Drei Jahre hat es gedauert. Drei Jahre, die sich für Darma Vivekachandran wie eine halbe Ewigkeit angefühlt haben müssen. 2016 hatte der Präsident der Hindugemeinde Singen Vinayagar erfahren, dass das bislang angemietete Gemeindezentrum am Bahnhof dem Erdboden gleichgemacht wird. Für den Mann aus Sri Lanka begann eine verzweifelte Suche nach einem Standort für einen Tempel, der den rund 270 Mitgliedsfamilien eine spirituelle Heimat bieten kann.

20 Jahre war die Gemeinde in einem 70 Quadratmeter großen Raum im ehemaligen Zollgebäude am Bahnhof untergebracht. Diese Räumlichkeiten sollen aber abgerissen werden.
20 Jahre war die Gemeinde in einem 70 Quadratmeter großen Raum im ehemaligen Zollgebäude am Bahnhof untergebracht. Diese Räumlichkeiten sollen aber abgerissen werden. | Bild: Tesche, Sabine

Ihre Herbergssuche führte die Hindus durch die gesamte Umgebung. „Singen, Engen, Radolfzell, Stockach„, zählt Vivekachandran nur einige der Gemeinden auf, an die er sich in den vergangenen Jahren mit seinem Anliegen gewendet hat. „Wir haben es sogar in Tuttlingen probiert.“ Überall war die Antwort gleich: Man wünsche der Gemeinde alles Gute, könne ihr aber weder ein passendes Gebäude vermieten, noch ein Gelände zum Kauf anbieten. „Zwischenzeitlich hatten wir sogar einen Makler bezahlt, aber auch das hat nichts geholfen.“

Gemeinderat hat etwas dagegen

Vielleicht am nähesten kamen die aus Südindien und Sri Lanka stammenden Hindus ihrem Ziel in der Nähe des Singener Waldfriedhofs. Dort habe man ein Gelände in Erbpacht erwerben wollen, das Bauvorhaben sei aber vom Gemeinderat abgeschmettert worden, berichtete Vivekachandran dem SÜDKURIER Anfang diesen Jahres. „Wir würden mittlerweile auch in eine Scheune ziehen“, betonte der Gemeindepräsident damals. „Wichtig ist, dass wir nicht auf der Straße stehen.“

Ein halbes Jahr später steht Darma Vivekachandran nicht auf der Straße, sondern am Eingang zu einem 1100 Quadratmeter großen Grundstück ganz in der Nähe des ursprünglich vorgesehenen Areals am Waldfriedhof. In einigen Wochen könnten hier, an der Schaffhauser Straße, in direkter Nachbarschaft zum Singener Steinmetzunternehmen Schwarz, die ersten Arbeiten für den neuen Hindutempel beginnen. „Vor zwei Wochen haben wir die Baugenehmigung erhalten“, freut sich der Gemeindepräsident.

Wie ist es dazu gekommen?

„Nachdem der SÜDKURIER im Januar über unsere Suche nach einem neuen Tempelstandort berichtet hat, hat Herr Schwarz Kontakt zum Oberbürgermeister aufgenommen“, sagt Darma Vivekachandran.

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Weitere Gespräche fanden statt, in deren Verlauf sich Joachim Schwarz als Eigentümer dazu bereit erklärte, einen Teil der von der Gärtnerei Seitz zurückgelassenen Fläche an die Hindugemeinde zu verkaufen. „Wir sind sehr dankbar, dass das geklappt hat“, betont Vivekachandran.

Ihm steht die Erleichterung ins Gesicht geschrieben. Kein Wunder: Nach Absage über Absage sei bei vielen Gemeindemitgliedern die Hoffnung geschwunden, dass es überhaupt noch möglich sei, einen Ort zu finden, in dem die Hindus künftig ihre Gottesdienste feiern können. Und auch für Vivekachandran selbst hatte sich die Suche zur Belastungsprobe entwickelt: „Ich engagiere mich ja schon seit Jahren – die meisten Mitglieder haben auch deshalb viel Geld für die Errichtung des Tempels gespendet, weil sie mir vertrauen.“

Dickes Fragezeichen hinter der Kostenfrage

Fast 250.000 Euro hat die Hindugemeinde nun alleine für das Grundstück gezahlt. „Damit sind wir quasi auf einen Schlag wieder bei Null“, erklärt Vivekachandran, der mit weiteren 300.000 Euro Kosten kalkuliert. Der Plan: Möglichst viele Mitglieder – Vivekachandran eingeschlossen – nehmen Kleindarlehen auf, die die Gemeinde nach Errichtung ihres Tempels schrittweise wieder zurückzahlt.

Zunächst soll das 350 Quadratmeter große, von außen an eine Lagerhalle erinnernde Hauptgebäude gebaut und bis zum Winter fertiggestellt werden. Dann könne man den Innenausbau angehen – zum Großteil in Eigenregie, erklärt der Präsident. „Wir sind aber auch über jede Spende dankbar.“

Ein hilfsbereiter Nachbar

Immerhin, so viel steht jetzt schon fest: Der Nachbar ist dem Bauprojekt wohlgesonnen. Schließlich wird der neue Tempel direkt neben dem Gebäude der Firma Schwarz gebaut werden. „Hindus kannte ich vorher nur aus dem Fernsehen“, sagt Joachim Schwarz mit einem Augenzwinkern. Er habe sich aber darüber gefreut, die Gemeindemitglieder kennenzulernen und beschreibt den Austausch als sehr positiv. „Die Gemeinde ist ja auch bereits 20 Jahre hier in Singen. Jetzt braucht sie eben eine neue Heimat – und das unterstützen wir gerne.“

Das mag einleuchtend klingen, ist aber aus Vivekachandrans Sicht alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Als gemeinnütziger Verein und religiöse Einrichtung sei man zahlreichen baurechtlichen Auflagen unterworfen. „Das Prozedere hat jetzt bereits ein halbes Jahr in Anspruch genommen“, sagt er. „Es gibt kaum einen Verkäufer, der geduldig genug ist, das so lange mitzumachen.“ Er spricht aus Erfahrung.