Der Deutsche Kurzfilmpreis ist wieder auf Tour. In Singen machte die „Kurz.Film.Tour“ kürzlich auf Einladung des Kommunalen Kinos Weitwinkel Station. Sechs Filme waren zu sehen, darunter auch der preisgekrönte Kurzfilm „Rå“ und dabei war auch die Regisseurin Sophia Bösch, die extra aus Berlin zum Filmgespräch angereist war.

„Rå“ hatte 2018 auf der Berlinale Premiere, und im November desselben Jahres gewann Sophia Bösch mit dem Film den Deutschen Kurzfilmpreis in Gold für Spielfilme von mehr als zehn bis 30 Minuten Länge. Damit hatte sie eigentlich nicht gerechnet, denn der Film, der in Schweden in Schwedisch mit deutschen Untertiteln gedreht wurde, schien ihr nicht deutsch genug zu sein, wie sie kurz nach der Preisverleihung in einem Interview verriet.

Großes Lob von der Kurzfilmpreis-Jury

Um zeitlose und aktuelle Themen gehe es in „Rå“, um das Verhältnis von Vater und Tochter, eine Geschichte vom Erwachsenwerden der 16-jährigen Linn, die ihren ganz eigenen Weg geht, so ein Teil der Begründung der Jury. Der Regisseurin und ihrem Team sei ein emotional bewegender Film gelungen. Es ist eine „Coming-of-Age“ Geschichte, eine Geschichte vom Erwachsenwerden.

Und warum gerade in Schweden? Das interessierte auch die Zuschauer im Weitwinkel-Kino im Kulturzentrum Gems. „Ich habe Verwandte dort in Nordschweden, wo wir gedreht haben“, erzählte Sophia Bösch im Filmgespräch, moderiert von Peter Link vom Weitwinkel-Kino.

Sophia Bösch im Filmgespräch mit Peter Link vom Kommunalen Kino Weitwinkel.
Sophia Bösch im Filmgespräch mit Peter Link vom Kommunalen Kino Weitwinkel.

Sophia Bösch, Jahrgang 1987, ist in Winterthur geboren und aufgewachsen, hat eine Schweizer Mutter und ihr Vater ist halb Deutscher, halb Schwede. Somit hat sie von je her eine große Bindung nach Schweden, wo sie schon früher oft die Ferien bei ihren Großeltern verbracht hat.

Worum es in ihrem 30-minütigen Film „Rå“ geht: Linn darf zum ersten Mal mit ihrem Vater und dessen Jagdkollegen auf die Elchjagd. Sie trifft gleich quasi „ins Schwarze“, allerdings ist es eine Elchkuh und die Regel besagt, dass dann zuvor auch das Kalb getötet werden muss. So weit, so tragisch. Die Männer wollen das Kalb suchen, doch auch Linn macht sich in der einbrechenden Dunkelheit auf den Weg, es zu finden.

Was die Elchjagd in Schweden bedeutet

„Die Jagdkultur ist in Schweden anders als in Deutschland, es ist kein Sport, sondern dient vielmehr den essentiellen Bedürfnissen, das Fleisch zu essen“, so Bösch. Den Filmtitel „Rå“ hat sie bewusst nicht übersetzen lassen, denn das Wort habe vielschichtige Bedeutungen wie rauh, über etwas herrschen und auch ein weiblicher Waldgeist aus der nordischen Mythologie werde so genannt, der weder gut noch böse ist.

Gedreht wurde der Film in nur drei Wochen, allerdings im Oktober/November, wenn ein Tag in Nordschweden schon recht kurz ist. Am letzten Drehtag habe es geschneit und man habe den Schnee am Höhlenausgang wegfegen müssen, so Bösch. „Mir ging es bei dem Film auch um die Rolle einer jungen Frau in einer Männergesellschaft.“

Eine 16-Jährige und die Männergesellschaft

Die 16-jährige Schauspielerin Sofia Aspholm hatte keinerlei schauspielerische Erfahrung und ebenso wenig Erfahrung mit der Jagd. Auch die Suche nach dem Hauptdarsteller für die Rolle des Vaters von Linn war nicht ganz einfach. Dass Lennart Jähkel, ein in Schweden bekannter Schauspieler, sie dann doch übernommen hat, sei ein Glücksfall gewesen.

Da Sophia Bösch an der Filmuniversität Babelsberg in Potsdam ihr Bachelorstudium absolviert hat und nun im Masterstudium Spielfilmregie ist, hätte sie den Film eigentlich auch in Deutschland drehen sollen, da er auch ihre Bachelor-Abschlussarbeit war.

Auch das Filmgeschäft ist eine Männerdomäne

Die Finanzierung war somit besonders schwierig, denn Gelder von Deutschen Produktionsfirmen gab es nicht. „Aber ich wollte den Film unbedingt in Schweden drehen“, so Sophia Bösch. Ihr nächstes Projekt, ein Langfilm, wird wieder in einem Wald spielen.

Deutlich wurde im Gespräch aber auch, dass es im Filmgeschäft für Frauen nicht einfach ist. Während des Studiums sei der Anteil Frauen und Männer etwa gleich, doch später im Berufsleben würden die Männer dominieren, sagte Bösch. Hier gebe es noch viel zu tun.