Nach bestätigten Informationen des SÜDKURIER testet die Stadtverwaltung Singen eine neue Art von Radarfalle. Es handelt sich um eine transportable Anlage, die sehr futuristisch aussieht und auf den ersten flüchtigen Blick im Verkehr gar nicht groß auffällt. Sie ist schon scharf und hat die ersten Schnellfahrer bereits geblitzt. Aktuell steht das Gerät der Firma Vetro aus Wismar in Mecklenburg-Vorpommern in der Bahnhofstraße bei den Gebäuden der Bahn-Verwaltung. Eine Ankündigung für die neue Anlage gab es nicht.

Am Mittwoch wurde der neue Test-Blitzer aufgebaut. "Es wird nun von der Stadt getestet, ob dieses Gerät auch für Singen sinnvoll ist. Die Messanlage wird in den nächsten vier Wochen an verschiedenen Stellen in der Stadt zum Einsatz kommen", erklärte Stadt-Pressesprecher Achim Eickhoff auf Nachfrage. Der in Singen aufgestellte Apparat ist ein Typ der Reihe "Enforcement Trailer". Er ist ein kleines Hightech-Wunder (siehe unten) und hat mehrere Vorteile.

Zum einen ist der rollende Blitzer-Anhänger transportabel. Er hat versenkbare Räder und kann einfach per Autoanhänger an jeden beliebigen Standort gebracht werden. Vor allem zu Stellen, wo ein Begleitfahrzeug bei herkömmlichen mobilen Blitzern keinen Platz hat oder Messungen für das Personal der Stadt vom Verkehr her zu gefährlich sind. Das Test-Gerät kommt tagelang ohne jede Wartung oder Personal aus.

Der Blitz-Anhänger fällt beim Vorbeifahren kaum als Radarfalle auf. Er gleicht von hinten eher einem parkenden Auto. Oder einem Anhänger, was er ja auch ist. Im Internet, wo die neue Singener Radarfalle schon ihre Kreise zieht, wird bereits über einen "Hunde-Anhänger" gefrotzelt. Das Lästern dürfte einigen Autofahrern aber schon wieder vergangenen sein, denn der Test-Apparat blitzt nach Auskunft der Stadtverwaltung schon scharf. "Ja, es wird schon gemessen", erklärt Stadtsprecher Eickhoff.

Unklar sei noch, ob die Stadt das Gerät tatsächlich anschaffe. Das müsse wohl der Gemeinderat entscheiden. Dieser zeigte sich jedoch bisher sehr entschlossen, die Schnellfahrer deutlich auszubremsen und stimmte fünf neuen Blitz-Stellen mit fest eingebauten Anlagen an Durchgangsstraßen vor gut zwei Jahren zu. Diese blitzen wie verrückt, dreimal mehr Raser wurden ertappt als bei der Planung der Anlagen errechnet. Diese festen Blitzer hat die Stadt nicht gekauft, sondern erwirbt von einer Betreiberfirma nur die Fotos der Raser.

Wie viel Geld die Blitzer 2015 in die Stadtkasse spülten, konnte die Stadt am Donnerstag nicht sagen. 2014 waren es zumindest 680 000 Euro.

Vollzug auf Rädern

Der "Enforcement Trailer" (übersetzt etwa: Vollzugs-Anhänger) ist laut Hersteller mit einer unabhängigen Stromversorgung ausgestattet, die einen Messbetrieb bis zu fünf Tage mit einem Satz Batterien ermöglicht. Gemessen wird mit Lasertechnik. Personal ist nicht nötig. Einen Begleitwagen wie bei herkömmlichen Radarmessungen gibt es nicht. Es können Fahrzeuge über mehrere Spuren gleichzeitig geblitzt werden. Die Blitzer-Daten werden drahtlos übertragen. Das Gefährt hat versenkbare Räder und lässt sich bequem ans Auto hängen. Ein Alarmsystem schützt die Messtechnik vor Vandalismus. (jöb)