverein beigetreten sind. Sie wollten nicht zuschauen, wie die AfD mit ihrem rechtspopulistischen Protest Land gewinne, sagen Aram Bani und Berthold Jörke sinngemäß übereinstimmend. Doch wie auf Bundesebene, geht es auch im Ortsverein nicht ganz ohne Selbstzerfleischung. "Die Zukunftsvisionen fehlen uns", kritisiert Markus Sonnenschein und stellt als Pflegevater gleich mal den Antrag auf vollkommen gebührenfreie Kindertagesstätten. Dem müsse ein Systemswechsel vorangehen, stellt die Vorsitzende der SPD-Gemeinderatsfraktion Regina Brütsch fest. Auch Hans-Peter Storz unterstützt als ehemaliger Landtagsabgeordneter mit Spezialgebiet Bildung diesen Antrag. Seine Begründung: "Der Bildungserfolg darf nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängen." Am Ende werden bis auf Claudia Weber alle anwesenden Genossen diesem Antrag zustimmen. Es ist nun Aufgabe des neuen Vorstandes, ihn an die Landes- und Bundesebene weiterzureichen.

Stefan Dierking ist der neue Ortsvereinsvorsitzende der Singener SPD. Bild: gtr
Stefan Dierking ist der neue Ortsvereinsvorsitzende der Singener SPD. Bild: gtr | Bild: Gtr

Acht Jahre hat Carmen Haberland den Singener SPD-Ortsverein als Vorsitzende angeführt. Jetzt wollte sie nicht erneut für das Amt kandidieren, sondern übernahm die Rolle der Schriftführerin. Dafür stellte sich Stefan Dierking als Vorsitzender zur Verfügung. Hochmotiviert will der Familienvater und begeisterte Narr (beim Tiroler Eck) künftige Herausforderungen angehen.

Mit dem 125-jährigen Vereinsjubiläum am 8. November im Bürgersaal wollen die Genossen sich wieder zurück ins Bewusstsein der Singener Gesellschaft arbeiten. Ein Polit-Kabarett oder öffentlichkeitswirksame Fest sowie Diskussionen zu den wichtigsten Singener Themen schwebt ihnen vor.

Eine Herkulesaufgabe werde gewiss die Kandidatensuche für die Kommunalwahl im Frühjahr 2019 werden. "Wenn wir jetzt nicht mit dem Wahlkampf anfangen, haben wir schon verloren", gibt sich auch der Arzt Aram Bani kämpferisch. Claudia Weber schlägt vor, eine aufsuchende Parteiarbeit zu betreiben und gezielt in die Gruppen und Verbände zu gehen, zum Beispiel in die Bevölkerungsgruppe der deutsch-russischen Aussiedler.

Was die SPD in der Stadt bewegt hat, kann die Chefin der Gemeinderatsfraktion, Regina Brütsch, am besten vermitteln. An der Genehmigung der zahlreichen Baustellen in der Stadt habe die SPD mitgewirkt, indem sie Gestaltungsvorschläge gemacht habe. Derzeit entstünden zwar sehr viele Wohnungen, bezahlbare Mietwohnungen blieben aber auch in Zukunft noch rar. Mit dem Abriss des Conti-Hochhauses werde sogar günstiger Wohnraum vernichtet, kritisierte Brütsch. Große Engpässe sieht sie für die Zukunft in Schulen und Kindertageseinrichtungen. Auch Regina Brütsch forderte die Mitglieder zum Engagement auf: "Wenn wir als Sozialdemokraten in Singen präsent sein wollen, müssen wir alle ran, auch in Bezirken, in denen die AfD stark ist."

Walafried Schrott wollte nicht in der Kritik verharren. Er verwies auf die Erfolge: "Wir können stolz darauf sein, dass wir auf dem Kunsthallenareal innenstadtnahe Mietwohnungen bekommen", sagte er. "Das haben wir erreicht. Auch auf dem Scheffelareal können wir einiges erreichen." Um auch künftig etwas zu erreichen brauche die SPD eine gute Liste für die Kommunalwahl.

Der neue SPD-Vorstand

Die Genossenen des Ortsvereins Singen haben einen neuen Vorstand: Erster Vorsitzender ist Stefan Dierking. Als zweiter Vorsitzender wurde Hans-Peter Storz erneut gewählt. Carmen Haberland hat die Funktion der Schriftführerin übernommen. Günter Wörner ist nach längerer Unterbrechung wieder Kassier. Rolf Wagner und Monika Leible-Karcher sind Kassenprüfer. Beisitzer sind: Gabi Eckert, Fabian Fink, Klaus Hügle, Rita Jeske-Pless, Berthold Jörke, Stefan Krings, Rolf Naudascher, Walafried Schrott, Nicolas Schlegel und Markus Sonnenschein.

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