Der Wahlkampf ist vorüber, die ECE-Unterstützer gehen als Sieger aus dem Bürgerentscheid vom Sonntag hervor: 21,6 Prozent der Wahlberechtigten stimmten für das Center, 15,2 Prozent dagegen. "Wir haben ein eindeutiges Ergebnis", freute sich OB Bernd Häusler. Auch die Wahlbeteiligung von 36,8 Prozent machte das Stadtoberhaupt zufrieden.

Der Jubel brach im Ratssaal des Rathauses laut los, als der letzte Stimmbezirk beim ECE-Bürgerentscheid ausgezählt war und das Ergebnis zugunsten des Einkaufszentrums feststand. Kurz nach 19 Uhr lagen sich die ECE-Unterstützer glücklich in den Armen und die unterlegenen Gegner trugen ihre Niederlage mit Fassung. Rund 150 Zuschauer verfolgten die Auszählung.

Schnelle Auszählung am Sonntagabend 

Schon wenige Minuten nach 18 Uhr hatten die ersten Ergebnisse aus den kleinen Wahlbezirken festgestanden. Da waren noch wenige Besucher im Rathaus. Schnell, im Minutentakt, kamen die Ergebnisse herein. Da – ohne Briefwahl – nicht mal jeder dritte Wahlbürger zur Abstimmung gegangen war, und es auch nur zwei Felder zum Ankreuzen gegeben hatte, lief die Auszählung rasant. Schon nach einer halben Stunde waren alle Bezirke ausgezählt, nur die Briefwahl fehlte noch. Schon da war weitgehend klar, dass die Gegner nicht mehr gewinnen würden. Sie hatten ohne Briefwahl gerade mal 4102 der Stimmen bekommen, aber 7244 für das Quorum gebraucht. Da nur 3554 Bürger Briefwahl beantragt hatten, hätte es geradezu eines Wunders gebraucht. Das kam aber nicht. Vielmehr verfestigte sich der Trend, der schon den ganzen Abend vorgeherrscht hatte. Die ECE-Unterstützer lagen mit spürbarer Mehrheit vorne. Bis zum Schluss.

ECE-Befürworter feiern Ergebnis auf dem Hohentwiel 

Die glücklichen Sieger der Gruppe "Lebendiges Singen" hatten nach der Bekanntgbe des Ergebnisses dann allen Grund zum Feiern. Gefeiert wurde das Ergebnis des Bürgerentscheids am Sonntagabend auch an der höchsten Stelle in der Stadt, auf dem Hohentwiel. Für dort hatten sich zumindest einige Befürworter für den Fall eines ECE-Sieges verabredet, berichtete Befürworter Klaus Bach, der beim Burgfest mit logistischer Unterstützung aktiv war.

Wie es in der Planung nun weitergeht, nachdem die Bürger abgestimmt haben, wird OB Bernd Häusler in einem Pressegespräch am frühen Nachmittag des Montags erklären. Es stehen vor allem die Verhandlungen mit ECE wegen der Grundstücks- und Straßenverkäufe für das Center an. Häusler hatte schon angekündigt, im Sinne der Stadtkasse hart verhandeln zu wollen.

Zufriedenheit auch im Singener Rathaus 

OB Bernd Häusler zeigte sich erfreut, dass die Abstimmung ein eindeutiges Ergebnis gebracht hat. "Die Befürworter haben das Quorum erreicht", erklärte der Oberbürgermeister angesichts von mehr als 20 Prozent Zustimmung für das Bauprojekt. "Die Entscheidung bestätigt den Beschluss des Gemeinderates", sagte er nach Bekanntgabe des Abstimmungsergebnisses. Nun gehe es darum, die Gräben der vergangenen Wochen schnell zu überwinden und gemeinsam weiter zu arbeiten, um das Projekt zu einem Erfolg für die Stadt Singen zu machen. Dafür sei der Grundstein mit dem vorhandenen Wahlausgang gelegt, so Häusler.

Kirsten Brößke von der Initiative Lebendiges Singen entfuhr ein Jubelschrei, als das endgültige Ergebnis endlich vorlag. "Die Bürger haben die Chance erkannt", freut sich die ECE-Befürworterin über den deutlichen Ausgang des Bürgerentscheids. Für sie war von Anfang an klar, dass Singen etwas Neues braucht, um als Handelsstandort attraktiv zu bleiben. Ihren Anspruch an die kommende Zeit formuliert sie mit Bedacht: "Mein Wunsch ist, dass die Einkaufsstadt Singen mit diesem Investor eine gute Zukunft hat." Um dieses Ziel zu erreichen, hat sie sich in den vergangenen Wochen kräftig ins Zeug gelegt. "Jetzt können wir den Erfolg feiern."

Forderung der Gegner: Versprechen zur Stärkung der Reststadt nicht vergessen 

Regina Henke von der Gegner-Bürgergruppe "Für Singen" sagte kurz nach der Bekanntgabe des Ergebnisses, ihre Gruppe habe mit ihren Argumenten "die Mehrheit der Singener Bevölkerung nicht erreichen können". Nun liege die Verantwortung bei der Stadt, dem Gemeinderat und der Mehrheit der abstimmenden Singener, "das Beste für Singen zu tun". "Die Versprechungen zur Stärkung der Reststadt sollten nicht vergessen werden. Wir werden diese, wenn nötig, einfordern." Und die Gruppe sei "nach wie vor bereit, uns für unsere Stadt zu engagieren und freuen uns auf eine konstruktive Zusammenarbeit zum Wohle von Singen."

Marcus Janko, der Chefplaner des Hamburger Investors ECE, nannte das Abstimmungsergebnis wenige Augenblicke nach der Auszählung "einfach sensationell! Ich bin restlos überwältigt." Ihm war merklich ein großer Stein vom Herzen gefallen, als die 21,6 Prozent pro ECE feststanden. Mit einem Ergebnis in dieser Deutlichkeit habe er persönlich nicht gerechnet. Diese klare Entscheidung sei nun aber gut. Den Kritikern reichte er die Hand: "Wir wollen auch weiterhin einen konstruktiven Austausch, dabei bleibt es!" Die Gespräche würden mit allen weitergeführt und man werde versuchen, die Kritiker noch zu überzeugen.