Frau Ehret, seit einigen Monaten laufen in Hausen Vorbereitungen zur Gründung einer Nachbarschaftshilfe. Wie kam es dazu?

„Im vergangenen Herbst kam Bürgermeisterin Ute Seifried auf die Ortschaftsräte der nördlichen Stadtteile zu, um das Projekt anzustoßen. Im nahen Umkreis, beispielsweise in Volkertshausen und Steißlingen gibt es ja schon ähnliche Initiativen, um Menschen zu helfen, wenn sie diese benötigen. Ich bekomme auch immer mal wieder Anrufe von Hausener Bürgerinnen oder Bürgern, die sich kurzfristig Hilfe wünschen.“

Was planen Sie genau?

„Wir orientieren uns an dem Modell auf der Höri. Dort gibt es ja bereits seit 2003 die Nachbarschaftshilfe „Hilfe von Haus zu Haus“. Dort unterstützt ein Netzwerk aus rund 80 Helferinnen und Helfern kranke oder ältere Menschen, pflegende Angehörige oder auch Familien mit Kindern. Im November war Maria Hensler, die Initiatorin der Gaienhofener Nachbarschaftshilfe bei uns und hat über die Arbeit berichtet. Der Bürgerverein Hausen für Hausen e.V. hat sich bereit erklärt, das Projekt zu schultern.

Was ist seit der Infoveranstaltung im November passiert?

„Wir haben vor den Sommerferien zusammen mit Bürgermeisterin Seifried sowie der Leiterin des Seniorenbüros, Gabriele Glocker drei Infoveranstaltungen in Friedingen, Beuren und Hausen gemacht. In Schlatt findet die Veranstaltung voraussichtlich am 2. Oktober statt. Zunächst soll die Hilfe von „Nachbarn helfen“ in den vier nördlichen Stadtteilen installiert werden. Bei den Infoveranstaltungen kamen bereits einige Rückmeldungen von Menschen, die sich als Helfer engagieren wollen.“

Welche Voraussetzungen sollten Helfer haben?

„Wir bieten ab dem 15. Oktober einen Kurs in häuslicher Betreuung in der Altenpflege in Hausen an. Dieser Kurs umfasst 18 Einheiten mit je drei Stunden à 45 Minuten. Der Kurs wird von der katholischen Landfrauenbewegung Freiburg in Zusammenarbeit mit der AOK-Pflegekasse angeboten und ist für die Teilnehmer kostenlos. Die Abende finden immer montags ab 19 Uhr in der Alten Schule im Dorfgemeinschaftshaus Hausen statt. Themen sind beispielsweise häusliche Krankenpflege, Sofortmaßnahmen in Notfallsituationen oder Ernährung im Alter. Die Teilnehmer werden auch geschult über die gesetzlichen Möglichkeiten der Hilfe und erhalten Informationen über soziale Einrichtungen und Dienste. Der Kurs schließt mit einem Zertifikat ab.“

Muss jeder Helfer diesen Kurs machen?

„Nicht unbedingt. Wir haben schon Anfragen von Helferinnen, die bereits eine Ausbildung als Krankenschwester oder ähnliches haben. Diese brauchen den Kurs natürlich nicht zu machen. Für Menschen, die bisher nicht in diesem Bereich tätig waren, ist der Kurs aber unumgänglich. Der Kurs richtet sich an Familienangehörige und Helfer oder Helferinnen von Nachbarschaftsvereinen. Wir können 22 Personen für den Kurs annehmen.“

Wie will der Bürgerverein das neue Angebot organisieren?

„Es wird ein Büro geben, wo die Einsatzleiterin sitzt. Die Einsatzleiterin hat eine 450-Euro-Stelle. Das Büro wird drei Mal pro Woche nachmittags besetzt sein. Wir wollen zum 1. Januar 2019 starten“.

Welche Kosten entstehen für Menschen, die sich Hilfe holen?

