„Wie gestalten wir die Gedenkfeier?“ – Diese Frage stellten sich Wolfgang Kramer und Anne Overlack vom Vorstand des Fördervereins Museum Haus Dix zum 50. Todestag von Otto Dix. Die zahlreichen Gäste im Bürgersaal erlebten eine willkommene Überraschung: Statt sachlichem Vortrag über sein Leben und Werk zeichnete eine Lesung aus Briefen des Künstlers ein Bild des Menschen Otto Dix, der sich in keine Schublade pressen ließ.

Mit einer launig unterhaltsamen Feier wurden der Förderverein und die Stadt Singen dem Künstler gerecht. Dix schaute der Wahrheit ins Gesicht, hielt in seinen Bildern das Leid und die Wunden des Krieges fest. Er verstand es aber auch, das Leben zu genießen. Für Oberbürgermeister Bernd Häusler muss er ein lebensfroher Mensch gewesen sein, was sich aus einer alten Rechnung über 100 Flaschen Wein schließen lässt. Dix und seine Frau Martha tanzten auch gern, was das Tanzpaar Yaiza und Luciano aus Zürich mit einer Swing-Tanzeinlage zur schwungvollen Musik der Ladwigs Dixieland Kapelle hinreißend in Szene setzte.

Singen bleibt Otto Dix tief verbunden

Otto Dix übersiedelte 1933 nach Machtübernahme des NS-Regimes von Dresden nach Randegg und dann Hemmenhofen, wo er mit Frau und Kindern bis zu seinem Tode lebte. Heute befindet sich dort ein Dix-Museum, inzwischen als Außenstelle des Kunstmuseums Stuttgart. „Die Stadt ist dankbar, dass er hiergeblieben ist, wir sind ihm verpflichtet“, sagte Häusler mit Blick auf das Wandbild im Trauzimmer und das einzig erhaltene monumentale Wandbild „Krieg und Frieden“ im Ratssaal. Dort hätte auch der Festakt stattfinden sollen, was aufgrund der vielen Anmeldungen aus Platzgründen nicht möglich war.

Delegation eines Fördervereins aus Gera ist zu Gast

Häusler erinnerte daran, dass durch Dix schon 1947 die erste Kunstausstellung in Singen stattfand, womit der Grundstein für die Sammlung im Städtischen Museum gelegt wurde. Fünf Gemälde und 40 Grafiken von Dix sind dort heute im Bestand.

Unter den vielen Gästen begrüßte der OB auch Lars Hansigk mit einer Delegation des Fördervereins des Otto Dix Museums in Gera, die sich als Geburtsstadt des Künstlers auch als „Otto Dix Stadt Gera“ bezeichnet. Auch Singen könnte den Namen „Dix“ mehr herausstellen, gab Wolfgang Kramer zu bedenken, schließlich sei der ein weltbekannter Künstler.

Mit Textpassagen aus Briefen von Otto Dix, seiner Frau Martha und Beiträgen aus Artikeln zeichnen die Färbe-Schauspieler (von links): Elmar F. Kühling, Milena Weber und Reyniel Ostermann ein authentisches Bild des Künstlers.
Mit Textpassagen aus Briefen von Otto Dix, seiner Frau Martha und Beiträgen aus Artikeln zeichnen die Färbe-Schauspieler (von links): Elmar F. Kühling, Milena Weber und Reyniel Ostermann ein authentisches Bild des Künstlers. | Bild: Christel Rossner

Das sah einer von Dix‚ Lehrern an der Kunstschule in Düsseldorf seinerzeit ganz anders: „Du wirst nie ein Maler, du bleibst ein Schmierer“, heißt es in einem der Briefe, die als Textcollagen von den Färbe-Schauspielern Milena Weber, Elmar F. Kühling und Reyniel Ostermann als szenische Lesung vorgetragen wurden. Darunter Passagen geschrieben von Dix und seiner Frau Martha, dazu Texte aus Artikeln. Sie erinnern an die 1920er Jahre, als Dix als Bürgerschreck galt, an seinen „doppelten Familiensinn“ und das Leben mit seiner Familie während des Krieges, wo er „Schinken gegen Schinken“ eintauschte. Und Landschaften malte, denn: „Hier war ja weiter nichts.“