Am Ende seines sechsstündigen Programms in der Reitanlage zur Dornermühle ist der Pferdetrainer und Horseman Bernd Hackl von vielen weiblichen Fans umringt, schreibt gut gelaunt Autogramme und lächelt für Fotos in Smartphones. Bernd Hackl ist aus der Vox-Fernsehserie „Die Pferdeprofis“ bekannt und tourt mit seiner Show „Kriegspfad für alle“, einem „Pferdetraining mit der extra Portion Comedy“, durchs Land. Dabei trainiert er zwei ihm unbekannte Pferde, ein Jung- und ein Problempferd.

Von Fans umringt: Der Horseman gibt im Anschluss an die Show Autogramme.
Von Fans umringt: Der Horseman gibt im Anschluss an die Show Autogramme. | Bild: Weiß, Jacqueline

„Jeder Handgriff sitzt“

Rund 600 Pferdebesitzer und -freunde sind, teils von weit her, nach Singen gekommen, um dem Pferdetrainer bei der Arbeit zuzuschauen. Andrea Hauser und Adelheid Bolanz sind aus dem Raum Freiburg angereist, beide haben je zwei Pferde und sind beeindruckt von der Arbeit des Pferdetrainers.

„Das war toll und interessant zu sehen, wie sich das entwickelt hat und wie lässig er das macht. Dabei weiß er genau, was er tut, jeder Handgriff sitzt. Spannend war, wie er es schafft, dass die Pferde ihren Stress ablegen und wie er sich voll auf die Schritte des Pferds konzentriert. Auch als Mensch nimmt man viel aus der Show mit“, beschreibt Adelheid Bolanz ihre Eindrücke.

Spielerisch, aber konsequent

Tatsächlich ist es im Publikum vollkommen still und alle sehen gespannt zu, wenn Bernd Hackl mit dem Pferd arbeitet und es wird herzlich gelacht, wenn er von Begegnungen und Erfahrungen aus seinem Reiterleben erzählt.

Gut gerüstet für einen Tag in der Reithalle: Die Zuschauer schauen zu, lernen und sind gut unterhalten.
Gut gerüstet für einen Tag in der Reithalle: Die Zuschauer schauen zu, lernen und sind gut unterhalten. | Bild: Weiß, Jacqueline

Am zweijährigen Prinz zeigt er, worauf er bei der Ausbildung von Jungpferden achtet. Scheinbar spielerisch, aber konsequent, bringt er das Pferd dazu, das zu tun, was er von ihm will. Dabei ist Hackl voll konzentriert auf die Reaktionen des Pferdes, deutet diese und reagiert seinerseits. Er lässt das Publikum hören, was er beobachtet und tut und was das Pferd jetzt denken könnte. Von Pferdeflüsterer also keine Spur, Hackl lässt die Zuschauer an seinem Wissen teilhaben.

Arbeit soll Pferd und Reiter Freude machen

Man merkt, dass der Trainer genau weiß, wie Pferde ticken und welche Reaktion er auf welche Aktion bekommt. Dabei erweist sich das Jungpferd als aufmerksamer und intelligenter Schüler. „Ich lass die Dinge zu, die schon da sind“, beschreibt Hackl seine Arbeit. Wichtig sei ihm, dass Pferd und Reiter die Arbeit Freude macht und ein partnerschaftliches Verhältnis entstehe.

Stute Sina hat Angst vor Stangen. Bernd Hackl will ihr diese Angst nehmen.
Stute Sina hat Angst vor Stangen. Bernd Hackl will ihr diese Angst nehmen. | Bild: Jacqueline Weiß

Auch die Stute Sina konfrontiert er konsequent mit ihrem Stangenproblem. Sie nimmt panisch Reißaus, wenn sie die Hindernisstangen sieht. Er führt sie immer wieder an die Stangen heran, die er so anordnet, dass sie erst noch ausweichen kann. Später bleibt ihr nichts anderes übrig als darüber zu steigen und sie kann merken, dass ihr nichts passiert. „Man muss den Pferden etwas zutrauen“, sagt er, und: „Pferde wollen, dass einer gut auf sie aufpasst.“

