Die Neu-Böhringer seien schon zur Gründung des Vereins 1905 ein besonderes Volk gewesen: "Aufmüpfig und selbstbewusst bis zum Größenwahn", hielt Bürgermeisterin Ulrike Wiese nicht hinter dem Berg. Dafür steht auch das nachgeholte Jubiläum 111+1, zu dem sie beim VIP-Empfang auf der Empore der Scheffelhalle Narrenprominenz aus dem ganzen Hegau begrüßte. Mit 112 Jahren auf dem Buckel der schwarzen Katze habe der Verein Stadtgeschichte geschrieben.

Oberbürgermeister Bernd Häusler mit der Bürgermeisterin Ulrike Wiese vom Narrenverein Neu-Böhringen. Bevor sie den Scheck einlösen können, müssen die Narren eine komplizierte Rechen-Formel lösen.
Oberbürgermeister Bernd Häusler mit der Bürgermeisterin Ulrike Wiese vom Narrenverein Neu-Böhringen. Bevor sie den Scheck einlösen können, müssen die Narren eine komplizierte Rechen-Formel lösen. | Bild: Christel Rossner

"Sehr kritisch gegenüber der politischen Obrigkeit der Stadt, waren wir damals unzufrieden mit den Zuständen in der Südstadt und stellten die Opposition mit der Gründung des Vereins in der Oststadt als Stadtteil Neu-Böhringen mit eigenem Bürgermeister", so Wiese. Der Verein sei heute nicht mehr der rebellischer Haufen von 1905; aber die Interessen hätten sich nicht verändert.

Die Gebrüder Hannes und Peter Bliestle vom Tiroler Eck gaben musikalisch einen Rückblick des Vereins, der als zweitältester Singener Narrenverein zwei Narrenvereinigungen angehörte: Der "Versina" für Singener Vereine und seit 1977 der Narrenvereinigung Hegau-Bodensee.
 

Die Brüder Hannes und Peter Bliestle gaben den Neu-Böhringern in der Scheffelhalle ein Ständchen.
Die Brüder Hannes und Peter Bliestle gaben den Neu-Böhringern in der Scheffelhalle ein Ständchen. | Bild: Christel Rossner

Für OB Bernd Häusler waren die Südstädter immer etwas rebellisch. Die Stadt habe davon profitiert und heute mit Ute Seifried auch eine Bürgermeisterin. Und das am festen Standort im Rathaus, wogegen die Neu-Böhringer eine Suche nach einer Heimat hinnehmen mussten.

In der Urkunde der Stadt zum Jubiläum ist närrisch festgehalten, dass der Stadtteil "Neu-Böhringen" zur selbständigen, unabhängigen Gemeinde ausgerufen wird und die Fischereirechte im Naturschutzgebiet Seewadel in einem ewigen Privileg verankert werden. Sein Jubiläumsscheck wird den Verein mathematisch herausfordern: Die Summe ist in einer langen Formelkolonne dargestellt, die aufgelöst werden muss, um den Betrag zu erhalten.

Für Rainer Hespeler, Präsident der Hegau-Bodensee Narrenvereinigung, haben die Neu-Böhringer ihr Jubiläum 2016 verpennt. Aber sie seien eine emanzipierte Zunft: "Alle Bürger entscheiden selbst, ob sie in Männer- oder Frauenkleidung auftreten. Das ist die Offenheit einer Weltstadt", so Hespeler. 21 Zunftmeisterinnen gebe es in der Vereinigung. Sie stünden den Männern in nichts nach, sagte er mit Blick auf Bürgermeisterin Ulrike Wiese.

Zum Gratulieren kamen Landrat Frank Hämmerle und Oberhäupter befreundeter Zünfte. Darunter Zunftmeister Roland Schoch vom Patenverein Burg Rosenegg aus Rielasingen, der die Aufnahme der Neu-Böhringer in die Hegau-Bodensee Narrenvereinigung eintrat. Musikalisch gratulierte die Poppele-Zunft mit Stephan Glunk und einem neubesetzten Chor.

Unter die Gratulanten hatten sich auch Guggenmusiken gemischt. Die Hohentwiel-Burgteufel sorgten mächtig für Stimmung in der Scheffelhalle.
Unter die Gratulanten hatten sich auch Guggenmusiken gemischt. Die Hohentwiel-Burgteufel sorgten mächtig für Stimmung in der Scheffelhalle. | Bild: Christel Rossner

Ganz schön alefänzig

Weil die Fasnacht 2016 so kurz war, verschob der Narrenverein Neu-Böhringen sein Jubiläum auf dieses Jahr, machte daraus 111+1 und feierte sein 112. Jubiläum. Der vorangegangenen Vereins-Ausstellung folgte am Wochenende ein VIP-Empfang mit anschließendem Fun-Abend. Nach der Zunftmeistertagung fanden die Feierlichkeiten am Samstagabend in der Scheffelhalle mit einem närrischen Programm ihren Ausklang. (ros)