„Die Menschen, die eine Hilfe anfordern, zahlen 12 Euro pro Stunde. Davon bekommt der Helfer 10 Euro. Der Rest wird mittelfristig für die Finanzierung der laufenden Kosten gebraucht. Von Seiten der Stadt ist aber eine Anschubfinanzierung in Höhe 10 000 Euro zugesagt. Außerdem geben die Ortsverwaltungen aus den teilnehmenden Stadtteilen 1500 Euro aus ihrem Etat für die Ausgaben am Anfang, beispielsweise für Computer oder Möblierung des Büros. Wir freuen uns natürlich auch über Spenden.“

Wie läuft der Prozess ab, wenn jemand Hilfe anfordert?

„Die Einsatzleitung wird dann zunächst die Person, die die Hilfe benötigt, zu Hause besuchen, um sich ein Bild von der Situation zu machen. Dann wird mit dem Helfer oder der Helferin im Büro überlegt, wie man die Hilfe konkret organisiert. Die Helfer können im Übrigen neben dem Stundensatz auch Fahrtkosten abrechnen. Die Menschen, die die Hilfe bestellen, können, falls sie einen Pflegegrad haben, sich die Kosten teilweise erstatten lassen. Das sollten sie dann vorher mit der Pflegekasse klären.

Was erhoffen Sie sich von dem neuen Angebot?

„Der Bürgerverein hat in seiner Satzung unter anderem den Zweck der Altenhilfe festgeschrieben. Mit der Hilfe von“ Nachbarn helfen“ können wir sicherlich dazu beitragen, dass Menschen länger in ihrer häuslichen Umgebung bleiben können, auch wenn die Kinder nicht in der Nähe wohnen. Denkbar sind Hilfen beim Einkaufen, der Wäschepflege oder die Begleitung zu Ärzten oder Behörden, aber auch Gartenpflegearbeiten. Allerdings ist das Angebot nicht zu verwechseln mit einer Putzfrau.

Die Helfer leisten gemeinsam mit der betreuten Person quasi als Hilfe zur Selbsthilfe Unterstützung da, wo sie benötigt wird. Die Hilfe wird ganz individuell geleistet. Sie kann einmalig sein, oder vorübergehend, beispielsweise nach einer Operation oder auch regelmäßig.“

Fragen: Susanne Gehrmann-Röhm

Zur Person und zum Kurs

  • Zur Person: Claudia Ehret (47) lebt seit 2008 mit ihrer Familie im Singener Stadtteil Hausen an der Aach. Sie ist verheiratet mit Oliver Ehret, der acht Jahre lang Oberbürgermeister der Stadt Singen war. Sie haben drei Kinder (die älteste schwerbehinderte Tochter Amelie starb 2017, die Zwillinge Jakob und Pauline, Jahrgang 2000, beginnen gerade ihr Studium). Seit 2009 ist Claudia Ehret im Ortschaftsrat in Hausen und derzeit zweite Vorsitzende des Bürgervereins. Claudia Ehret hat ein Jurastudium abgeschlossen. Seit rund 15 Jahren arbeitet sie freiberuflich im Freilichtmuseum Neuhausen ob Eck. Außerdem ist sie in Engen als Marketenderin Tilda in historischem Gewand bei Stadtführungen oder beim Altstadtfest aktiv. Ihr Hobby ist die Geschichte.
  • Der Kurs: Anmeldungen für den Kurs "Häusliche Betreuung in der Altenhilfe" nimmt Claudia Ehret unter der Telefonnummer (0 77 31) 14 46 32 oder per E-Mail: oliver-claudia-ehret@t-online.de entgegen. Start des Kurses ist am Montag, 15. Oktober um 19 Uhr im Gemeinschaftshaus Hausen an der Aach.
  • Das Spendenkonto: Es kann gespendet werden an den Bürgerverein Hausen für Hausen e.V. über die Bankverbindung Sparkasse Hegau-Bodensee, IBAN: DE41 6925 0035 1055 0021 31, BIC: SOLADES1SNG