Singen Prachtkonzert mit Romantik

Ein junges, schon mit dem „Echo“-Preis gewürdigtes Kammerorchester, das DO-GMA Chamber Orchestra, eigentlich ein Nonett bot Spannung, Vergnügen, Kostbarkeiten des Klanges: Sieben Stehstreicher, zwei Sitzcellisten balancierten ohne Schwankungsgefahr auf dem Grenzrain zwischen Kammer- und Orchestermusik, zwischen emotionsstarkem Spiel und formaler Deutlichkeit, sogar zwischen E- und U-Musik.

Denn das Ernste erlebte der gut, wenn auch nicht randvoll besetzte Saal in russischem Schwermutsmoll, das Unterhaltsame in englischem Zupfpresto, und in der ersten Zugabe gab's sogar noch eine jazzhaltige Komposition mit Bachschem Auftakt-Pralltriller vom Primarius- und Chefgeiger Mikhail Gurewitsch. Was alle Neune auszeichnet, ist die lichte und durchsichtige Mischung von Solokunst und Akkordarbeit, von Einzelausdruck und Kollektivfortissimo. Dazu gaben alle Werke reichlich Gelegenheiten – und die wurden mit hohen Kunstsinn und allem technischen Vermögen gespielt.

Amerikanischer Rhythmus

Kaum bekannt ist der Komponist aus Massachusetts Arthur William Foote, der amerikanische Rhythmen und melodische Motive mit europäischer Harmonie- und Stilkunst verband. Seine 1906 entstandene E-Dur-Suite war eine überraschende und rundum erfreuliche Begegnung, die mit Temperament, Klangfarbigkeit und durchaus romantisch reicher Dynamik aus der Neuen in die Alte Welt überbracht wurde. Wunderbar weich kam das erste Thema, ein bisschen Siegfried-Idyll klang melodisch nach (Foote war bekennender Wagnerianer), ja in der Mitte des zweiten Satzes schien Tristan nach Boston ausgewandert und in eine harmonisch üppiges Erinnerungs-Nocturno vertieft zu sein. Das Foote-Finale wurde zum Barockfest mit Fuge, Concerto-Schwung und einer prächtigen Doppelgriff- und Fortissimocoda des orchestral vereinten Nonetts.Zwanzig Jahre jünger: Brittens „Simple Symphony“, die genau als das gespielt wurde, was sie ist, als Suite mit Bravour und englischem Humor. Nach kräftiger Quarten-Attacke tanzte die wilde „Bourrée“ durch alle Instrumente. Der Pizzicato-Satz riss alle Tonarten von ppp bis fff von den Saiten, synchrone Virtuosität! Dagegen bot die „sentimentale Sarabande“ Gefühle mit schwebendem Vibrato und langem Legato, bevor das furios-fröhlichen Finale mit rhythmischer Heftig- und Deftigkeit erfrischte. Das reichste, längste und ausdrucksweitestes Opus des Abends: Tschaikowskys 1890 komponiertes Sextett „Souvenir de Florence“.

Kontrabass und zwei Violinen füllten das Sextett auf, Solo- und Orchestermomente erreichten dezente Kontraste: Das Adagio-Duett (Violine,Cello) hatte die lyrische Köstlichkeit einer Donizetti-Serenade in Petersburger Salonkostümen. Das Bratschenlied im Allegretto tönte so slawisch wie das erste Finalthema. Aber das Schluss-Allegro enthielt wieder Musen-Mitbringsel aus der Toscana. Ein Prachtkonzert mit Romantik, die in keinem Takt schwül, klebrig oder seelenschmalzig war, dafür dynamisch, farbenreich und mitreißend. So kann auch die Tonart des langen Beifalls beschrieben werden. (se)

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