Offene Worte und viel Humor

Seine Fans mögen Hackl aber nicht nur wegen seines Könnens am Pferd, sondern auch dafür, dass er kein Blatt vor den Mund nimmt. Der Bayer mit dem kleinen Zopf am Hinterkopf nimmt jede Reiterfraktion, die Politik und auch sich selbst auf die Schippe: „Die Klassiker haben keinen Humor und gehen in Strumpfhosen zum Reiten.“ Oder: „Frauen sehen ein Pferd und machen ‚Ooch‘.“

Dabei hat er aber auch die Mission, den Umgang mit den Pferden zu verbessern und unsinnige Vorschriften und Äußerlichkeiten zu hinterfragen. „Es gibt für mich nur schlechtes Reiten und gutes Reiten“, erklärt er. Für große Erheiterung sorgt die Beschreibung eines Ausritts mit vier Reitern aus der klassischen Reiterei, die seinen Vorschlag, erst mal mit Bodenarbeit zu beginnen, ausschlugen: Zwei der Pferde kamen allein zum Hof zurück, das eine mit dem Bäumchen im Schlepptau, an dem es angebunden war. Mit dieser Anekdote endet der Tag mit Bernd Hackl. Er dankt für das Durchhaltevermögen – auch den Herren der Schöpfung, die tapfer bis zum Schluss blieben. Man versteht sich unter Pferdemenschen.

„Wir können in der Pferdewelt noch viel bewegen“

Das sagt Bernd Hackl über seinen Auftritt in Singen.

Herr Hackl, wie hat Ihnen der Auftritt in Singen in der Reitanlage zur Dornermühle gefallen?

Es war ein super positives Publikum und eine tolle Anlage! Die Zuschauer haben sehr gut durchgehalten.

Sie arbeiten bei Ihrem sechsstündigen Programm mit den Pferden und unterhalten gleichzeitig das Publikum. Wie schaffen Sie das?

Es ist eigentlich gar nicht so schlecht, wenn ich nebenher ein bisschen plaudere, dann bin ich nicht so auf‘s Pferd fixiert. Wir helfen den Pferden so viel wie nötig, aber viel machen sie selbst und so können sie ein bisschen eigenverantwortlich spielen. Wichtig ist einfach, dass sie wissen, dass ich da bin.

Sie sehen die Pferde, mit denen Sie arbeiten, bei Ihrem Programm zum ersten Mal. Braucht man nicht ein bisschen Zeit, um mit dem Tier warm zu werden?

In den ersten paar Minuten schätze ich das Pferd ein und nehme die Situation wahr, wie sie ist. Mehr braucht es nicht. Es kann zum Beispiel sein, dass ein Pferd nach dem Training morgens schon eine Riesenentwicklung gemacht hat und mittags ganz anders daherkommt. Ich muss mich jedes Mal neu auf das Pferd einstellen.

Als Zuschauer hat man den Eindruck, dass Sie die ganze Zeit hoch konzentriert sein müssen.

Das stimmt, ich muss zu 100 Prozent aufpassen, da ich oft mit Pferden arbeite, die ein Problem haben. Meistens geht das gut. Wenn es nicht gut ging, hab ich tatsächlich nicht gut aufgepasst.

Sie zeigen in Ihrem Programm an zwei Pferden, wie man mit ihnen arbeiten kann. Was machen die Besitzer nach der Show?

Ich rate den Besitzern immer, sich einen guten Trainer zu suchen, mit dem sie weiterarbeiten können. Allein ist es schwierig, das umzusetzen. Außerdem bekommen Sie meine DVD mit. Im Prinzip mache ich den Anfang und die Besitzer müssen dann daheim arbeiten.

Macht Ihnen die Arbeit mit Pferden Spaß?

Das Leben mit Pferden macht Spaß. Jetzt muss ich es nur noch schaffen, mehr Zeit für meine Familie zu habe, da ich zur Zeit sehr viel unterwegs bin. Die Arbeit mit und für die Pferde hört für mich eigentlich nie auf, da ich der Meinung bin, wir können in der Pferdewelt noch sehr viel Positives im Training und Umgang bewegen. Wenn Besitzer Hilfe brauchen, mache ich mir natürlich Gedanken und durch die Liveshows und Kurse kann ich tatsächlich in der Praxis Hilfestellung geben.