Singen Randalierer provozieren am Rande der Fasnacht bis zur Platzräumung

Polizeibekannte Streithähne stören den Frieden auf dem Singener Hohgarten. Polizei hat alle Hände voll zu tun mit Auseinandersetzungen auf dem Rathausplatz

Solche Eskalationen wünscht sich kein Veranstalter. Wie schon berichtet, musste die Polizei am Samstag um 21 Uhr den Singener Rathausplatz und das angrenzende Gelände räumen, weil Streitigkeiten über Stunden immer wieder aufkeimten und auch von mehreren Polizeistreifen nicht beruhigt werden konnten. Da war die eigentliche Veranstaltung längst vorbei. Wie und warum die Aggressionen so hochkochten, ist nachträglich schwer nachzuvollziehen. Schnell verbreitete sich das Gerücht, wonach ein Polizist von einer 15-Jährigen lebensgefährlich mit einem Messer verletzt worden sein soll. Doch das entpuppte sich als Falschmeldung. "Zwar wurde ein Beamter leicht verletzt, als bei einer von vier Festnahmen Widerstand geleistet wurde", sagt Polizeisprecher Bernd Schmidt. "Einen durch Messerstiche verletzten Beamten haben wir aber nicht."

Fröhlich und farbenfroh zog sich der große Fasnetsumzug am Samstag um 14.15 Uhr vom Rathausplatz durch die Singener Innenstadt. Dass bereits um 15.45 Uhr ein 16-Jähriger gegen ein in der Schmiedstraße abgestelltes Polizeiauto urinierte und das Auto bespuckt wurde, während die Beamten als Fußstreife unterwegs waren, bekamen wohl nur wenige Umzugsbesucher mit. Der junge Mann wurde kontrolliert und erhielt einen Platzverweis. Das war der eher harmlose Auftakt.

Was danach folgte, hielt die Polizisten auf Trab. Um 17.30 Uhr fanden die Beamten eine junge Frau mit blutender Nase, die von einem laut Polizei namentlich bekannten Mann aus unklarer Ursache geschlagen wurde. Mehrere Streifen mussten nach 19 Uhr zum Hohgarten ausrücken, nachdem es dort innerhalb kurzer Zeit zu massiven Schlägereien gekommen war. Vor den Augen der Polizisten schlug ein 15-Jähriger einem unbekannten Jugendlichen mit der Faust in das Gesicht. Die Einsatzkräfte überwältigten ihn. Der 15-Jährige schlug seinen Kopf selbst mehrfach auf den Boden und verletzte sich. Er wurde ambulant versorgt, zur Wache gebracht und einem Angehörigen übergeben.

Eine halbe Stunde später verletzte ein 26-Jähriger einen 31-Jährigen durch einen Faustschlag ins Gesicht. Der Tatverdächtige musste bei seiner Festnahme gefesselt werden, weil er sich massiv wehrte. Weitere Streithähne (ein 23-Jähriger, ein 31-jähriger Bruder des Tatverdächtigen, ein 18-Jähriger) kamen nach und nach dazu und beteiligten sich höchst aggressiv an den Auseinandersetzungen. Während der Einsätze wurden die Beamten von Umstehenden angepöbelt und provoziert. In einem Fall half nur noch Pfefferspray.

Der Leiter der städtischen Kriminalprävention Marcel DaRin betrachtet die Eskalationen am Rande der Fasnacht mit Sorge. "Wenn sehr viel Alkohol im Spiel ist, kommt es dazu", sagt er. Mit der Zunft habe das nichts zu tun.

Die Bilanz der Polizei

Dass ein ganzer Platz geräumt werden muss, ist in Singen die Ausnahme. Am Samstag zogen Polizeibeamte diese Notbremse. Vier Beteiligte wurden in Gewahrsam genommen, einer vorläufig festgenommen. Mehrer Körperverletzungsdelikte, eine versuchte Gefangenenbefreiung und zwei Widerstandshandlungen gegen Polizeibeamte werden angezeigt. (gtr)

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