Vor dem Landgericht Konstanz wird derzeit über einen bewaffneten Raubüberfall verhandelt, der sich kurz vor Weihnachten in Singen zugetragen hatte. Drei Männer aus dem Kreis Sigmaringen und einer aus dem Thurgau müssen sich verantworten: Sie sollen bei einem fingierten Autokauf versucht haben, ein Brüderpaar aus dem Raum Biberach auszurauben.

Folgendes soll sich laut den Aussagen vor Gericht zugetragen haben: Die beiden Brüder fuhren mit ihrem BMW kurz vor Weihnachten nach Singen, wo ihnen ein Fahrzeug zum Preis von 21 000 Euro verkauft werden sollte. Begleitet wurden sie von einem 24-jährigen Bekannten, der sie auf das Inserat einer Internet-Plattform aufmerksam gemacht hatte. Angeblich wollte er sie beim Kauf beraten – tatsächlich war er einer der Täter, die den Raubüberfall geplant hatten.

Der 24-Jährige hatte das Fahrzeug als Lockvogel zum Schein angeboten, angeblich auf Anregung eines Mittäters aus der Schweiz. Zusammen mit den Männern aus Biberach wartete er vor dem Überfall, bis die Mittäter eintrafen. Während ein 29-jähriger Täter in seinem versteckt abgestellten Opel Corsa wartete, stürmten die anderen beiden mit Nikolausmützen und Schals vermummten Männer zum Auto, rissen die Tür auf und gaben eine Ladung Pfefferspray ab, die auch ihren Kumpel traf.

Mit Soft-Air-Waffe am Kopf

Die Angreifer sollen ein 28-Jähriger aus der Schweiz und ein 25-jähriger Mittäter gewesen sein. Einer von ihnen löste ein Elektroschockgerät aus, welches aber niemanden verletzte, und hielt einem der Brüder eine Soft-Air-Waffe an den Kopf mit den Worten „Kohle her“. Als die Tatopfer die Polizei rufen wollten, wurde ihnen das Handy entrissen. Sie bemerkten aber, dass es sich nicht um eine Schusswaffe handelte. Deshalb behaupteten sie, das Geld befinde sich im Wagen von Freunden, die jeden Moment eintreffen würden.

Nach einem Gerangel geben die Täter auf

Es gab ein Gerangel, in dessen Verlauf die Scheibe der Beifahrertür zu Bruch ging. Dann fiel einem Täter das Magazin aus der Pistole, sodass die beiden „Nikoläuse“ aufgaben und sich in der Nähe versteckten. Ihr Fahrer, der sie und das Geld wegbringen sollte, wartete vergeblich. Plötzlich sei einer der Brüder auf ihn zu gerannt und habe ihn aufgefordert die Polizei zu rufen, berichtete er vor Gericht. Das tat er dann tatsächlich.

Als die Polizei eintraf, sei er weggefahren, berichtete er freimütig. Er fühlte sich nicht als Mittäter. Erst auf der Fahrt nach Singen habe er erfahren, was geplant war, behauptete er.

„Halt einfach Blödsinn“, sagt einer der Angeklagten

Die vier Männer, deren Tat für das Gericht mehr jugendtypischen Charakter hat, sind berufstätig, sozial eingebunden, zum Teil sogar Väter. Auf die Frage des Gerichts, warum sie sich zu so einer Tat hätten hinreißen lassen, meinten sie: „Einfach nicht nachgedacht“ oder „Halt einfach Blödsinn“. Das Urteil soll am Freitag verkündet werden.