Zwei neue Angebote der Fachstelle Sucht in Singen richten sich an Kinder aus suchtbelasteten Familien. Mit einer Gesprächsgruppe und einem Präventionsprogramm will die Fachstelle betroffenen Kindern helfen. "Bei Hilfe und Therapie steht oft der Suchtkranke im Mittelpunkt, die Angehörigen sind aber genauso betroffen", erklärt Sozialarbeiterin Jana Klaiber.

Dabei sei es schwierig, den Kindern die Hilfe zukommen zu lassen. Wenn ein Elternteil zum Beispiel ein Alkoholproblem habe, werde das selten nach außen getragen. Auch die Kinder merken, dass niemand vom "Familiengeheimnis" wissen soll und sprechen nicht darüber. Manche Kinder verhielten sich auffällig, manche zögen sich zurück oder funktionierten perfekt, sagt Jana Klaiber. "Wir wollen diese Kinder aus dem Schatten herausholen, sie unterstützen und stärken", ergänzt Lars Kiefer, Leiter der Fachstelle Sucht. Es gehe darum, dass die Kinder einen verlässlichen Ansprechpartner haben und in der Gruppe erfahren, dass die nicht allein sind.

Familienleben ist wie ein Mobile

Die Sucht belastet die Familie. "Das können schon kleine Dinge sein, dass zum Beispiel die Mutter oder der Vater es morgens nicht schafft, das Pausenbrot zu richten, weil er oder sie abends zuviel getrunken haben", berichtet die Sozialarbeiterin. Jana Klaiber zeigt anschaulich an einem Mobile, wie sich die Sucht auswirkt. Die Familienmitglieder, als kleine Puppen dargestellt, sind im Gleichgewicht. Jeder trägt zum Gelingen des Familienlebens bei. Jana Klaiber hängt an eine Puppe eine kleine Flasche und schon hat das Mobile Schlagseite und der Haussegen hängt schief.

Kinder von Suchtkranken besonders gefährdet

Die Folgen sind belegt. Rund ein Drittel der Kinder von Suchtkranken entwickelt selbst eine Sucht, ein Drittel erkrankt psychisch und ein Drittel übersteht die Suchtbelastung weitestgehend gesund. Was aber oft bedeute, dass in Krisen und bei Veränderungen im Leben die Wunde wieder aufbreche, erklärt die Sozialarbeiterin.

Die neue Gesprächsgruppe "Aufwind", die im Januar 2020 in Singen starten soll, ist dank einer Spende des Vereins "Herzensache" für eine 50-Prozent-Stelle auf drei Jahre gesichert. Das Angebot gibt es schon seit 17 Jahren in Radolfzell. "Wir wollen die ganze Familie einbeziehen. Wir verurteilen nicht, sondern bieten Unterstützung", so Jana Klaiber. Neben dem Gruppenangebot können Einzelgespräche helfen und es gibt auch Freizeitangebote für die Kinder. Die beiden Mitarbeiter der Fachstelle Sucht wollen auch nicht von der Sucht betroffene Angehörige ermutigen, sich Hilfe zu holen oder den Kindern Hilfe zukommen zu lassen. Jetzt geht es den Mitarbeitern der Fachstelle darum, das Angebot bekanntzumachen. Lars Kiefer: "Wir sprechen Schulsozialarbeiter und Kinderärzte an und stellen uns bei Elternabenden vor."